Von Javier Caceres

In einer kleinen Gemeinde in Madrid tragen die Pfarrer Jeans und reichen Gebäck. Dem Erzbischof aber passt das ganz und gar nicht.

Erstaunlich, wie viele Menschen doch Platz gefunden haben in der Pfarrei San Carlos Borromeo am Ortsrand von Madrid; erst als die Messe gesungen war, wurde man sich dessen wirklich gewahr.

Pfarrei San Carlos Borromeo am Ortsrand von Madrid Spanien katholische Kirche

In San Carlos Borromeo geht es Erzbischof Antonio Rouco Varela ein wneig zu locker zu - er hat den Priestern der Gemeinde verboten, die Messe zu lesen. (© Foto: AP)

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Minutenlang strömten die Menschen aus den Eingangstüren wieder heraus, und das einzige, was man fehlerfrei feststellen konnte war, dass es mehrere Hundert waren, die es geschafft hatten, sich in den schmucklosen Raum zu zwängen, der eigentlich nur für höchstens 150 Menschen vorgesehen ist.

Der Rest, ebenfalls Hunderte, war vor den verstopften Eingangstüren geblieben und hatte versucht, der Eucharistie so gut es ging, zu folgen, und es war ihnen schließlich einerlei, dass dort kaum ein Wort zu verstehen war.

Das, was von dieser Kirche an österlicher Botschaft hinausströmen sollte, war weniger das Wort der Bibel, sondern ihre bloße, massive Gegenwart, die so viel heißen sollte wie: Wir lassen uns diese Kirche nicht nehmen. Schon gar nicht vom Bischof.

In der Vorwoche war bekannt geworden, dass Madrids oberster Hirte, Erzbischof Antonio Rouco Varela, den drei Priestern der Gemeinde die Erlaubnis entzogen hatte, die Messe zu lesen.

Beifall und Umarmungen

Der Grund: Mehr denn je muss in Spaniens Kirche alles seine rechte Ordnung haben, und in der Pfarrei San Carlos Borromeo in Madrid-Vallecas ist genau dies nicht der Fall.

Deren Pfarrer halten die Eucharistie-Feier schon mal in Jeans und Pullover ab, und dass mitunter der Leib Christi nicht als Hostie gereicht worden ist, sondern als hausgemachtem Spritzgebäck, war der Kirchenhierarchie ein Dorn im Auge. Die Formen, so der Erzbischof, müssten schon gewahrt werden - die Liturgie sei nun mal die Liturgie.

"Die Kinder haben das mit der Hostie nicht verstanden; es waren ihre Mütter, die uns das Gebäck brachten", hat einer der drei Priester erzählt, Enrique de Castro, der sich des Beifalls ebenso wenig erwehren konnte wie der zahllosen Umarmungen, als am Sonntag die Kirche verließ.

Es waren äußere Zeichen der Zuneigung, die sich schon in den vorangegangenen Tagen multipliziert hatten. Und die sich De Castro durch eine fast drei Jahrzehnte währende Arbeit errungen hat.

Dem Erzbischof, so glaubt man in dem Viertel, ist die Pfarrei deshalb ein Dorn im Auge, weil De Castro als politisch links gilt. Die Presse nennt sie: die rote Kapelle. Diese hat sich mit enormem persönlichen Einsatz der sozialen Arbeit verschrieben. Seit nunmehr 27 Jahren.

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