Wie ein Tübinger Wirt mit einer Verfassungsbeschwerde gegen das Rauchverbot seine Kneipe zu retten versucht
Es ist keiner dieser Lebensläufe, die irgendwo angefangen haben, ganz woanders hinwollten und schließlich in der Kneipe landeten, hinter einer Theke. Uli Neu wollte nichts anderes werden als Wirt. Schon als Schüler hat er im "Pfauen" ausgeholfen, eine Ausbildung zum Koch gemacht und schließlich den Pfauen übernommen, eine Kneipe in der Altstadt von Tübingen. "Ich wollte meinen zwei Kindern immer eine gute Ausbildung finanzieren und selbst über die Runden kommen", sagt Neu, 49.
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Uli Neu vor seiner Kneipe in Tübingen. (© Foto: ddp)
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Ganze 23 Jahre lang ging das gut, ging es ihm gut. Mittlerweile, sagt Neu, müsse er jeden Monat darum kämpfen, die Pacht bezahlen zu können. Er habe Zahlen, die dies belegen könnten, geprüft vom Steuerberater. Früher hätte sich Neu in solchen Momenten des Ärgers wahrscheinlich eine Zigarette angezündet. Heute sitzt er in seiner eigenen Kneipe und darf es nicht mehr.
Uli Neu ist einer von drei Gastronomen, deren Verfassungsbeschwerden gegen das Rauchverbot an diesem Mittwoch vor dem Bundesverfassungsgericht mündlich verhandelt werden. Eine Wirtin aus Berlin ist noch dabei und ein Diskothekenbetreiber aus Heilbronn. Neu sagt, er sei nicht grundsätzlich gegen ein Rauchverbot, nur sollten die Ein-Raum-Gaststätten davon ausgenommen werden, also Kneipen wie seine, weniger als 100 Quadratmeter groß und ohne räumliche Unterteilung.
Weil er nur einen Raum hat, sei er gezwungen, eine Nichtraucherkneipe zu führen, was wiederum seine Existenz gefährde, so die verkürzte Argumentation des Klägers.
Das Urteil wird nun Klarheit über die weitere Existenz des Pfauen bringen und vor allem - so hoffen Gegner und Befürworter - die endlosen Diskussionen über das Rauchverbot beenden. Im vergangenen Sommer meldeten die ersten Bundesländer rauchfrei. Mittlerweile werden die Verbote fast häufiger umgangen als eingehalten. In München und Hamburg wurden Kneipen zu Raucherclubs. Uli Neu hält sich an das Gesetz, gegen das er klagt.
Über viele Jahre hat er beobachten können, wie die Einschläge näher kamen. Wie die Rauchverbote von Amerika nach Europa fanden, in Italien, Frankreich und Irland eingeführt wurden. Er hat immer geglaubt, dass es für ihn schon irgendwie weitergehen würde. Vor fünf Jahren hat er seine Kneipe für einen fünfstelligen Betrag renovieren lassen.
Im hinteren Teil, im Innenhof des Hauses, sitzt man nun unter einer Glasscheibe, alles ist schön hell und gepflegt und zurückhaltend modern. Im Nachhinein, sagt Neu, hätte er die Renovierung nicht noch mal gemacht - es sei das Ersparte, das ihm jetzt fehlt. Etwa 30 Prozent Umsatzeinbußen habe er durch das Rauchverbot erlitten. "Wenn wir nicht gewinnen, kann ich den Laden zumachen", sagt Neu.
Der Pfauen liegt mitten in der Tübinger Altstadt, an einer gepflasterten Straße, zwischen Fachwerkhäusern. Eine gute Lage eigentlich. Auf der Karte stehen ein paar Weine, Pils, Kölsch und ein lokales Bier. Das Publikum sei sehr gemischt, sagt Neu. Junge seien dabei und Alte, Studenten und Handwerker. Er ist stolz auf diese Mischung, die er in den 23 Jahren hinbekommen hat. "Die Kneipe hat ja auch eine soziale Funktion", sagt er. "Hier kommt das ganze Viertel her und tauscht sich aus." Nur kommt das Viertel eben nicht mehr. Und wenn, dann bleibt es nicht mehr so lange und trinkt nicht mehr so viel.
