Angesichts der neuen Fälle von Vogelgrippe hat das Friedrich-Löffler-Institut für Tiergesundheit (FLI) die Risikobewertung für Deutschland von "mäßig " auf "hoch" gesetzt.
Angesichts neuer Vogelgrippe-Fälle verschärft das Friedrich-Löffler-Institut für Tiergesundheit (FLI) die Risikoeinschätzung für Deutschland. Das Institut setzte die Risikobewertung von "mäßig " auf "hoch". Das teilte Sprecherin Elke Reinking am Donnerstag mit. Die Risikoeinschätzung des FLI ist Bewertungsmaßstab für die Vorkehrungen der Bundesländer im Kampf gegen die Tierseuche.
Ein Mitarbeiter der VerwaltungsgemeinschaftGoldene Aue am Ufer der Talsperre Kelbra. (© Foto: ddp)
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Dazu zählen etwa die Stallpflicht für Geflügel und die Ausweisung von Sperrbezirken rund um Fundstellen infizierter Tiere. Damit hat die Risikobewertung die vierte von fünf möglichen Stufen erreicht. Diese reichen von "vernachlässigbar", "gering", "mäßig" und "hoch" bis zu "wahrscheinlich". Um die höchste Risikostufe zu erreichen, müsse es flächendeckend Funde infizierter Wildvögel sowie Fälle unter Nutzgeflügelbeständen geben, sagte Reinking. "Davon sind wir aber noch weit entfernt."
Anlass für die Neubewertung des Risikos sind eine Reihe neuer Vogelgrippe-Fälle. Am Donnerstag wurde bei 38 toten Wildvögeln, die im Kelbra-Stausee in Sachsen-Anhalt gefunden worden waren, der hoch pathogene Virustyp H5N1 nachgewiesen.
Am Dienstag war das Virus bereits in Vogelkadavern auf der thüringischen Seite des Sees gefunden worden. Auch aus Nürnberg wurden am Donnerstag zwei weitere gesicherte Fälle gemeldet. Die Zahl der an H5N1 verendeten Wasservögel im Nürnberger Stadtgebiet ist damit auf elf gestiegen.
"Epidemisches Geschehen"
Angesichts der jüngsten Ausbrüche der Tierseuche in Bayern, Sachsen und im Grenzgebiet von Thüringen und Sachsen-Anhalt müsse mittlerweile ein "epidemisches Geschehen" abgenommen werden, sagte FLI-Sprecherin Reinking. Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) bat die Bundesländer daher darum, derzeit geltende Schutzmaßnahmen nicht zu lockern. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa stimmte die Mehrheit der Länder am Donnerstag zu, die vorgesehene Lockerung der Geflügel-Stallpflicht an diesem Freitag im Bundesrat abzusetzen.
In seiner Einschätzung bestärkt wurde das FLI durch den Nachweis von H5N1 in drei toten Schwänen in Frankreich. Die Tierkadaver wurden im lothringischen Assenoncourt 80 Kilometer südwestlich von Saarbrücken entdeckt, wie das französische Landwirtschaftsministerium am Donnerstag bekanntgab. Die Behörden richteten eine Kontrollzone um den Weiher ein, in dem die Schwäne entdeckt worden waren. Frankreich ist Europas größter Geflügelproduzent.
Der Erreger H5N1 ist potentiell auch für den Mensch gefährlich. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO haben sich weltweit bisher 315 Menschen infiziert, 191 davon sind daran gestorben. Bisher springt das Virus nicht von Mensch zu Mensch über. Forscher fürchten jedoch, dass das Virus einmal so mutieren könnte, dass es eine Pandemie unter Menschen auslösen könnte. Das Risiko dafür hält die WHO jedoch für unverändert. Auf ihrer Skala steht das Risiko für Menschen auf der dritten von sechs Stufen.
Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
(SZ vom 6.7.2007)
Abholzungen im Amazonas-Gebiet
Norovirus- und Rotavirusinfektionen als Beispiele verlaufen in Deutschland streng saisonal in Abhängigkeit von der Trinkwassertemperatur. Norovirus- und Rotavirusinfektionen werden primär fäkal-oral entweder durch Lebensmittel oder das Trinkwasser übertragen. Lebensmittel haben das Jahr über konstante Temperaturen, das Trinkwasser verändert über das Jahr seine Temperatur: Temperatuminimum der Kältesumme des Winters folgend Februar/März = Maximum Norovirus- und Rotavirusinfektionen (seltene Ausnahme: echtes tiefes Grundwasser). Die virale Gefahr ist hiernach sehr konkret vorhanden. Im Herbst gehen die Wasserkörper der Talsperren und Seen in Vollzirkulation über, so dass die eingetragenen Viren zu den tiefen Entnahmen gelangen. Flockung und Filtration entfernen Viren nur unzureichend zu maximal 99,5%. Herkömmliche Desinfektionsverfahren wie die Chlorung bringen wenig, weil Viruspartikel überwiegend chlortolerant sind und im Rohwasser nicht einzeln, sondern verklumpt vorkommen und deshalb vom Chlor nicht erreicht werden können. Die Chlorung ist in Deutschland nur sehr eng begrenzt zulässig - anders als in den USA. Werden die lebensgefährlichen, fäkal übertragbaren H5N1-Influenzaviren insbesondere im Winter in großer Zahl in die Gewässer eingetragen, werden sie - wie die Noro- und Rotaviren - mit dem kalten Trinkwasser zu den Menschen gelangen und diese infizieren. Auch in Deutschland werden - wie in Entwicklungsländern - zu einem erheblichen Teil junge, frisch durch Oberflächenwasser kontaminierte Trinkwässer zur Wasserversorgung genutzt. Ausscheider sind Menschen, Nutztiere, wildlebende Tiere. Hinsichtlich der Virenelimination bei der Trinkwasseraufbereitung ist Deutschland Entwicklungsland. Grundwasser ist oft durch Oberflächenwasser und Abschwemmungen massiv beeinflusst und deshalb auch durch Viren kontaminiert (Karstgrundwasser, Kluftgrundwasser, angereichertes Grundwasser, Uferfiltrat, oberflächennahes Grundwasser, Quellen, Grundwasser in niederschlagsarmen Gebieten ohne nennenswerte Grundwasserneubildung Beispiele: Ostdeutschland, Rheinebene zwischen Speyer und Bingen).
Kontakt: soddemann-aachen@t-online.de
@Wilfried Soddemann:
Ihr Beitrag ist sehr alarmistisch und gebraucht Vergleiche, die hinken. Die virale Gefährdung über das Trinkwasser ist in Deutschland doch eher als abstrakt zu bezeichnen.
Influenzaviren können im Wasser je nach Temperatur zwischen 3 Tagen und 30 Tagen überleben - hierbei sind die im Wasserkörper einer Talsperre stattfindenden Selbstreinigungsprozesse (z. B. Biofiltration durch Wasserorganismen und Sedimentation) nicht einmal berücksichtig. Die Verweilzeit des Wassers in einer Talsperre beträgt bis zu 1 Jahr. Rechnet man den Verdünnungsaspekt, aufgrund des riesigen Wasserkörpers, mit ein, so ist ein Eintreten des Virus in ein Talsperrenwasserwerk sehr unwahrscheinlich.
Im Aufbereitungsprozess im Wasserwerk werden etwaige Viren indes zuverlässig eliminiert. In der ersten partikelentfernenden Filterstufe durch die eingesetzte Flockenfiltration, aufgrund von Adsorption des Virus an Flockenpartikel, zurückgehalten. Eine zusätzliche Sicherung stellt die abschließende Desinfektion mit Chlor bzw. Chlordioxid dar. Chlor bzw. Chlordioxid tötet Influenzaviren sicher ab!
Es kann, nach menschlichen Ermessen, nahezu ausgeschlossen werden, dass H5N1-Viren den Endverbraucher am Zapfhahn erreichen.
