Jugendpastor Bernd Siggelkow ist Gründer der Einrichtung für Kinder "Arche". Er weiß um die alltägliche Kinderfeindlichkeit in Deutschland.
2,6 Millionen Kinder und Jugendliche leben in Deutschland auf Sozialhilfeniveau, schätzt der Kinderschutzbund. Hunderte von ihnen besuchen täglich die Einrichtungen, die Pastor Bernd Siggelkow, 43, mit dem von ihm gegründeten Verein "Arche" in Berlin, Hamburg und München unterhält. In seinem Buch "Deutschlands vergessene Kinder" führt Siggelkow seine Leser in Familien, in denen Kinder kaum Chancen haben.
Jugendpastor Bernd Siggelkow: Als er zwei Jahre alt war, verließ seine Mutter die Familie. (© Foto: dpa)
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SZ: Wie war Ihre Kindheit, Herr Siggelkow?
Siggelkow: Als ich sechs Jahre alt war, stand meine Mutter mit zwei Koffern im Wohnzimmer. Sie sagte: "Ich verlasse die Familie." Gemeinsam mit meinem Bruder ließ sie mich in dem Haus zurück, in dem mein Vater und seine Mutter lebten.
SZ: Klingt nicht so rosig.
Siggelkow: Das Geschäft meines Vaters ging Konkurs, meine Großmutter wurde vom Krebs zerfressen, man musste täglich mit ihrem Tod rechnen. Sie lebte noch fünf Jahre. Bereits mit elf Jahren führte ich ihren Haushalt.
SZ: Wo war das?
Siggelkow: Auf St. Pauli. Als ich 15 war, starb meine Oma. Danach zog ich aus.
SZ: Und Ihr Vater?
Siggelkow: Mein Vater wollte sich immer nur selbst verwirklichen. Weder zu ihm noch zu meiner Mutter hatte oder habe ich regelmäßig Kontakt. Oft stand ich auf einer Brücke und dachte: Ich mach Schluss.
SZ: Was passierte dann?
Siggelkow: Nach der Mittleren Reife hing ich auf der Reeperbahn rum. Ich träumte davon, Musiker zu werden und hörte, dass man bei der Heilsarmee kostenlos Posaune lernen kann.
SZ: Ein Straßenkind geht zur Heilsarmee?
Siggelkow: Mit 20 heiratete ich ein Mädchen aus einer alten Heilsarmee- Familie. Wir sind immer noch verheiratet und haben sechs Kinder.
SZ: Dann arbeiteten Sie als Pastor.
Siggelkow: Man fragte mich kurz nach der Wende, ob ich nicht Lust hätte, nach Ostberlin zu gehen und mich um Jugendliche in Hellersdorf zu kümmern. Was ich dort kennenlernte, hatte ich vorher noch nie gesehen. 13-Jährige, die Friedhöfe schändeten und die ganze Woche über mit wechselnden Partnern Sex hatten. Nach langer Überlegung entschloss ich mich, dort zu arbeiten. Mit einigen Freunden gründete ich 1995 dann den Verein "Arche", der sich um eine sinnvolle Freizeitgestaltung von Kindern und Jugendlichen kümmerte. Wir sprachen herumlungernde Kinder an, brachten ihnen das Gitarrespielen bei oder luden sie zu Theateraufführungen ein. Das alles finanzierten wir selbst. Das war nicht leicht, schließlich hatte ich damals schon drei eigene Kinder. Mittlerweile hat die Arche 50 feste Mitarbeiter. Drei neue Einrichtungen sind in Planung.
SZ: Zunächst war die Arche eine Suppenküche?
Siggelkow: Viele Kinder, die zu uns kamen, waren völlig ausgehungert. Also hatte ich die Idee, mit Hilfe von Sponsoren, die Kinder nach der Schule mit einer warmen Mahlzeit zu versorgen. Das Fernsehen berichtete über unsere Aktion, und bald meldeten sich großzügige Spender, die uns bei unserem Kampf gegen Kinderarmut unterstützten.
SZ: Derzeit machen Sie Schlagzeilen, weil Sie eine Grundversorgung von Kindern fordern. Was meinen Sie damit?
Siggelkow: Ich wünsche mir, dass Schulessen kein Geld mehr kostet. In vielen Familien ist das Fernsehen zum Hauptkommunikator geworden. Ein gemeinsames Schulessen kann Eltern und Kinder gleichermaßen entlasten. Auch Bildung sollte für Kinder generell kostenlos sein. Oder das Nahverkehrsticket - damit das Kind zum Beispiel eine weiterführende Schule besuchen kann.
