Kinder - der ganz normale Wahnsinn "Mensch, Mädel!"

Die Mutter schluckte. Überlegte. Nickte. Die Tochter lächelte zufrieden und stöckelte aus dem Haus.

Am Samstagmorgen verkniff sich die Mutter: "Findest du nicht, das ist ein wenig ...", "So kannst du doch nicht ..." und "Ist das dein Ernst?" Auch der Vater war über die neue Strategie informiert, wenn auch nicht völlig überzeugt. "Hoffentlich hat sie wenigstens eine Unterhose an", knurrte er der Mutter zu, weil der Minirock zumindest den Namen "Rock" zu Unrecht trug. Hatte sie. Das sah die familiäre Festgesellschaft, als die Tochter aus dem Auto stieg.

Die Tochter missinterpretierte die Aufmerksamkeit und genoss sie. Die Mutter schämte sich, aber schwieg. Die Tochter stolzierte zum Haus der Großmutter, im Geist hörte sie wohl die Rufe der Fotografen und blinzelte im imaginären Blitzlichtgewitter. Der penetrant direkte Onkel - das zumindest graue Schaf der Familie - störte die Illusion: "Mädchen, aus dir ist ja eine Frau geworden!"

Die Tochter lächelte geschmeichelt. "Und Beine bis zum Po", sagte der Onkel und beugte sich ein wenig vor, um diesen Po zu begutachten. Das Lächeln der Tochter verrutschte, sie zupfte den Rocksaum ein wenig nach unten. "Und Mädel, wem solche Brüste wachsen, der kann sie ruhig zeigen", rief der Onkel begeistert, während ihn seine Frau nach draußen zog. Die Tochter nestelte am tiefen Ausschnitt und zog unbewusst die Schultern nach vorne. Es fühlte sich nicht mehr nach rotem Teppich an, nur noch nach Blitzlicht.

Die Tochter flüchtete ins Haus und erstarrte. Ihre praktisch veranlagte Großmutter hatte Biertische aufgestellt - und Bänke, damit auch alle sitzen konnten. Bierbänke sind der natürliche Feind von kurzen Röcken, vor allem wenn nur noch Plätze in der Mitte frei sind. Fast hatte die Mutter Mitleid. Aber nur fast.

Als die Feier vorbei war, raunte die Oma der Mutter beim Abschied zu: "Ein fleißiges Mädchen hast du! Hat sich die ganze Zeit nicht ein einziges Mal hingesetzt, sondern immer nachgeschenkt und in der Küche geholfen. Sogar gegessen hat es im Stehen. Aber eines wollte ich dir schon noch sagen: Ich hätte dich ja so nie aus dem Haus gehen lassen."

Der Ausschnitt kann nicht zu tief, der Rock nicht zu kurz sein. Mit der Pubertät verwandeln sich viele Mädchen zumindest äußerlich in "sexy Lolitas", sehr zur Sorge ihrer Eltern. Psychologin Elisabeth Raffauf gibt im Interview Tipps, wie Mütter und Väter auf die knappe Kleidung ihrer Töchter reagieren sollten.

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