Gespräch über Transsexualität Jeder Betroffene soll selbst entscheiden können

Schicklang: Eben. Das betrifft mein Recht auf freie Lebensgestaltung. Wenn man aber Pech hat und diesen Stereotypen nicht entspricht oder nicht entsprechen will, wird man nicht anerkannt. Und man darf nicht vergessen: Diese Gutachten kosten Geld - für diese ganze personenstandsrechtliche Anerkennung legt man mehrere tausend Euro hin. Und am Ende wird die Änderung unter Umständen trotzdem ablehnt und man läuft mit falschen Papieren rum.

sueddeutsche.de: Wie sollte es Ihrer Meinung nach geregelt sein?

sueddeutsche.de: Ich bin dafür, dass jeder Betroffene das selbst entscheidet. Ein Mensch weiß doch, welches Geschlecht er hat. Ich finde es ziemlich heftig, dass es Menschen gibt, die sich anmaßen zu bestimmen, wer transsexuell ist und wer nicht. Das ist völlig absurd, wer soll das von außen entscheiden können? Niemand kann in das Gehirn eines anderen hineinschauen. An welchen Klischees soll man das denn festmachen?

sueddeutsche.de: Sie sind also dafür, dass jeder seinen Personenstand ändern kann, wie man seine Adresse ändert?

Schicklang: Was spräche dagegen? Es würde doch kein Mensch, der nicht wirklich betroffen ist, aus Spaß seinen Personenstand ändern. Und es wäre sicher besser, als dass Menschen mit falschen Papieren herumrennen und die richtigen nur bekommen, wenn sie solche Verfahren über sich ergehen lassen. Ich verstehe ja, dass man das Geschlecht eines Kindes bei der Geburt eintragen lässt - aber man sollte es den Menschen, die sich irgendwann melden, nicht so schwermachen, das auch wieder zu ändern.

sueddeutsche.de: Haben Sie Ihren Personenstand geändert?

Schicklang: Nein, ich bin laut meiner Papiere männlich, obwohl ich keinen Penis mehr habe. Ich sehe nicht ein, dass mir irgendjemand das, was mir durch mein Outing bewusst wurde - nämlich dass ich eine Frau bin - zu einer psychischen Störung erklärt. Und schon gar nicht zur psychischen Störung eines Mannes! Ich soll mich zum geisteskranken Mann erklären, damit ich als Frau geduldet werde, die ich sowieso schon immer war? Nein, echt nicht. Dann sollen die Geschlechtseinträge lieber falsch sein, das ist mir dann auch egal.

sueddeutsche.de: Aber die Operation war trotzdem wichtig für Sie?

Schicklang: Durch die Hormonbehandlung und die Operation habe ich ein viel besseres Körpergefühl bekommen. Auch wenn die Spuren des Testosterons in meinem Körper noch zu sehen sind. Ich kann endlich in den Spiegel schauen - und sehe mich. Das Schönste an der Operation war: Die ganzen Märchen, man gehe als Mann zur OP und wache als Frau wieder auf, haben nicht gestimmt. Ich bin aufgewacht und habe festgestellt: Ich bin immer noch eine Frau.

Der Verein Aktion Transsexualität und Menschenrecht (ATME e.V.) ist eine unabhängige gemeinnützige Organisation, die sich für Menschenrechte transsexueller Menschen einsetzt. Der Verein im Internet: www.atme-ev.de