SZ: Wer soll das bezahlen? Sind das nicht utopische Forderungen?
Siggelkow: Frau von der Leyen hat mal davon geredet, zehn Millionen Euro für eine Task-Force für Kinder einsetzen zu wollen. Meine Güte, was könnte man mit zehn Millionen Euro alles machen. Derzeit ist die Situation in Deutschland so: Eine achtköpfige Familie, die unter dem Existenzminimum lebt, hat keinen Anspruch auf eine Waschmaschine. Eine Mutter, die im Krankenhaus um etwas kostenlose Nahrung für sich und ihren Säugling bittet, wird abgewiesen. Ein Jugendlicher, der von der Mutter rausgeworfen wird und nicht weiß, wo er schlafen soll, ist auf sich selbst gestellt und muss erst einmal die Kostenübernahme klären. Die Jugendämter machen freitags um 16Uhr Feierabend. Das ist die Situation in Deutschland.
SZ: Trübe Aussichten?
Siggelkow: Wir haben bereits französische Verhältnisse: In Berlin brennen ständig Autos. Es heißt dann: Der Staatsschutz ermittelt. Ja, was soll er denn ermitteln? Das ist Kinderkriminalität. Das sind ausgestoßene junge Leute, die nichts mit sich anzufangen wissen und sich in Banden zusammenrotten. Das wird noch schlimm werden. Sie glauben gar nicht, welches Ausmaß die sexuelle Verwahrlosung angenommen hat. Mit 15 haben die alles durch. Mit 16 kriegen die Mädchen ihr erstes Kind. So dreht sich die Spirale weiter. Das sind Probleme, die die gesamte Gesellschaft betreffen.
SZ: Was muss sich verändern?
Siggelkow: Wir dürfen nicht nur davon reden, dass Kinder unsere Zukunft sind, sondern müssen aktiv gegen eine kinderfeindliche Welt eintreten.
Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
(SZ vom 20.9.2007)
Partyzone Flußufer
@gerald67 und BIG BOY
Ich kann mich ihren Ausführungen nur anschließen.Sehr gut beschrieben, was bei uns Sache ist.
Dass sowas in unsererem "angeblich reichen Land" stattfindet, ist nicht zu fassen.
wir hampeln in aller Welt herum, verteilen Hilfsgelder, kämpfen und fordern Gerechtigkeit, während zu hause im eigenen Land die Kinder verwahrlosen und verkommen.
Wir predigen der Welt unsere Moral, während wir selber nicht in der Lage sind, die Moral unserer eigenen Familien einzufordern, dafür zu sorgen, dass Kinder anständig versorgt und erzogen werden, dass sie ausreichend zu essen haben. Stattdessen fordert Merkel die Rechte der Kinder in Fernost-China-Indien ein,
Der Bericht von Pastor Siggelkow ist erschütternd.
Noch erschütternder ist, dass alle Politiker das Wohl des Kindes proklamieren, aber nichts dagegen tun.
Sie müssten doch wissen, was Sache ist.
Wie weit sind wir eigentlich schon gesunken?
In welcher Welt leben wir denn?
Wenn Eltern nicht mehr in der Lage sind, für die Kinder zu sorgen, die Kinder zu erziehen, wie soll denn dann das weitergehen?
Machen sich die Politiker eigenlich mal darüber Gedanken?
Sie kümmern sich mehr darum, die Hausfrauen und Mütter aussterben zu lassen, dafür wird alles in Bewegung gesetzt.
Sie drehen am falschen Rad, wie man sehen kann.
Gewarnt haben vor dieser Entwicklung sehr viele, doch sie wurden nur belächelt.
Wenn Eltern mit ihrem Geld nicht für die Kinder sorgen, dann muß man eben
die finanzielle Hilfe durch Sachleistungen wie
Schulspeisung -
kostenloser Eintritt in Sportvereine-
kostenlose Verkehrsmittel
kostenloser Musikunterricht
u. ähnliche sinnvolle Betätigungen finanzieren, statt den Eltern dieser Gruppe das Geld in die Hand zu geben.
Wenn wir diese Kinder nicht von der Straße holen, laufen sehenden Auges auf schlimme Verhältnisse zu.
Ich habe nichts gegen Kultureinrichtungen, dennoch muß man abwägen.
Was ist wichtiger: gut versorgte kinder, bewahren vor Verrohung -oder
eine Vielfalt an Kultur, die keiner mehr in Anspruch nehmen kann.
