Interview mit Telefonsex-Anbieterin "Vorspiel, Missionarsstellung, Oralverkehr und das Ende wie im Porno"

Süddeutsche.de: Ist es heute auch noch aufregend oder Routine?

Phonebitch: Es ist immer wieder dasselbe: Vorspiel, Missionarsstellung, Oralverkehr und das Ende wie in jedem Porno. Es gibt natürlich ein paar Freaks, Fußfetischisten und so. Wenn man denkt, man hat schon alles gehört, kommt doch wieder irgendein Knüller.

Süddeutsche.de: Und nach dem Höhepunkt: Bedanken sich die Männer?

Phonebitch: Sehr nette sagen: "Tschüss, bis zum nächsten Mal." Andere legen noch während des Orgasmus' auf.

Süddeutsche.de: Haben Sie viele Stammkunden?

Phonebitch: Mindestens zwanzig. Die rufen regelmäßig an, einmal die Woche, manche sogar täglich.

Süddeutsche.de: Stimmt das Klischee, dass manche Anrufer einfach jemandem zum Reden brauchen?

Phonebitch: Gerade auf die Stammkunden trifft das zu. Die erzählen mir von ihrer Familie, ihren Sorgen mit den Kindern. Für diese Männer ist der Anruf bei einer Sexhotline auch kein Betrug, die sind stolz auf sich, dass sie nicht zu einer Prostituierten gehen.

Süddeutsche.de: Welche Tricks verwenden Sie, um Männer in der Leitung zu halten?

Phonebitch: Ich stelle so viele Gegenfragen wie möglich: Was hast du gerne? Warum hast du das gerne? Ein Anruf bei mir kostet zwei Euro pro Minute. Davon bekomme ich 1,24 Euro, den Rest kriegt die Post. Man versucht natürlich, auf Zeit zu spielen. Mein persönlicher Rekord liegt bei zweieinhalb Stunden. Heutzutage wird allerdings nach einer halben Stunde die Leitung gekappt.

Süddeutsche.de: Kommt es vor, dass Kunden nochmal anrufen, um sich über die Abzocke zu beschweren?

Phonebitch: Ja, doch. Die können ganz schön gemein werden. Aber aus meiner Werbung gehen die Kosten klar hervor. Wer die überliest: Dumm gelaufen!

Süddeutsche.de: Haben Sie schon mal einen Mann aus der Leitung geworfen?

Phonebitch: Es gibt Schweine, denen legt man auf. Ich hatte mal einen Anrufer, der wollte, dass ich mich anhöre wie ein Kind. Das ist ein rotes Tuch für mich. Aber das ist einer unter tausend.

Süddeutsche.de: Jemals mit einer Frau telefoniert, also beruflich?

Phonebitch: Ein, zwei Lesben rufen schon an, ja. Die wollen genau dasselbe hören wie die Männer, nur ohne ein gewisses Stück. Es kommt auch vor, dass ich von wütenden Ehefrauen kontaktiert werde. Die haben das Handy ihres Gatten durchstöbert oder meine Nummer auf der Telefonrechnung gesehen. Dann werde ich auch mal beschimpft.

Süddeutsche.de: Sind Sie schon mal an der Supermarktschlange hochgeschreckt, weil Sie dachten, vor Ihnen steht einer Ihrer Kunden?

Phonebitch: Ab und zu denke ich: Die Stimme von dem Typen kennst du doch! Dann mache ich meine eigene automatisch dunkler, härter - damit ja nichts auffällt. Einmal habe ich mit einem meiner Nachbarn telefoniert. Während wir uns unterhalten haben, war im Hintergrund eine Sirene zu hören. Eine Minute später ist die Ambulanz bei mir am Fenster vorbeigefahren. Aber wer es war, weiß ich nicht. Zum Glück.