Von Markus C. Schulte von Drach

Schokoladen- oder Kaugummi-Zigaretten sind nicht einfach nur Süßigkeiten im Zigarettenformat. Kinder, die häufig mit den Pseudo-Glimmstängeln spielen, greifen später auch eher zur echten Zigarette.

Für Jugendliche mag es nur albern sein, mit Schokoladen- oder Kaugummi-Zigaretten zu spielen - schließlich haben sie mit 16 Jahren legalen Zugriff auf die echte Suchtdroge. Und viele rauchen bereits Jahre davor mehr oder weniger heimlich. Doch für kleinere Kinder stellen die Pseudo-Glimmstängel aus Schokolade offenbar eine Art Einstiegssüßigkeit dar.

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Wie Jonathan Klein von der University of Rochester berichtet, erhöht das Spielen mit den Zigaretten-Imitaten die Anfälligkeit dafür, später zum nikotinhaltigen Original zu greifen.

Sie sind, so kritisiert der Forscher, eine Art Werbemittel für die Kleinen. Demnach dürfe man sie nicht einfach nur als Süßigkeiten betrachten, sondern am besten gleich vom Markt nehmen.

In einigen Ländern, darunter Kanada, Großbritannien, Norwegen und Finnland, sind die Zigaretten-Imitate bereits verboten, in Deutschland und den USA dagegen nicht - obwohl Werbung für echte Zigaretten hierzulande bereits erheblich eingeschränkt wurde.

Klein und sein Team hatten die Antworten von als 25.000 erwachsenen US-Bürgern auf eine Online-Umfrage ausgewertet. Fast 56 Prozent der Teilnehmer hatten angegeben, zu rauchen oder früher geraucht zu haben.

Und von diesen hatten lediglich zwölf Prozent niemals mit den essbaren Imitaten gespielt. Bei Nichtrauchern dagegen waren 22 Prozent bereits bei den Pseudo-Zigaretten abstinent gewesen.

Außerdem hatten wiederum 22 Prozent der Raucher oder Ex-Raucher häufig oder sehr häufig Zigaretten-Imitate konsumiert, während es bei den Nichtrauchern lediglich 14 Prozent gewesen waren.

"Der Gebrauch von Schokoladenzigaretten", so schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin Preventive Medicine, war verbunden mit einem erhöhten Risiko, als Erwachsene zu rauchen."

Die Wahrscheinlichkeit, zu echten Zigaretten ist offenbar umso höher, je häufiger die zigarettenähnlichen Süßigkeiten konsumiert worden waren - und zwar unabhängig von der Bevölkerungsgruppe.

"Das Vorhandensein dieser Produkte", so Klein, "unterstützt den Eindruck, dass Rauchen eine kulturell oder sozial akzeptable Aktivität ist."

Hersteller wissen um die Wirkung

Bereits im Jahre 2000 hatte Klein zusammen mit dem Anwalt Steve St. Clair Dokumente der Tabakindustrie ausgewertet. Aus diesen war hervorgegangen, dass die Zigarettenhersteller selbst die Kinder-Zigaretten als gutes Mittel betrachtet hatten, um Kindern das Rauchen nahezubringen.

Deshalb habe man in der Branche auch keine Probleme damit, dass die Süßigkeiten mit Verpackungen und Logos versehen werden, die die Originalprodukte imitieren.

Außerdem hatten Klein und St. Clair Hinweise darauf entdeckt, dass zwei große US-Hersteller von Süßigkeiten in Zigarettenform Anfang der neunziger Jahre Einfluss auf die Veröffentlichung einer Studie zum Zusammenhang zwischen ihren Produkten und dem Tabakkonsum genommen hatten.

Die von den Unternehmen gesponserte Untersuchung hatte Klein zufolge gezeigt, dass die Ess-Zigaretten Kinder dazu ermutigt, später zu rauchen. Veröffentlicht wurde jedoch eine überarbeitete, von etlichen Bedenken der Studien-Autoren befreite Version.

In ihrer Tobacco Convention fordert die WHO bereits seit Jahren ein Verbot von Süßigkeiten, die wie Tabakprodukte aussehen, desgleichen der Rat der Europäischen Union. Auch die frühere Verbraucherschutzministerin Renate Künast hatte darüber nachgedacht. Aber weit gekommen war sie mit ihrem Vorstoß nicht.

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(sueddeutsche.de)