Wo eine Macht ist, ist auch ein Markt, und diesen Markt sieht Fliege wachsen. Alles begann damals mit einer zart sprießenden Pflanze: "Ich bin der Entdecker von Aloe Vera. Die ganze Aloe-Vera-Kacke kam doch durch eine Fliege-Sendung auf", sagt Fliege. Jetzt soll die ganze Mangostan-Kacke durch seine Webseite aufkommen: Über einen Werbelink lässt sich der Fruchttrunk mit seiner angeblich wertvollen Konzentration von Xanthonen und Radikalfängern flaschenweise bestellen.
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Den wertvollsten Keimling aber hat Fliege im Unterallgäu gesetzt, im Kneippkurort Bad Wörishofen. "Flieges Wörishofener Herbst" soll ein jährliches Festival der Spiritualität werden, ein "Fest für Körper, Geist und Seele." Flieges erstem Aufruf im vergangenen Jahr folgten immerhin schon 2000 Menschen, doch das Medieninteresse war verhalten, das Programm las sich wie ein Scherz: Treffen sich ein Komiker, eine Pfarrerin und ein Schamane ... Sie kamen aber wirklich nach Wörishofen, der Komödiant Eckart von Hirschhausen, die Pastorin Susanne Ohr, der Heiler Wolf-Dieter Storl.
Dieses Jahr soll alles größer, das Festival soll ausgebaut werden. Anselm Grün wird kommen, vielleicht auch Konstantin Wecker, ganz vielleicht Paulo Coelho, und wenn es richtig gut läuft sogar Yusuf Islam. Es geht Fliege um nicht weniger als ein "Davos in Wörishofen, ein Davos auf spiritueller Ebene" - das wird schwer, vielleicht ist es unmöglich: "Deutschland ist das schwierigste Missionsgebiet auf der ganzen Welt.
Das liegt daran, dass unsere Fähigkeit zum großen Gefühl vor zwei Generationen missbraucht wurde. Die Männer mussten für Adolf ihr Leben geben, die Frauen ihren Unterleib." Fliege glaubt, dass er das schaffen kann, das ganz große Gefühl, und wer könnte Fliege auch daran hindern? Nur Fliege selbst: "Jeder, der führen kann, kann auch verführen. Bin ich Obama oder Hitler? Wer schützt mich vor der dunklen Seite des Guten?"
Jetzt übertreibt er, klar, im Guten wie im Schlechten, das ist ja sein Trick.
Fliege sitzt in seinem Büro, auf dem Tisch vor ihm brennt eine Kerze, an der Wand dahinter hängt ein Kreuz, in der Ecke steht ein Schamanen-Schrein. Nach einem besonders markigen Spruch legt er die Hände in den Schoß, lächelt sanft und berauscht sich im Stillen ein bisschen an der Wirkung seiner Worte, in deren Nachhall sich Dichtung und Wahrheit überlagern. Viel später noch, wenn der Pfarrer am Gatter ruckelt, wird man sich fragen, wie und wie ernst sie nun gemeint war, die Sache mit Hitler, Obama und Fliege.
Sicher ist nur, dass das Böse durchaus zu Gast war im Leben von Jürgen Fliege: "Ich habe alle zehn Gebote gebrochen." Menschen hat er nicht gemordet, Fische durchaus. Die Ehe gebrochen? "Natürlich habe ich das. Die zehn Gebote sind Lebensstationen" - das gilt auch für einen Fuhrmann und Dorfgeistlichen, der in seinen Worten, Thesen und vielem mehr gewiss etwas extrem geraten ist.
Am Ende aber ist Fliege mehr Mensch, als ihm vielleicht lieb ist. Er praktiziert christliche Nächstenliebe - und ist sich dabei gelegentlich selbst der Nächste.
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Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
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- Jürgen Fliege RSS
(SZ vom 18.03.2010/sewo/vs)
Partyzone Flußufer
Man kann dem Internet entnehmen, dass Herr Pollmer ein preisgekrönte Nachwuchsjournalist ist und offenbar von der Studienstiftung der SZ finanziert wird.
Also, ich halte derartiges Sponsoring für einen Journalismus, der in der Nachfolge des "Stürmer" steht, nicht für förderungswürdig.
Das Geschäftsmodell Jürgen Fliege ist ein Tante Emma Laden gegen die K.m.V. mbH: Kirche mit Vision Projektgesellschaft mbH (deutsche Niederlassung von Rick Warren).
"Warrens 40-Tage-Programm Kirche mit Vision funktioniert nach dem Franchise-Prinzip [Beim Franchising stellt ein Franchisegeber einem Franchisenehmer die (regionale) Nutzung eines Konzeptes gegen Entgelt zur Verfügung.].
