Kinder - der ganz normale Wahnsinn Verbot, welches Verbot?

Kleine Kinder wollen nicht wahrhaben, dass ihrem Freiheitsdrang Grenzen gesetzt werden. Also durchbrechen sie diese - immer wieder nach demselben Muster: zehn ungeschriebene Gesetze des Regelverstoßes, die auch Eltern kennen sollten.

Eine Kolumne von Katja Schnitzler

Zehn goldene Regeln für Regelbrecher

(Foto: J. Hosse)

Es gibt eine Phase, in der testen Kinder aus, wie weit sie Regeln ignorieren und überschreiten können. Die Phase lässt sich in drei Abschnitte einteilen: Kleinkind, Schulkind, Jugendlicher. Dann ist das Kind volljährig und kann sich seine eigenen Grenzen setzen. Die Abschnitte unterscheiden sich durch die Eloquenz bei den Ausreden und dadurch, dass sich die Kinder bei späteren Regelverstößen nicht mehr so leicht erwischen lassen. Wobei es immer noch Teenager geben soll, die nicht bedenken, dass sich Alkohol und Zigarettenrauch auch Stunden später noch erschnuppern lassen.

Doch eigentlich soll der Nachwuchs das Einhalten von Regeln schon im ersten Teil dieser langen Phase erlernen: im Kleinkindalter. Leider haben Zwei- bis Dreijährige nicht immer die Absicht, Grenzen zu respektieren - jedenfalls nicht, solange diese ihrem freien Willen entgegenstehen. Zum Beispiel dem Willen, ihrem Spielnachbarn erst die Sandschaufel zu stehlen und sie ihm, sollte er etwas dagegen haben, kräftig über den Kopf zu ziehen. Ob daheim, im Supermarkt, auf dem Spielplatz, beim Spaziergang oder in der Nähe von übelriechenden Misthaufen, die nur in den Augen von Kindern wie ideale Spielstätten aussehen - wer Kinder in diesem Alter beobachtet, stellt bald fest, dass alle den zehn ungeschriebenen Gesetzen des Regelverstoßes folgen:

Überhöre die Regel

"Lass die Schaufel liegen, die gehört dir nicht!" Von weitem dringt die Stimme der Mutter nur bis an den Rand des kindlichen Bewusstseins vor. War da was? Oder war es nur der Wind? Es muss der Wind gewesen sein. Zurück zum Wesentlichen: der Schaufel.

Mach es gleich noch mal, das scheint interessant zu sein

Also diese Schaufel, in einem wunderbaren Rot gehalten, muss ja etwas ganz Besonderes sein, wenn dieser Junge nach der von der Mutter erzwungenen Rückgabe so eifrig gräbt. Mit dieser Schaufel, und nur damit kann man bestimmt die tiefsten Löcher buddeln. Und ist es nicht ungerecht, dass dieser fremde Junge allein damit spielen kann? Her mit der Schaufel!

Gib dich kooperativ

Die Mutter hat ihren Beobachtungsposten am Spielplatzrand verlassen, um ihrem Sprössling die rote Schaufel aus der Hand zu winden. Er bockt, sie droht mit sofortigem Verlassen des Platzes. Er gibt sich einsichtig und kratzt lustlos mit seiner eigenen grünen Schaufel im Sand herum. Die Mutter geht zurück zu ihrem Posten.

Teste die Grenzen

Das Kind schaut sich vorsichtig um und stellt fest: Es steht unter Beobachtung. Also scharrt es weiter mit der grünen Schaufel im Sand und rutscht unauffällig näher an den Sandkastennachbarn heran. Der hat das rote Prachtstück neben sich abgelegt. Das ist so gut wie eine Einladung. Das Kind schnappt sich die rote Schaufel, dreht dem Spielnachbarn und der Mutter den Rücken zu und fängt wie wild an zu schaufeln. Das größte, schönste Loch aller Zeiten muss gebuddelt sein, bis Mutter wieder die Schaufel aus der Hand windet!

Lass dich nicht erwischen

Noch besser ist es, gar nicht auf frischer Tat ertappt zu werden: Profis halten den Buddel-Drang zurück und verziehen sich hinter einen Sichtschutz, etwa das Spielhäuschen, zur Not tut es auch die Rutsche. So verliert der Schaufel-Eigentümer viel Zeit mit Suchen, bevor ihm bewusst wird, dass nicht er das gute Stück vergraben, sondern der Dieb wieder zugeschlagen hat.