Kampf gegen Magerwahn Dünn, dünner, dicker

Die Textil- und Modebranche hat sich dazu verpflichtet, nur noch Models mit einem Bodymass-Index von mindestens 18,5 zu beschäftigen. Dadurch soll sich das Schönheitsbild der Deutschen ändern.

Die deutsche Textil- und Modebranche will künftig einem extremen Schlankheitsideal entgegentreten. Vertreter des Modeverbands GermanFashion, des Deutschen Mode Instituts, des Verbands lizenzierter Modellagenturen und des Modemessen-Veranstalters Igedo unterzeichneten am Freitag in Berlin gemeinsam mit Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) eine entsprechende Charta.

Ein sehr dünnes Model präsentiert Damenmode - in Zukunft sollen auf Laufstegen und in Modekatalogen nur noch Frauen zu sehen sein, deren Bodymass-Index bei mindestens 18,5 liegt.

(Foto: Foto: Reuters)

Darin verpflichtet die Branche sich selbst, das "oft vermittelte gesundheitsschädigende Körperbild" zu korrigieren und dazu unter anderem auf extrem magere Models auf Laufstegen und in Modekatalogen zu verzichten. Richtwert für Modenschauen und Fotoshootings solle künftig ein Body-Mass-Index von mindestens 18,5 und ein Mindestalter von 16 Jahren sein.

Mit ihrer Unterstützung der Initiative der Bundesregierung "Leben hat Gewicht - gemeinsam gegen den Schlankheitswahn" wolle die Textil- und Modebranche einen "Prozess des Umdenkens bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in Bezug auf geltende Schönheitsideale" in Gang setzen, heißt es in der Charta.

Insbesondere bei Mädchen und Frauen wollen sich die Unterzeichner "offen gegen krankhafte (Vor-)Bilder extremer Magerkeit" stellen und bei allen Aktivitäten eine Vielfalt von Körperbildern fördern.

"Signal gegen ein unnatürliches Körperbild"

Schmidt begrüßte die Charta als einen "Meilenstein" und "ein deutliches Signal gegen ein unnatürliches Körperbild". Viele Menschen litten unter dem Gefühl, nicht dem gängigen Schönheitsideal zu entsprechen. So sagten mehr als die Hälfte der Jugendlichen in Deutschland von sich, sie wären gern dünner. Wenn Dünnsein aber zur Maxime werde, sei das gefährlich und trage oft zu krankhaften Essstörungen bei. Allein 1,4 Millionen Kinder und Jugendliche im Alter zwischen elf und 17 Jahren wiesen derartige Symptome auf, Mädchen doppelt so häufig wie Jungen.

Igedo erklärte, die Charta sei ein "klares Zeichen", mit der sich die Branche "zu ihrer gesellschaftlichen Verantwortung in einem internationalen Geschäft" bekenne. Für den Modelagenturverband VELMA ist sie Verpflichtung, "zukünftig noch stärker darauf zu achten, dass ein durch Essstörungen erzeugtes krankhaftes Aussehen kein Ideal sein kann".

Hier sei auch die Unterstützung der Medien gefragt. GermanFashion erklärte, man wolle "keine falschen Leitbilder, die suggerieren, übertriebene Schlankheit sei schön und erstrebenswert". Das Deutsche Mode Institut vermittelt nach eigenen Angaben gerade in jüngster Zeit "ein zeitgeistig - offenkundig überaus selbstbewusstes Frauenbild, welches die sich wandelnde Formensprache des eigenen Körpers zunehmend akzeptiert".