Kinder - der ganz normale Wahnsinn Dein Kind erzieh ich auch noch!

Sieht reizend aus, die Kleine, ist aber leider schlecht erzogen. 

(Foto: J. Hosse)

Unmöglich, wie sich andere Kinder aufführen. Da können Mütter und Väter nicht widerstehen, mit den fremden Bälgern ein ernstes Wort zu reden. Oder zwei.

Von Katja Schnitzler

Die Mutter beobachtete das fremde Kind, seitdem die U-Bahn losgefahren war. Während ihr eigenes Kind ohne zu zappeln neben ihr saß und mehr oder weniger naheliegende Fragen stellte ("Wie heißt die nächste Station? Was zischt da? Sieht der U-Bahnfahrer im Tunnel überhaupt etwas?"), sagte das andere Kind zwar nichts. Ruhig war es dennoch nicht.

Im Rhythmus der ratternden Räder trat es gegen die Sitzbank gegenüber. Die andere Mutter schwieg dazu. Dabei war diese Sitzbank nicht leer, ein alter Mann saß darauf. Seine Miene wurde finster und finsterer. Beim dreiundsechzigsten Tritt, der die Bank erschütterte, beugte er sich zu dem Kind.

Die Mutter lauschte gespannt, die fremde Mutter blickte nicht einmal auf. "Wenn du noch einmal gegen die Bank trittst", sagte der Mann mit sehr tiefer Stimme, "dann trete ich zurück." Das fremde Kind erstarrte. Dann drückte es seine Beine fest an den eigenen Sitzplatz und rührte sich die nächsten fünf Stationen nicht mehr. Vielleicht atmete es nicht einmal. Es sah jedenfalls nicht so aus.

Sehr effektiv, fand die Mutter. Sie verstand den Mann gut. Während sie selbst ihrem Kind eine umfassende gute Erziehung angedeihen ließ, stellte sie fest, dass an den anderen Kindern auch nur das Mindestmaß einer solchen offenbar spurlos vorbeiging. Wenn sie überhaupt erzogen wurden. Sehr zum Nachteil ihres eigenen höflichen und rücksichtsvollen Kindes, das den Anmaßungen der Spielkameraden hilflos gegenüberstand. Und traurig nach dem Kindergarten berichtete, dass ihm schon wieder ein Spielzeug entrissen worden war.

"Wehr dich doch", sagte dann die Mutter. "Aber ich darf doch nicht schubsen oder hauen", sagte das Kind, das gute. "Dann schrei den Spielzeugdieb an", schlug die Mutter vor. "Aber", flüsterte ihr wohlerzogenes Kind, "aber im Kindergarten dürfen wir nicht schreien."

Offenbar hatte die Mutter ihr Kind auf eine Gesellschaft voll Höflichkeit und Rücksichtnahme vorbereitet, die es in dieser Vollkommenheit leider nicht gibt: Zwar kam das gut erzogene Kind bei den Erziehern gut an, konnte sich aber bedauerlicherweise nicht in der Gruppe durchsetzen. Also beschloss die Mutter, die Gesellschaft zu ändern. Oder wenigstens die Rüpel-Kinder, die den Fehler machten, ihr über den Weg zu laufen. Und davon gab es genug.

Kinder - der ganz normale Wahnsinn Ein Freund, der aus der Hölle kam

Unser Sohn war brav, anständig und überall gern gesehen. Doch dann lernte er dieses eine Kind kennen: Max. Der war böse, gemein und nirgends gern gesehen - außer bei unserem Sohn. Seitdem werden wir Max nicht mehr los.