Oft wird in dieser Debatte die Befürchtung laut, junge Porno-Konsumenten würden in ihrer eigenen Sexualität gestört. Die vielen bewegten Bilder im Internet gaukelten ihnen vor, dass bestimmte Stellungen und Praktiken wie etwa Gruppensex "normal" seien und würden so für Frustration beim echten Sex sorgen.

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Wer heute Pornos schauen will, muss sich nicht einmal mehr in den Sexshop wagen. (© Foto: Getty)

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"Wenn Jugendliche Pornos schauen, kann manchmal ein falscher Eindruck entstehen", sagt Kniep, "etwa, dass Analsex zwischen heterosexuellen Partnern ganz üblich ist." Die Jugendlichen zweifelten das aber an, so Kniep und fragten nach, zum Beispiel beim Dr.-Sommer-Team. "Was da gesehen wird, wird reflektiert", sagt die Jugendberaterin. "Und so lange sie das tun, brauchen wir uns nicht allzu große Sorgen zu machen."

Jakob Pastötter allerdings macht sich Sorgen. Der Sexualforscher ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für sozialwissenschaftliche Sexualforschung und beschäftigt sich schon lange mit Pornographie. "Wenn Kinder harte Pornographie sehen, ist das für sie eine psychische Vergewaltigung", sagt Pastötter. Bis zum Alter von 15 Jahren könnten Jugendliche nicht zwischen medialen Bildern und Realität unterscheiden, beschreibt er seine Forschungsergebnisse. "So wird der Sex im Porno als 'normal' aufgefasst. Das aber will doch jeder - 'normal' sein." Sex sei das Einzige, das Menschen nicht durch Zuschauen lernten, so der Sexualforscher, das mache den Reiz der Pornographie aus. Gefährlich sei, dass sehr viele schon sehr früh Kontakt mit Pornographie hätten - teilweise mit fünf, sechs Jahren. "Kinder haben ein Recht darauf, vor dieser Erwachsenensexualität geschützt zu werden", sagt er.

Oft fällt in diesem Zusammenhang das Wort "Sucht" - süchtig nach Internet-Porno. Die Zahlen allerdings sprechen eine andere Sprache: So befand etwa die Dr.-Sommer-Studie im vergangenen Jahr, dass nur acht Prozent der Jungen und ein Prozent der Mädchen regelmäßig Pornos schauen. Auch muss Kontakt mit Pornographie nicht immer angenehm sein. So finden 46 Prozent der jungen Frauen Pornos "abstoßend".

Was im Gespräch mit Jugendlichen und Praktikern aus der Jugend- und Sexualberatung immer wieder deutlich wird, ist, dass Pornographie für die "Generation Porno" kein drängendes Problem ist. "Ein Thema wie alles andere auch", sagt ein Junge in der Münchner Innenstadt (siehe Audio-Umfrage in nebenstehendem Kasten).

"In meiner täglichen Arbeit habe ich damit eigentlich nicht zu tun", sagt Andreas Engel. Er arbeitet seit 32 Jahren in der Erziehungsberatungsstelle der Diakonie im oberfränkischen Hof. "Da geht es um die Leistungsproblematik in der Schule, oder darum, dass die Jugendlichen allgemein zu viel Zeit vor dem Computer verbringen." Auch das Dr.-Sommer-Team ist vornehmlich mit anderen Problemen und Ängsten befasst. "Schon sehr früh müssen Jugendliche ihr Leben auf Job und Schule ausrichten," sagt Marthe Kniep. "Das beschäftigt sie: Leistungsdruck, Mobbing und Gewalt, Trennung der Eltern. Aber Porno wird von Jugendlichen nicht als Problem wahrgenommen."

Es sind die Erwachsenen, die die ständige Verfügbarkeit von Pornographie verfluchen. Dahinter steckt auch ein ganz einfacher Generationenkonflikt: Es macht vielen Eltern Angst, wie sich Jugendliche heute mit aller Selbstverständlichkeit im Internet bewegen. Der Wissensrückstand der Älteren sorgt für Misstrauen. "Diese Verunsicherung führt zu echter Sorge", sagt Sexualforscher Kurt Starke.

Begibt man sich auf die Suche nach der "Generation Porno", so findet man sie nur ausschnittsweise, wie in kurzen Videoclips - neben vielen anderen Schnipseln der "Generation Krise", der "Generation G8", der "Generation Internet".

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(sueddeutsche.de/leja/vs)