Von Sebastian Herrmann

Angesichts der neuen Fälle von Vogelgrippe hat das Friedrich-Löffler-Institut für Tiergesundheit (FLI) die Risikobewertung für Deutschland von "mäßig " auf "hoch" gesetzt.

Angesichts neuer Vogelgrippe-Fälle verschärft das Friedrich-Löffler-Institut für Tiergesundheit (FLI) die Risikoeinschätzung für Deutschland. Das Institut setzte die Risikobewertung von "mäßig " auf "hoch". Das teilte Sprecherin Elke Reinking am Donnerstag mit. Die Risikoeinschätzung des FLI ist Bewertungsmaßstab für die Vorkehrungen der Bundesländer im Kampf gegen die Tierseuche.

Vogelgrippe, H5N1, Thüringen, Sachsen, Bayern

Ein Mitarbeiter der VerwaltungsgemeinschaftGoldene Aue am Ufer der Talsperre Kelbra. (© Foto: ddp)

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Dazu zählen etwa die Stallpflicht für Geflügel und die Ausweisung von Sperrbezirken rund um Fundstellen infizierter Tiere. Damit hat die Risikobewertung die vierte von fünf möglichen Stufen erreicht. Diese reichen von "vernachlässigbar", "gering", "mäßig" und "hoch" bis zu "wahrscheinlich". Um die höchste Risikostufe zu erreichen, müsse es flächendeckend Funde infizierter Wildvögel sowie Fälle unter Nutzgeflügelbeständen geben, sagte Reinking. "Davon sind wir aber noch weit entfernt."

Anlass für die Neubewertung des Risikos sind eine Reihe neuer Vogelgrippe-Fälle. Am Donnerstag wurde bei 38 toten Wildvögeln, die im Kelbra-Stausee in Sachsen-Anhalt gefunden worden waren, der hoch pathogene Virustyp H5N1 nachgewiesen.

Am Dienstag war das Virus bereits in Vogelkadavern auf der thüringischen Seite des Sees gefunden worden. Auch aus Nürnberg wurden am Donnerstag zwei weitere gesicherte Fälle gemeldet. Die Zahl der an H5N1 verendeten Wasservögel im Nürnberger Stadtgebiet ist damit auf elf gestiegen.

"Epidemisches Geschehen"

Angesichts der jüngsten Ausbrüche der Tierseuche in Bayern, Sachsen und im Grenzgebiet von Thüringen und Sachsen-Anhalt müsse mittlerweile ein "epidemisches Geschehen" abgenommen werden, sagte FLI-Sprecherin Reinking. Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) bat die Bundesländer daher darum, derzeit geltende Schutzmaßnahmen nicht zu lockern. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa stimmte die Mehrheit der Länder am Donnerstag zu, die vorgesehene Lockerung der Geflügel-Stallpflicht an diesem Freitag im Bundesrat abzusetzen.

In seiner Einschätzung bestärkt wurde das FLI durch den Nachweis von H5N1 in drei toten Schwänen in Frankreich. Die Tierkadaver wurden im lothringischen Assenoncourt 80 Kilometer südwestlich von Saarbrücken entdeckt, wie das französische Landwirtschaftsministerium am Donnerstag bekanntgab. Die Behörden richteten eine Kontrollzone um den Weiher ein, in dem die Schwäne entdeckt worden waren. Frankreich ist Europas größter Geflügelproduzent.

Der Erreger H5N1 ist potentiell auch für den Mensch gefährlich. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO haben sich weltweit bisher 315 Menschen infiziert, 191 davon sind daran gestorben. Bisher springt das Virus nicht von Mensch zu Mensch über. Forscher fürchten jedoch, dass das Virus einmal so mutieren könnte, dass es eine Pandemie unter Menschen auslösen könnte. Das Risiko dafür hält die WHO jedoch für unverändert. Auf ihrer Skala steht das Risiko für Menschen auf der dritten von sechs Stufen.

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