Etwa 70 Prozent seiner Gäste seien Raucher gewesen, sagt Neu. Schon kurz nach dem Inkrafttreten des Rauchverbots im August vergangenen Jahres hat Neu gemerkt, dass es so nicht weitergehen könne, dass die Gäste wegbleiben. Da hat er beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) angerufen und gefragt, was er denn tun könne. "Man prüfe eine Klage", sagte die Dehoga. Da sei man aber früh dran, sagte Neu. Weil die Dehoga selbst nicht klagen kann, wurde Neu ihr Musterkläger. Was auch daran liegt, dass er eine schöne Kneipe hat und sich ausdrücken kann.
Neu sagt, er könne sich ganz gut daran erinnern, wie "viele militante Nichtraucher ein völliges Rauchverbot ohne Ausnahmen gefordert haben, vor dem Rauch geschützt werden wollten". Von denen sei nun aber keiner in seiner Kneipe aufgetaucht. "Es gab hier niemand, den man schützen musste", sagt Neu. Er raucht, die Bedienung raucht, und die allermeisten Gäste rauchten auch.
Nun ist der Rauch weg, aber die Gäste seien es auch. Neu betont noch einmal, er habe nichts gegen ein Rauchverbot in Speisegaststätten und im öffentlichen Raum. "Meine Kneipe aber macht ohne Raucher keinen Sinn." Wenn er in Karlsruhe gewinnt, gibt es Freibier, und die Aschenbecher kommen wieder auf den Tisch. Ob es aber wieder so wie früher wird, ist eine andere Frage. Viele Stammgäste haben wohl schon eine neue Stammkneipe mit abgetrenntem Raucherbereich "Andere haben vielleicht eine ganz neue Art der Freizeitgestaltung gefunden", sagt Neu. Womöglich sogar rauchfrei.
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(SZ vom 11.06.2008/bilu)
Umweltstiftung WWF in der Kritik
Davon gibt es haufenweise. Nichts Neues, außer die kleinkarierte spießige Wiederholung. Man könnte denken, dass ist abgeschrieben. Wenn ich schon das Wort Sucht lese. Woher wollen Sie als Gesundheitsapostel überhaupt wissen was Sucht ist?
Kommentatoren sind Leute, die andere kratzen, wenn es sie selber juckt.
Robert McNamara (*1916), US-amerikanischer Politiker
oder
Welch triste Epoche,
in der es leichter ist,
ein Atom zu zertrümmern,
als ein Vorurteil.
Albert Einstein
deutsch-amerikanischer Physiker und Nobelpreisträger
(1879 - 1955)
oder
Narren
Die große Stärke der Narren ist es,
dass sie keine Angst haben,
Dummheiten zu sagen.
Jean Cocteau
französischer Schriftsteller, Maler und Regisseur
(1889 - 1963)
Zitat: "Es langt schon zu, dass auf Bahnhöfen der Raucher in einem gelb abgegrenztem Raum bleiben muss. Eigentlich das allein ist schon fast Rassistisch."
Wenn man zwangsweise mit Alkohol abgefüllt würde, sobald man einen Raum/den Bahnhof oder einen anderen öffentlichen Bereich betritt, gäbe das zu Recht einen landesweiten Aufschrei. Aber Nikotin darf ich als Nichtraucher ungefragt aufgezwungen bekommen.
"Rassistisch" ist in diesem Zusammenhang ein ziemlich überzogener Begriff (auch wenn ein "fast" als relativierung voransteht), denn er bezieht sich im wesentlichen auf Unterdrückung die für Merkmale oder Eigenschaften erfolgt, die Menschen ohne eigenes Zutun besitzen, bzw. ohne Veränderung ihrer Persönlichkeit oder Verleugnung ihrer Herkunft und Kultur nicht "abstellen" können.
