Von Markus C. Schulte von Drach

Es sind Narren, die den Schlaf nach dem Mittagessen nicht zu schätzen wissen, erklärte Winston Churchill. Recht hatte er. Schließlich lässt uns eine regelmäßige Siesta sogar länger leben.

"Man muss zwischen dem Mittag- und Abendessen einige Zeit schlafen, und zwar richtig", hat der britische Premier Winston Churchill nach dem Zweiten Weltkriegs erklärt. "Man muss sich ausziehen und ins Bett gehen." Es sei närrisch, so sein Fazit, anzunehmen, man würde dann weniger leisten. Das Gegenteil ist der Fall.

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Doch der Schlaf zwischendurch erhöht nicht nur die Leistungsfähigkeit. Er ist auch gut für unser Herz.

So gut, dass er unser Leben verlängern kann. Das belegt eine Studie von Forschern der Harvard School of Public Health in Boston und der Medizinischen Hochschule von Athen.

Demnach senkt eine mindestens 30minütige Siesta dreimal die Woche das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, um 37 Prozent.

Die Wissenschaftler um Dimitrios Trichopoulos hatten insgesamt 23.681 Männer und Frauen im Alter von 20 bis 86 Jahren über einen Zeitraum von sechs Jahren beobachtet. Die Studie fand in Griechenland statt, wo eine Siesta nicht ungewöhnlich ist.

Bereits zuvor hatte es Hinweise darauf gegeben, dass im Mittelmeerraum und einigen lateinamerikanischen Ländern, wo viele Menschen tagsüber eine Schlafpause einlegen, weniger Menschen an sogenannten koronaren Herzkrankheiten sterben.

Mehrere Studien hatten allerdings widersprüchliche Ergebnisse erbracht.

Die jetzt in den Archives of Internal Medicine (Bd. 167, S.296, 2007) veröffentlichte Untersuchung ist die erste große Studie an gesunden Menschen, bei der im Detail etliche Risikofaktoren wie Ernährung und Bewegung berücksichtigt wurden.

Die Teilnehmer gaben an, ob und wie häufig sie einen nachmittäglichen Schlaf hielten.

Insgesamt waren im Studienzeitraum 792 Teilnehmer verstorben - 133 an einer Herzerkrankung. Eine Untersuchung der Lebensumstände dieser Personen zeigte, dass die tägliche Ruhepause eine große Bedeutung hat - unabhängig von anderen Faktoren, die das Herz belasten können:

Personen, die überhaupt Siesta hielten, hatten ein um 37 Prozent niedrigeres Risiko, an einer Herzkrankheit zu sterben, als Menschen, die den ganzen Tag wach waren. Und bei jenen, die häufiger als dreimal die Woche mehr als 30 Minuten ruhten, sank das Risiko sogar um 37 Prozent.

Besonders profitierten Arbeiter von der Mittagsruhe. Bei ihnen sank das Risiko um 64 Prozent, während der Effekt bei nicht arbeitenden Männern (vor allem Rentner) nicht signifikant war.

Für Frauen standen nicht genug Daten zur Verfügung, um einen solchen Vergleich anzustellen, da lediglich sechs Arbeiterinnen gestorben waren. Es scheint jedoch so, als ob bei Frauen und Rentnern die Wirkung der Siesta viel weniger ausgeprägt ist.

Die Forscher vermuten nun, dass die tägliche Ruhepause hilft, sich von Stress zu erholen - einem sowohl kurz- als auch langfristig schädlichen Risikofaktor für Herzkrankheiten.

Darauf deute insbesondere die starke Verbindung von Siesta und Gesundheit bei Arbeitern, die häufig beruflichem Stress ausgesetzt sind, schreiben Trichopoulos und Kollegen.

Die Botschaft, so Trichopoulos, ist klar: Wenn man einen Mittagsschlaf machen kann, sollte man es tun.

Schlafmangel schwächt das Erinnerungsvermögen

Für genügend Schlaf - wenn auch unabhängig von einer Siesta - spricht auch eine weitere Studie der Harvard Medical School.

Seung-Schik Yoo hatte überprüft, wie Schlafmangel sich auf die Erinnerungsfähigkeit auswirkt. Nicht gut, so das Resultat.

Die 14 Studienteilnehmer mussten nach einer durchwachten Nacht 150 Bilder betrachten, wobei die Forscher die Denkorgane der Versuchspersonen mit einem Kernspintomografen beobachteten. Drei Tage später, nach zwei durchschlafenen Nächten, sollten sie dann diese 150 Bilder aus einer Auswahl von 225 Abbildungen auswählen.

Sie kamen lediglich auf 74 Prozent, während eine Vergleichsgruppe, die durchgeschlafen hatte, immerhin 86 Prozent erreichte.

Die Auswertung der Hirnbilder zeigte, dass die Probanden nach der Nachtwache eine geringere Aktivität im Hippocampus zeigten - einem Hirnteil, der an der Gedächtnisbildung beteiligt ist (Nature Neuroscience, DIO: 10.1038/nn1851).

Wie eine Untersuchung an Ratten gerade erst gezeigt hat, erhöht sich bei diesen Tieren bei Schlafmangel der Corticosteron-Spiegel im Gehirn. Und das Stresshormon bremst offenbar die Produktion neuer Hirnzellen im Hippocampus (Proceedings of the National Academy of Science Bd. 103, S. 19170, 2006).

Obwohl die Rolle der Produktion von Hirnzellen bei Erwachsenen noch unklar ist, "könnte die Unterdrückung der Neubildung von Nervenzellen einige der Denkschwächen verursachen, die bei lang anhaltendem Schlafentzug auftreten", berichten die Forscher um Elizabeth Gould von der Princeton University.

Wie Yoo dem NewScientist bestätigte, könnte es sein, dass ein entsprechender Mechanismus bei Menschen zu Gedächtnisdefiziten mit Schlafmangel führt.

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(sueddeutsche.de)