Bei seinem Abschied hat sich Joschka Fischer als letzten Rock 'n' Roller der deutschen Politik bezeichnet. Dieses Image verdankt er auch seinen Turnschuhen.
Zugegeben, ein Modehighlight ist es nicht gerade, als Joschka Fischer am 12. Dezember 1985 zu seiner Amtsvereidigung erscheint. Er wird erster grüner Minister in der hessischen Landesregierung. Dazu trägt er ein graues, altmodisch gemustertes Hemd, darüber ein ausgebeultes Tweed-Sacko. Seine Haare sind etwas zu lang, die Jeans ist etwas zu kurz. Aber darauf achtet in dem Moment sowieso niemand. Denn während der Vereidigung starren alle nur auf seine Schuhe. Diese knallweißen Turnschuhe. Scheinbar ein modischer Fehltritt: aber er wird Politikgeschichte schreiben damit.
Einmal getragen und schon zu musealen Weihen gekommen: Joschka Fischers Turnschuhe von seiner Amtsvereidigung aus dem Jahr 1985 stellt das Ledermuseum Offenbach zur Schau. (© Foto: Reuters)
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Der Widerstandsschuh
Fischer ist nicht nur der erste grüne Minister in Hessen, er ist auch der erste Politiker, der sich in weißen Tennisschuhen der Marke Nike vereidigen lässt. Und auch wenn es nicht so wirkt: Die Kombi ist sorgfältig zusammengestellt. Die Schuhe hat er ganz bewusst ausgesucht, er hat sie sich eigens für den Anlass besorgt. Danach trägt er sie kein einziges Mal wieder. Sie landen im Museum.
Wie bedeutsam dieser Moment weniger für die Karriere des Turnschuhs, sondern vor allem für Fischer selbst ist, ahnt der Meister der Selbstinszenierung bereits zu diesem Zeitpunkt. In sein politisches Tagebuch schreibt er: "Ich nehme die Umwelt kaum noch wahr, jetzt nicht stolpern, jetzt bloß keinen Versprecher oder Aussetzer! Also aufstehen, gemessenen Schrittes die wenigen Stufen hoch, dann der Eid, ohne Versprecher."
Die Turnschuhe sind für ihn ein Zeichen des Widerstands, der Provokation. 1985 haben sie noch eine klare politische Botschaft. Sie sind ein Nachhall der Studenten- und Protestbewegung der 68er. Dem Muff der schwarzen Anzüge im Parlament wird der lederne Geruch des neuen Ami-Schuhs entgegengesetzt.
Zwei Jahre zuvor, als die Grünen im März 1983 in den Bundestag einziehen, bekommen sie von den etablierten Parteien scharfen Gegenwind zu spüren. Ein CSU-Politiker fordert eine Änderung der Geschäftsordnung, damit "diese Typen" wenigstens "nicht ohne Krawatten im Parlament herumsitzen" - von Turnschuhen sagt er nichts. Doch Fischer sitzt weiter ohne Krawatte im Bundestag. Und am 23. Juni 1983 steht er bei einer Bundestagsdebatte zur Lage der Nation gar mit Sonnenbrille am Rednerpult.
Im Oktober 1984 kommt es im Zusammenhang mit der Flick-Affäre zu Protest und Krawall im Hohen Haus. Fischer wird des Saals verwiesen. Und verlässt mit einem "Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch" den Plenarsaal. Auf dem Weg nach draußen blitzt zwischen den Stuhlreihen etwas weiß auf: Fischer trägt auch hier - Turnschuhe.
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Wettmanipulation im Fußball
Hat Joschka Fischer geahnt, was man aus Turnschuhen alles machen kann? Vor allem dann, wenn die Betrachtenden mit einem Blick auf das Ganze einfach überfordert sind, werden die Schlussfolgerungen zu einem Zirkus der Albernheiten.
Joschka Fischer kommt in TURNSCHUHEN daher. Der Rest ergibt sich aus dem Text.
Da sieht man auch das heuchlerische scheinbar harmloser, unkonventioneller Kleidung. Joschka Fischer kommt in Springerstiefeln daher und niemand traut ihm eistkalten Machtinstikt und rücksichtslose Großmachtpolitik zu. Aber die Turnschuhe waren einfach nur geschickte Tarnung. Während wir wachsamen Auges auf die (in der Tat unangenehmen) Typen in den Springerstiefeln achteten, weil wir befürchteten, diese würden Deutschland wieder in völkerrechtswidrige Kriege stürzen, kam der erste Außenmiinister nach 1945, der sich vehement für einen völkerrechtswidrigen Krieg gegen Jugoslawien (und den Bombenabwurf auf die dortige Zivilbevölkerung) einsetzte eben in Turnschuhen daher. Eigentlich hätte ich von einer seriösen Zeitung erwartet, dass sie auch auf diese geschickte Vortäuschung von Harmlosigkeit durch die Turnschuhe in einem solchen Bericht eingeht.
die grünen waren (und sind) wichtig, um den umweltgedanken in politische debatte zu bringen.
in allen anderen themengebieten haben sie auf ganzer linie versagt.
fazit: opposition: ja; regierung: nein