Der Nationale Ethikrat gibt am Montag seine Empfehlung ab, ob das Stammzellgesetz verändert werden soll. Für Jörg Hinrich Hacker, Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft und Infektionsbiologe, steht die Antwort fest.
sueddeutsche.de: Herr Hacker, am Montag nimmt der Nationale Ethikrat dazu Stellung, ob das Stammzellgesetz geändert werden sollte. Was raten Sie ihm?
Plädiert für eine Lockerung des Stammzellgesetzes: Jörg Hinrich Hacker (© Foto: DFG)
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Jörg Hinrich Hacker: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft empfiehlt drei Änderungen: Erstens sollten wir auch in Deutschland mit menschlichen embryonalen Stammzellen arbeiten dürfen, die nach dem jetzigen Stichtag 1. Januar 2002 im Ausland hergestellt wurden. Zweitens empfehlen wir, die Strafandrohung für deutsche Wissenschaftler abzuschaffen, wenn sie beispielsweise in europäischen Projekten forschen, in denen mit späteren Stammzelllinien gearbeitet wird. Drittens sind wir dafür, dass Stammzellen künftig auch für diagnostische, präventive und therapeutische Zwecke genutzt werden dürfen - bisher sind diese Zellen nur für die Grundlagenforschung reserviert.
sueddeutsche.de: Deutsche Wissenschaftler können bereits jetzt auf mehr als ein Dutzend Stammzell-Linien zurückgreifen. Sind die neueren Zellen wirklich notwendig?
Hacker: Wir können zwar auf etwa 20 Zelllinien zurückgreifen, doch diese sind qualitativ schlecht. Sie weisen viele Veränderungen in den Erbsubstanzen auf und sind nicht nach einheitlichen Kriterien hergestellt worden. Außerdem wird international zunehmend mit Zelllinien gearbeitet, die nach 2002 entstanden sind. Dies führt dazu, dass wir unsere Forschungsdaten wissenschaftlich kaum noch vergleichen können.
sueddeutsche.de: Teile der SPD haben vorgeschlagen, den Stichtag auf den 1. Mai 2007 nachzudatieren, bei diesem Termin dann aber endgültig zu bleiben. Ist das sinnvoll?
Hacker: Ein Stichtag 1. Mai 2007 ist natürlich besser als der alte, insofern wäre das ein Fortschritt. Wir streben allerdings die Abschaffung des Stichtags an. Die jetzige Lösung ist im Jahr 2002 eingeführt worden um zu verhindern, dass deutsche Wissenschaftler ihre ausländischen Kollegen anstiften, Stammzell-Linien für sie herzustellen. Trotz des deutschen Gesetzes gibt es mittlerweile aber schon mehr als 500 solcher Linien. Von daher ist ein Stichtag schlicht unsinnig.
sueddeutsche.de: Der Stichtag ist nach monatelanger Debatte als Kompromiss zwischen Befürwortern und Gegner der Stammzellforschung verabschiedet worden. Halten Sie es für fair, diese Einigung bereits nach wenigen Jahren aufzukündigen?
Hacker: Der jetzige Kompromiss ist vor dem Hintergrund geschlossen worden, dass es einige dieser Linien gab und das Forschungsfeld neu war. International hat sich seitdem aber sehr viel getan. Es gibt neue Linien, die für die Forschung wesentlich besser geeignet sind. Insofern sind die Bedingungen anders.
Lesen Sie im zweiten Teil, welchen Nutzen die Stammzell-Forschung für die Heilung von schweren Krankheiten mit sich bringen könnte.
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Bundespräsident Gauck in Israel
„Die wird es, wenn man ihrer Arugmentation folgt, dann ohnehin geben.“
Nein, die wird es nicht geben, da die Politik sich glücklicherweise auch im Ausland „in die Wissenschaft einmischt“ und das Klonen von Menschen daher nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland verboten ist.
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„Im übrigen ist dieses Klon-Argument schon ein bisschen weit hergeholt, ....“
Das Klon-Argument scheint insofern weit hergeholt, als das klonieren von Menschen heute technisch und moralisch nicht machbar ist. Sollte die moralische Hemmschwelle hierzu fallen, würde es nicht lange dauern, bis solche Experimente auch technisch durchführbar wären.
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„...denn eigentlich geht es dabei wohl eher um andere Dinge und letztendlich um die Befindlichkeit der Religiösen.“
Es geht im Prinzip um die Frage, ob befruchtete Eizellen manipuliert, sie zu Forschungszwecken getötet oder zu Zellinien verarbeitet werden dürfen. Und um alle Implikationen, welche diese Fragestellung mit sich bringt. Ich kenne mich mit den Befindlichkeiten der Religiösen nicht aus, aber ich möchte nicht, dass in der Welt in der meine Enkel leben werden, das Leben der Menschen von einem gentechnischen Macht- und Machbarkeitswahn dominiert wird. Deshalb muss man der Forschung einen Rahmen geben, innerhalb dessen sie sich bewegen kann, ohne Gefahr zu laufen, diesem Wahn zu verfallen. Die „ethische Gesinnung“ der Wissenschaftler ist hierfür der denkbar schlechteste Garant.