Dies gilt für das Rauchen eindeutig nicht. Rauchen ist dem Mensch nicht angeboren bzw. zur Lebenserhaltung notwendig. Es ist eine (selbst- und andere zerstörende) im Laufe des Lebens freiwillig angenommene Gewohnheit. Raucher durch die Verwendung solcher Begriffe auf eine Stufe mit Menschen zu stellen, die z.B. wegen ihres Geschlechts oder ihrer Hautfarbe unterdrückt werden ist in meinen Augen überzogen und unverantwortlich gegenüber Opfern von tatsächlichem Rassismus.
Zitat: "Und auch in Amerika ist vom kompletten Rauchverbot keine Rede: Selbst im hyper-korrekten Kalifornien gibt es Cigar-Lounges (Arnie sei Dank)."
Dagegen ist ja auch nichts einzuwenden...wenn die Süchtigen und solche denen Passivrauchen nichts ausmacht unter sich bleiben, ist allen geholfen.
Soe ein Gesetz löst dann eben folgerichtig so eine schwachsinnige Diskussion aus.
Man kann nur hoffen, dass die Justiz den Politikern geistig überlegen ist und ein gerechtes Urteil verabschieden. Allen Wirten drücke ich ganz fest die Daumen, das sie künftig in ihrem privaten Eigentum nicht der Staat vorschreibt, ob seine Gäste rauchen dürfen oder nicht. Wenn man die Nichtraucherkommentare liest, denkt man die sind tagtäglich in der Kneipe. Offensichtlich ist das nicht der Fall, denn sonst gäbe es ja die Einbußen nicht.
Da schrieb sogar einer , Deutschland solle sich Nigeria als Vorbild nehmen! Das in Deutschland ganz andere Dinge geregelt werden sollten, die schnellstens politischen Handlungsbedarf erfordern, darüber machen sich die Gesundheitsapostel keine Gedanken.
Aber hier um Forum wie alte Waschweiber rumsülzen, mit den merkwürdigsten Argumenten. Man tut gerade so, als hätte man vor 2 Jahren das Rauchen eingeführt um zu prüfen ob man einen neuen Absatzmarkt bekommt. Man stelle sich bloß mal vor, dass die DDR vor dem Mauerfall so etwas gemacht hätte. Da hätte man keine Zeitung mehr zubekommen, so dick wäre das Geschrei wegen der Frieheit gewesen.
Ganz einfach, während Essenszeiten darf nicht geraucht werden. Dazu brauch ich kein Gesetz dieser schikanösen Art. Es langt schon zu, dass auf Bahnhöfen der Raucher in einem gelb abgegrenztem Raum bleiben muss. Eigentlich das allein ist schon fast Rassistisch.
@GBest
Sehr interessant! Danke für den Irland-Hinweis.
Endlich mal ein Beitrag, der die hier ständig wiederholte Mär vom totalen Rauchverbot im Ausland behandelt. Es ist eben so, wie Sie es schildern- auch wenn es vielen nicht passt.
Eine Anmerkung noch zu Irland (da ich einen sehr guten Freund habe, dessen Verwandte in Irland wohnen und er zweimal im Jahr dort ist): Irland hat sicherlich eines der strengsten Rauchverbote und in den Innenstädten sind die Pubs auch alle rauchfrei. Auf dem Land (wo mein Freund herkommt) schaut es schon wieder ganz anders aus. in den Dorfkneipen wird natürlich weiterhin geraucht, da es die Möglichkeit der "geschlossenen Gesellschaften" gibt.
Dies nutzen die kleinen Pubs in den Dörfern, die ja alle fast ausschließlich von Stammkunden leben, aus.
siehe hierzu auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Rauchverbot#Irland
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