Wäre Saddleback eine Firma, stünde sie in einer Reihe mit Starbucks und Microsoft. Sein spiritueller Weltseller Leben mit Vision machte ihn mit 40 Millionen verkauften Exemplaren zum Multimillionär und einem der weltweit erfolgreichsten Sachbuchautoren." (DIE ZEIT, 23.1.2009, Ein provokanter Prediger für Obama, www.zeit.de)
"Mit der Entrichtung der Anmeldegebühr erhalten Sie eine Lizenz zur Durchführung der Kampagne in Ihrer Gemeinde und eine Lizenz zur Nutzung, Anpassung und Vervielfältigung aller elektronisch für die Kampagne bereitgestellten Materialien innerhalb Ihrer Gemeinde. [...]
Die Anmeldegebühr richtet sich nach der durchschnittlichen Zahl Ihrer Gottesdienstbesucher (inklusive Kinder und Jugendliche):"
- "weniger als 100 Besucher: 345,-- Euro
- 100 bis 250 Besucher: 495,-- Euro
- mehr als 250 Besucher: 645,-- Euro"
(Quelle: K.m.V. Projektgesellschaft mbH, 2008, K.m.V. Kirche mit Vision Projektgesellschaft mbH, Geschäftsführer Kai S. Scheunemann, http://www.kirche-mit-vision.de/index.php?id=145, Stand 2008)
"Saddleback Church [Gemeindeleiter Dr. Rick Warren, Saddleback/Kalifornien], with an annual budget of US$ 30 million"
"Purpose Driven Ministries [Leitung Dr. Rick Warren], with US$ 47 million in gross receipts in 2004"
(Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/Rick_Warren, Stand 2007)
"Rick Warren gilt als einer der mächtigsten Theologen der Welt. Sein Buch "Leben mit Vision: Wozu um alles in der Welt lebe ich?", das eine sinnvolle christliche Lebensführung lehrt, ist mit einer Auflage von mehr als dreißig Millionen [Weltauflage 52 Millionen, Stand Januar 2010] eines der weltweit erfolgreichsten Sachbücher. [ ] Mit rund 20 000 Gottesdienstbesuchern an jedem Wochenende ist Saddleback die viertgrößte Kirche in den Vereinigten Staaten. Und damit eines der mächtigsten evangelikalen Zentren des Landes." (Berliner Zeitung, 17. Januar 2009, Ein Segen für Obama, www.berlinonline.de)
Wie groß ist Jürgen Fliege, neben Rick Warren?
es ist ein böser Artikel, den Cornelius Pollmer da geschrieben hat. Ich bin selbst Journalist und kann nur sagen: In Zeitschriften, die ich verantwortet habe, wäre so ein Artikel nicht erschienen, denn man merkt ihm an, dass er mit dem Vorsatz geschrieben - und recherchiert! - wurde, jemanden in die Pfanne zu hauen. Das hat journalistisch keinen Stil und ist schlicht unfair. Ich kenne Jürgen Fliege recht gut, und ich weiß, dass er sich gern um Kopf und Kragen redet. Und so bietet er eine große Angriffsfläche für solche Attacken. Aber es liegt auch in der Verantwortung des Journalisten, sich nicht nur die anstößigen Rosinen herauszupicken, sondern auch hinzuhören, was jemand sagen will - hineinzuspüren, was jemanden wirklich treibt. Und das ist Herr Pollmer in keinster Weise gelungen. Schlimmer noch: Er hat sich nichtmals die Mühe gemacht und berauscht sich stattdessen an seiner spitzen Feder. Ergo: Ein völlig überflüssiger Artikel. Schade, dass die SZ für so etwas
Raum gibt.
Der Tod der Mutter, des Menschen, der uns zur Welt gebracht hat, ist eine schwere, tiefgreifende, manchmal ambivalente existenzielle (Verlust-)Erfahrung. Gut, wenn uns dann jemand zur Seite steht.
In den (Münchner) Kliniken sterben täglich Menschen mit einer Seelsorgerin, einem Seelsorger an der Seite. Egal, ob Sterbende Mitglieder einer Kirche sind oder nicht. Stündlich, täglich sind Frauen und Männer bereit, sich mit den Ärztinnen und Pflegenden den Tragödien und Dramen des Lebens in den Kliniken zu stellen. Es ist ihre Pflicht. Und sie tun es bis an die Grenzen der Belastbarkeit. Sie haben keine Fernsehsendung oder Homepage, keine Fans, nur die unvergessliche Erfahrung, mit zum Teil fremden Menschen zusammen die Grenzen des Seins und des Glaubens und der Liebe erfahren zu haben. Sie wollen und brauchen keine Talkshow, sie sind und werden nicht berühmt, aber sie widmen dem einen Großteil ihres Lebens. Sollte einfach mal erinnert werden. Fliege ist nicht der einzige Seelsorger,- weiß Gott!
Der heilige Ort in den eigenen vier Wänden ist Heute der Bildschirm. Dessen Ausstrahlung gibt Heute die Erklärungen und Glaubenssätze, die einst die Religionen ausfüllten. Wenn sich dann Pfarrer an diesen Orte austoben, ist das nur konsequent und passend.
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