Von Reymer Klüver

US-Präsident Bush hat politisch wenig Grund zum Feiern. Aber privat lässt er nun die Korken knallen: An diesem Samstag führt er Tochter Jenna zum Traualtar.

Amerikas Präsident dürfte zu Tränen gerührt sein. Das ist er ohnehin leicht, auch bei öffentlichen Anlässen. Doch an diesem Wochenende wird der Grund sehr privater Natur sein: Seine Tochter Jenna, die Zweitgeborene seiner 26 Jahre alten Zwillingstöchter, die blonde, heiratet. Er selbst hat angedeutet, wie sehr ihm das Ereignis nahe geht. Es werde, sagte er vor ein paar Tagen, an diesem Wochenende "viel Lachen, viel Bohai" geben - "und viele Tränen".

Der Souvenirhandel hat selbstverständlich längst auf die Hochzeit reagiert und bietet passendes Porzellan an. (© Foto: AFP)

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Die Bushs, daran besteht kein Zweifel, sind zufrieden mit Jennas Wahl. Henry Hager ist 30 Jahre alt, strebsam, aber nicht zu sehr. Er macht gerade seinen MBA, hat einen Job bei einem Energieunternehmen in Maryland gelandet - und ist ein guter Republikaner. Er hat schon für Bushs einstigen Chefberater Karl Rove gearbeitet. Sein Vater war einmal Vize-Gouverneur von Virginia und ist dort gegenwärtig Parteichef der Republikaner. Henry und Jenna haben sich denn auch, passender Weise, beim Wahlkampf für ihren Vater vor vier Jahren kennen gelernt.

Wenn die Archivare richtig zählen, haben bisher 22 Präsidententöchter geheiratet, während der Papa im Weißen Haus residierte. Die erste war Maria Hester Monroe 1820. Vor hundert Jahren machte die Hochzeit von Alice Roosevelt Schlagzeilen, Tochter des hochpopulären Teddy Roosevelt. Im Weißen Haus selbst fand vor 37 Jahren die letzte Hochzeit statt. Damals hauchte dort Richard Nixons Tochter Tricia ihr Ja-Wort. Von den 22 jungen Frauen haben aber nur neun im Weißen Haus geheiratet.

Auch Jenna, nach jugendlichen Alkoholeskapaden eine durchaus ernsthafte Junglehrerin und Buchautorin, wollte nicht dort heiraten. Wohl zum Leidwesen ihrer Mutter Laura, die sich ein bisschen Glanz und Gloria im East Room oder im Rose Garden gut hätte vorstellen können. Doch ihr Mann sagte bei Fox News, dem Lieblingssender der Rechten: "Das ist nicht Jennas Stil. Sie will nicht, dass ihr die ganze Welt zuschaut." Und die Braut gab in einem Interview der Modezeitschrift Vogue zu Protokoll: "Henry und ich sind nicht so glanzvoll. Es bedeutet für uns viel, dass wir draußen feiern. Wir wollten nichts Übertriebenes."

Nun also wird die Hochzeit auf der Prairie Chapel Ranch der Bushs in Crawford, in Texas gefeiert. Paparazzi haben keine Chance. Dafür sorgt schon der Secret Service. Der Präsident hat ein Kalkstein-Kreuz an einem See auf dem Grundstück aufstellen lassen. Es soll während der Trauung als Altar dienen. Für die mehr als 200 Gäste wurde ein Zelt errichtet. Die Braut wird ein weißes Kleid mit kleiner Schleppe tragen, entworfen von Oscar de la Renta, dem Lieblings-Couturier ihrer Mutter. 14 Brautjungfern werden sie begleiten. Sie werden Cocktailkleider in sieben Farben tragen. Jennas Henry wird ihr einen Ring schenken, mit Saphiren und einem Diamanten besetzt, letzterer ein Erbstück seiner Familie.

Die ganze Sache wird vom Weißen Haus als private Familienangelegenheit behandelt. Offizielle Pressemitteilungen gibt es keine, eine Gästeliste schon gar nicht. Und der Präsident selbst beschränkt seine Einlassungen zur Sache auf ein paar wohlfeile Schnurren. Schon vor Monaten klagte er, dass er zwar Commander in chief sei, dass seine Frau und seine Töchter ihn bei den Hochzeitsvorbereitungen aber kein Wort mitreden ließen: "Sie lassen mich nur das Geld ausgeben", witzelte er.

Bush neigt dazu, in Ellipsen zu reden. Und als sein künftiger Schwiegersohn, wie es die Konvention will, offiziell um die Hand der Präsidenten-Tochter anhielt, soll er nur gesagt haben: "Schon beschlossen." Beim jährlichen Festdinner mit den Korrespondenten im Weißen Haus blödelte er in Anspielung auf seine rekordverdächtige Unbeliebtheit im Land, dass sich nicht nur seine Parteifreund und Nachfolgekandidat John McCain erkennbar von ihm absetze: "Jenna zieht auch aus."

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(sueddeutsche.de/imm)