"Ich denke die Politik sollte sich u.a. nicht in die Wissenschaft einmischen."
Dann wird es bald menschliche Klone geben.
Man mache sich hier bitte nichts vor. Es geht um die Chancen zu großen Erfolgen in der Medizien und dass diese auch auf deutschem Boden stattfnden sollen. Dahinter steckt aber nicht nur das wissenschaftliche Forscherinteresse sondern die Bestätigung einer Medizine, die zB. Heilung von Krankheiten in erster Linie durch manipulative Reparaturen favorisiert.
Und dafür braucht man nicht irgendwelche Zellen sondern firsche lebendige menschliche. Diese werden mit verschiedenen Werkzeugen in großen Versuchsreihen bearbeitet.
Wie dies ethisch zu sehen ist, verrät uns der Ethikrat nicht.
Die Art der "Heil"-Medizin die bei dieser Art Forschung den Vorrang erhält, kann als bedenklich angesehen werden. Nur leider sind die Alternativen dazu durch eine Einseitigkeit weitgehend verunmöglicht, sodaß für das Heilen beim Menschen zu wenig über das menschliche Leben bekannt ist. Bei den Stammzellen wird man es alleine nicht finden.
Kein Forscher wird mit Apparaturen eine menschliche Stammzelle nachbauen können - das kann nur der Mensch selbst
Der Vergleich mit Abtreibungen trifft übrigens nicht zu. Bei der Abtreibung geht es darum, ein menschliches Leben zu töten, von dem wiederum ein anderes Leben, nämlich das der Mutter, ganz konkret betroffen ist. Das mag man beurteilen, wie man will. Es gibt sicherlich viele Motive dafür und viele dagegen. Bei den Gelüsten der Wissenschaftler geht es darum, menschliches Leben zu manipulieren.
Im ersteren Fall geht es also um die Entscheidung für oder gegen ein Leben. Im zweiten Fall geht es um die Macht über das Leben.
Wenn Sie definieren, was kein menschliches Leben ist, müssen Sie auch sagen, wo menschliches Leben beginnt. Bei der fünften, zehnten, zwanzigsten Zellteilung? Sie sehen: Das können Sie nicht. Also muss man eine Grenze setzen, die offensichtlich ist. Es gibt nur eine solche Grenze und sie ist für alle nachvollziehbar, eindeutig und ganz leicht zu erkennen: Eine befruchtete menschliche Eizelle ist menschliches Leben. Und an menschlichem Leben sollte nicht manipuliert werden. Wer diese Grenze in Frage stellt und meint, in Fragen der Manipulation menschlichen Lebens müsse man Kompromisse finden, hat eine vollkommen falsche Vorstellung von den Motiven der Zauberlehrlinge in den Forschungseinrichtungen. Dort geht es nur den berühmten „Ausnahmen von der Regel“ tatsächlich darum, menschliches Leid zu mindern. In erster Linie ist Grundlagenforschung ein knallharter Kampf um Karriere, lukrative Posten, Forschungsgelder und die Befriedigung von Eitelkeit. Professoren und andere Wissenschaftler mit Einfluss sind heute nichts anderes als schlechtere Politiker und Wühlmäuse in der Forschungsbürokratie. Und wie Politiker auch, werden Sie alles tun, was nötig ist, um sich Macht und Karriere zu bewahren, wenn man ihnen die Erlaubnis dazu gibt. Und wenn ich sage alles, dann meine ich alles. Denn im Gegensatz zur politischen Klasse, unterliegen die Wissenschaftler keiner demokratischen Kontrolle oder Legimitation. Es dürfte bereits heute schwierig sein, einen erfolgreichen Wissenschaftler zu finden, der keine Leiche im Keller hat. Die zuckersüße Argumentation mit therapeutischen Anwendungen ist nur ein giftiger und steter Tropfen, er den Stein höhlen soll, damit der den Karrieren der Forschungsbürokraten nicht im Wege steht. Die Resultate der embryonalen Stammzellforschung lassen sich genauso gut mit adulten Stammzellen erzielen. Man muss vielleicht nur etwas mehr Zeit investieren. Und in genau dieser Zeit könnten die Konkurrenten aus dem Ausland ja bereits publiziert und sich Ruhm und Forschungsgelder erstritten haben. Menschen, die unter qualvollen Krankheiten leiden, vor dem Hintergrund dieser niedrigen Motive mit Phantasien von vagen Heilsversprechen zu ködern, ist purer Zynismus.
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