Wenn man den Aufwand unserer Politgrößen anschaut- die Verschwendung aller Orten, und dem gegenüber diese Verwahrlosung sieht, dann kommt einem das Grausen.
Ich habe schon vor Jahren kostenlosen Musikunterricht angeregt sowie kostenlosen Sportverein, damit sich diese Kinder beschäftigen k&ou
hält seine stadt für arm aber sexy.welch ein hohn.da werden millionen in kunst und kultur investiert,während gleichzeitig kinder verwahrlosen bzw.hungern.einfach nur widerlich.und dieser tünnes soll mal kanzler werden,ho,ho,ho!
Auch wenn ich kein Schicksal erleiden musste wie Herr Siggelkow oder andere Teilnehmer: die Eindrücke aus meinen langjährigen Studentenjobs für das Sozialamt haben mich lange beschäftigt.
Aber vielleicht ist die angesprochene Kinderfeindlichkeit nur die Spitze des Eisbergs. Alte Menschen, kranke Menschen, hilfslose Menschen, misshandelte Menschen: ölsumpf im Getriebe unserer Gesellschaft. Wir lernen täglich, uns nur um uns selbst zu kümmern, in der ständigen Furcht, nur ja nicht zu kurz zu kommen. Wer es nicht schafft, hat halt Pech gehabt. Rücksicht ist was für Schwächlinge.
Aber wir wollten es ja nicht anders...
Ohne Experte in diesem Thema zu sein, wird wohl ein Teil dieser Kinder zu nicht integrierten Zuwanderern gehören. Und das ist als reines Faktum und nicht als Ausländerfeindlichkeit zu verstehen.
Darüberhinaus ist dies die Konsequenz des Verfalls von Werten wie Familie und Ehe in einer rein materialistischen Geselschaft, die unter dem Deckmantel einer "Globalierung" von raffgierigen Geld- und Finanzhaien volkommen durchökonomisiert wird - was dann als "fantastisches Management" bezeichnet wird und den eigenen Marktwert auf Millionengehälter anhebt!
Einer Geslleschaft, die die über 45jährigen in Hartz IV und in Altersarmut schickt aber über Fachkräftemangel jammert und noch nach mehr Zuwanderung schreit (wie der DIHK), einer Gesellschaft die die Gehälter und Löhne auf unter das Hartz IV Niveau drückt, einer Wirtschaft die die Menschen unter einem Leistungs-, Wettbewerbs- und Konkurenzdruck setzt mit dem die jungen 30jährigens schon verbraucht und ausgebeutet werden, einer Gesllschaft in der Pornographie und Selbstverwirklichung die Maßstäbe setzen. Das wird unterstützt durch ein Unterschichtenfernsehen geldgeiler Privatkanäle und einer Medien-, Freizeit- und Kommunikationsindustrie, deren Fokus ebensowenig gesellschaftliche Verantwortung sondern "Shareholder Value" ist wofür man gerne schon auch gesellschaftliche Provokationen eingeht. Nun kommen die Nachwirkungen der werteauflösenden 68er hinzu, z.B. der antiautoritären Erziehung in der das "Bitte, Justin" (woraufhin der 8jähriger "Justin" mit seinem Rechstanwalt drohen darf) anstatt einer ordentlichen Watsch'n dominiert, die Patchworkehen mit wechselnden Partnern die keine Erziehung mehr leisten.
Der gute Mann hat in allen Punkten Recht. Nur seine Gegner sind nicht die Kids und die hilflosen Eltern, sondern die große Masse.
Erstens riecht kostenloses Schulessen so sehr nach DDR, das daraus geschlussfeolgert werden kann, die Bundesrepubkli wird daran zu Grunde gehen. So etwas kann niemand wollen.
Zweitens schaut die große Masse nur auf das eigene Heim und Konto. Lieber beteiligt man sich am Monopolyspiel in der Firma. Vielleicht sind ja noch 1% mehr Lohn drin.
Drittens beteiligen sich alle öffentliche ämter an dem Entzug von bürgerlichen Rechten. Zivilcourage ausgestorben. Kein einziger Beamter sagt, nein, das mach ich nicht. Wilhelminischer Gehorsam treibt föhliche Urständ in Deutschland.
Viertens denken immer noch große Teile der Bevölkerung, wenn man schon mal arm dran ist, kommt man mit großen Willen auch wieder nach oben. Und das ist der größte anzunehmende Unsinn. Der Staat,seine ämter und das Subunternehmertum verhindern das erfolgreich.
Fünftens: in D werden Gesetze nur verschlimmbessert, niemals abgeschafft.
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