In einer kleinen Gemeinde in Madrid tragen die Pfarrer Jeans und reichen Gebäck. Dem Erzbischof aber passt das ganz und gar nicht.
Erstaunlich, wie viele Menschen doch Platz gefunden haben in der Pfarrei San Carlos Borromeo am Ortsrand von Madrid; erst als die Messe gesungen war, wurde man sich dessen wirklich gewahr.
In San Carlos Borromeo geht es Erzbischof Antonio Rouco Varela ein wneig zu locker zu - er hat den Priestern der Gemeinde verboten, die Messe zu lesen. (© Foto: AP)
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Minutenlang strömten die Menschen aus den Eingangstüren wieder heraus, und das einzige, was man fehlerfrei feststellen konnte war, dass es mehrere Hundert waren, die es geschafft hatten, sich in den schmucklosen Raum zu zwängen, der eigentlich nur für höchstens 150 Menschen vorgesehen ist.
Der Rest, ebenfalls Hunderte, war vor den verstopften Eingangstüren geblieben und hatte versucht, der Eucharistie so gut es ging, zu folgen, und es war ihnen schließlich einerlei, dass dort kaum ein Wort zu verstehen war.
Das, was von dieser Kirche an österlicher Botschaft hinausströmen sollte, war weniger das Wort der Bibel, sondern ihre bloße, massive Gegenwart, die so viel heißen sollte wie: Wir lassen uns diese Kirche nicht nehmen. Schon gar nicht vom Bischof.
In der Vorwoche war bekannt geworden, dass Madrids oberster Hirte, Erzbischof Antonio Rouco Varela, den drei Priestern der Gemeinde die Erlaubnis entzogen hatte, die Messe zu lesen.
Beifall und Umarmungen
Der Grund: Mehr denn je muss in Spaniens Kirche alles seine rechte Ordnung haben, und in der Pfarrei San Carlos Borromeo in Madrid-Vallecas ist genau dies nicht der Fall.
Deren Pfarrer halten die Eucharistie-Feier schon mal in Jeans und Pullover ab, und dass mitunter der Leib Christi nicht als Hostie gereicht worden ist, sondern als hausgemachtem Spritzgebäck, war der Kirchenhierarchie ein Dorn im Auge. Die Formen, so der Erzbischof, müssten schon gewahrt werden - die Liturgie sei nun mal die Liturgie.
"Die Kinder haben das mit der Hostie nicht verstanden; es waren ihre Mütter, die uns das Gebäck brachten", hat einer der drei Priester erzählt, Enrique de Castro, der sich des Beifalls ebenso wenig erwehren konnte wie der zahllosen Umarmungen, als am Sonntag die Kirche verließ.
Es waren äußere Zeichen der Zuneigung, die sich schon in den vorangegangenen Tagen multipliziert hatten. Und die sich De Castro durch eine fast drei Jahrzehnte währende Arbeit errungen hat.
Dem Erzbischof, so glaubt man in dem Viertel, ist die Pfarrei deshalb ein Dorn im Auge, weil De Castro als politisch links gilt. Die Presse nennt sie: die rote Kapelle. Diese hat sich mit enormem persönlichen Einsatz der sozialen Arbeit verschrieben. Seit nunmehr 27 Jahren.
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Partyzone Flußufer
Dass die Menschen durch Spritzgebäck und Jeans zum Glauben kommen?
Dass ich nicht lache! Christ wird man nicht, weil einem die Eucharistie schmeckt oder der Priester lässig aussieht.
Selbsternannte Theologen mit Jesus-Zitaten führen übrigens auch niemanden zu einem besseren Leben. Fürs Christsein muss sich schon jeder selbst entscheiden und konsequent leben. Das mache mir mal einer ausserhalb der Kirche nach. Da wird schnell ein eigener unfruchtbarer Weltanschauungsmix für Freizeitmystiker draus.
Ich reihe diesen Artikel übrigens in die Serie "Hau drauf auf die Kirche" ein. Sehr passend für Ostern. Hohes BILDungsniveau.
Ohne gleich Rückschlüsse auf Papst Benedikts zu nehmen, kann ich nur eines sagen:
Die katholische Kirche ist selber schuld wenn ihr die Gläubigen abhanden kommen. Die Aktionen dieser Gemeinde sind in diesem stadtviertel absolut nötig, und da es kein soziales Netz in dem in Deutschland bekanntem Sinne in Spanien gibt, die einzige Möglichkeit für viele wieder den Weg zurück in die Gesellschaft zu finden.
Man kann Herrn Rouco nur empfehlen den Wahnsinn bleiben zu lassen, demnach müsste er ja im Baskenland die ETA treuen Pfarrer auch entlassen, oder?
Die Sache sehe ich so: Auch heute hat die obere Schicht der spanischen kath. Kirche noch nicht den Faschismus und ihr Speichellecken über 40 Jahre bei General Franco überwunden. Nicht weiter verwunderlich, dass dann ein Papst Ratzinger, von eigenen Gnaden Glaubenswächter, sozialkritisch eingestellte Priester in Lateinamerika diszipliniert. Es ist die gleiche Ideologie: gegenüber den Mächtigen buckeln, nach unten treten. So verwirklicht man das erste und oberste Gebot, das Jesus selbst gegeben hat! Aber man kann ja für Frieden und Gerechtigkeit weiterhin fleißig beten.