Ihre Beispiele aus Asien entbehren jeglichen Vergleichs - selbst wenn dort eine Ansteckung über kontaminiertes Wasser in Einzelfällen in Betracht gezogen wird, so verbietet die Logik einen Vergleich zwischen der zentralen Wasserversorgung aus einer deutschen Talsperre, inkl. Kontroll- und Aufbereitungsmechanismen, die den Regeln der Technik entsprechen, zur rückständigen Wasserversorgung in ländlichen Gegenden Ostasiens. Hier vergleichen Sie äpfel mit Birnen.
Die trifft auch auf ihren Kommentar bzgl. der Grundwasserförderung zu. Den Zusammenhang von Grundwasserförderung und potentieller Gefährdung durch H5N1-Viren sollten Sie doch bitte mal erbringen.
Das sie gerade die USA ins Spiel bringen, lässt mich doch sehr schmunzeln. Wie sie darauf kommen, gerade die Wasserversorgung der USA mit der deutschen zu vergleichen, ist mir rätselhaft. Während in Deutschland am Hahn Trinkwasser kommt, muss in den meisten Gegenden der USA das Wasser im Haushalt erst durch energieintensive Gerätschaften, wie bsplw. Umkehrosmoseeinheiten aufbereitet werden. Kann ihr eigentliches Interesse darin liegen, diese Gerä
die wirklich große Gefahr beid er Vogelgrippe ist gerade, dass man sie unterschätzt. Es gab vor einiger Zeit eine Diskussion über die Anschaffung großer Mengen Impfstoffe. Erst nachdem die politische Brisanz dieses Themas in den Medien deutlich wird, war man zu Handlungen bereit. Ich befürchte nur, dass wenn die Vogelgrippe nciht ausbricht auch in den Medien in absehbarem Zeitraum nicht mehr über die "paar Toten Vögel" berichtet wird und dann auch irgendwann die Politik nicht mehr handlungsbereit ist/ nicht den nötigen Druck bekommt und so nötige Vorsichtsmaßnahmen ignoriert werden. Es ist auch etwas traurig so dramatische Veränderungen - wie sie von Wilfried Soddemann beschrieben worden sind - nur in einem Kommentar zu lesen und nicht in einem Artikel selbst. Dies sehe ich als das erste Zeichen der Abstumpfung ab und den Kommentar von tzzzzzz als das zweite. Hoffe das wird nie öffentliche Meinung.
PS.: "Die langsame Klinge durchdringt den Schild.", Frank Herbert , Dune
Risikobewertungen von BfR/FLI und UBA sind grundlegend falsch
Das lebensgefährliche H5N1 Vogelgrippe-Virus wird auch in Deutschland auf die Menschen via Trinkwasser übertragen werden, wie bei den Vögeln. Jüngste Forschungsergebnisse müssen beunruhigen: Bisher musste das Virus die Bronchien und die Lunge der Menschen erreichen, um anzustecken. Jetzt infiziert es in Indonesien auch die oberen Atemwege (Schleimhäute des Rachens beim Trinken, Schleimhäute der Nase und vmtl. auch die Bindehaut der Augen sowie die Ohrtrommelfellmembran z.B. beim Duschen). In drei Fällen (Vietnam, Thailand) waren Magen und Darm durch das H5N1-Virus befallen, nicht jedoch die Bronchien und die Lunge. Das Virus muss also oral aufgenommen worden sein, z.B. beim Trinken von kontaminiertem Wasser.
Die Vireneliminationsleistung der Trinkwasseraufbereitungsanlagen in Deutschland erfüllt regelmäßig nicht die Anforderungen der WHO und der USA. Die Flockung und Filtration von Oberflächenwasser erreicht eine Virenelimination von maximal 99,5%, die WHO fordert 99,9999% bis 99,999999%. Die Belüftung und Schnellfiltration von Grundwasser zur Enteisenung und Entmanganung bringt keine Virenelimination. Die USA verlangen 99,99%. Herkömmliche Desinfektionsverfahren wie die Chlorung bringen wenig, weil Viruspartikel chlortolerant sind und im Rohwasser nicht einzeln, sondern verklumpt vorkommen und deshalb vom Chlor nicht erreicht werden können.
Kontakt: soddemann-aachen@t-online.de
Endlich wieder ein Grund zur Panik. Ohne Profilierungsplattform und Brennpunktthema wurde es auf die Dauer auch langweilig.