Heidi Klum durfte Chefredakteurin bei einem Promi-Magazin spielen und so kam all das rein, was sie am liebsten liest: Am liebsten liest Heidi Klum über sich selbst.
Unsere Heidi! Es gibt nichts, was sie nicht kann - vor allem gibt es nichts, was sie nicht macht. Schaltet man abends den Fernseher ein, blickt man in diese rehbraunen Augen, von denen das linke meist ein wenig kleiner ist als das rechte. Zwischendurch, in den Werbeblöcken, hört man ihre glockenhelle Stimme, die sich für Süßigkeiten und Fastfood begeistert. Schlägt man ein Magazin auf, lacht sie einem schon aus einer Homestory entgegen. In einem Interview sagte sie einmal über ihre Arbeit: "Erfolg muss man erhalten, denn er ist wie ein gefräßiges Tier, stets auf der Suche nach Nahrung".
Heidi und ihre beiden Lieblinge: sie selbst und Topmodel Barbara. (© Foto: dpa)
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So überrascht es auch nicht, dass Heidi Klum sich immer wieder neue Nischen sucht, die sie mit ihrer optimistischen Präsenz bereichern kann. Diesmal ist es der Posten einer Chefredakteurin. Vielleicht nicht im eigentlichen Sinne - doch immerhin durfte sie in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Gala bestimmen, worüber berichtet wird. In der Online-Ausgabe ist die Ankündigung zu lesen: "Was Topmodel Heidi Klum als Chefredakteurin auf Zeit am liebsten liest, können Sie ab 31. Mai in Heidis Gala entdecken."
Das haben wir. Und erkannten: Am liebsten liest Heidi Klum über sich selbst.
Auf dem Titel lächelt sie im Leopardenkleidchen mit ihrer Neuentdeckung, Supermodel Barbara Meier, um die Wette. Eine Seite weiter, im Inhaltsverzeichnis, ein halbseitiges Foto mit dem gleichen Motiv, um ein Interview mit der Königin der Models anzukündigen.
Auf Seite acht: mit Chefredakteur Lewandowski am Schreibtisch (noch immer Leopardenlook) - darunter in großen Buchstaben: "She's the Boss!" Falls noch jemand Zweifel hatte. Auf Seite 15 unter der Rubrik "smalltalk" sehen wir auf sechs Fotos von Heidi (1991 - 2007), wie die Zeit vergeht.
Nur einmal umblättern, und schon landen wir im Doppel-Interview mit Heidi und Barbara. Das Mädchen darf ein bisschen von sich erzählen, am Ende schweift man ab zu den nächsten Projekten von Frau Klum und der Sache mit Liz Hurley.
In einem großen grauen Kasten auf derselben Seite erfahren wir auch gleich noch, was Heidi sonst noch am Herzen liegt. Erstens: ein Kinderdorf in Bergisch Gladbach, zu dessen Gunsten sie damals die Single "Wonderland" aufgenommen hatte. Endlich verstehen wir, warum sie uns das angetan hat! Zweitens: die deutsche Rechtschreibreform. Womit genau sie sich dabei beschäftigt, erfahren wir nicht. Das scheint auch eher die Aufgabe der Journalistin zu sein, die mit Heidi Klum befreundet ist und seit Jahren ihre PR-Texte schreibt.
Auf der Doppelseite 58/59 sehen wir dann einen ganzen Haufen Portraitfotos. Darauf soll der Leser das immense "Beauty-Repertoire" von Heidi erfassen. Das Repertoire jedoch beschränkt sich auf den Wechsel von Hochsteckfrisur und offenem Haar. Auf den Seiten 82-85 erteilt uns Heidi Kurzunterricht in Shoppen, Dining, Schlendern, Chillen, Wohnen und Familienausflügen. Zielort: Das familienfreundliche Los Angeles, ein Ort wie du und ich.
Doch auch die Kolleginnen kommen in dieser Gala-Ausgabe voll auf ihre Kosten: In der Innenseite des aufklappbaren Titelblattes befindet sich Claudia Schiffer - im Kampf gegen die Hautalterung. Auf ihrer Wange befindet sich ein Kollagen-Produkt, das die Haut aufpolstern soll. Das ist natürlich nur ein dummer Zufall, mit Sicherheit hat Frau Klum auf die Anzeigengestaltung keinen Einfluss - noch nicht.
Diese Gala-Ausgabe macht uns klar: Die Marke Klum hat ihrem Image einen neuen Aspekt hinzugefügt: Selbstbewusstsein. Was ihr leider fehlt, ist ein Bewusstsein für das, was außerhalb davon liegt. Das Bewusstsein für die Tatsache, dass es allmählich zu viel wird. Der Zeit gegenüber gestand Heidi Klum einmal: "Aus den Fenstern mancher Hotels sehe ich an den Kiosken mich selbst." Hat sie sich einmal Gedanken darüber gemacht, wie es uns dabei geht?
Heidi, jetzt mal unter uns: Heute ist dein 34. Geburtstag. Mach mal Urlaub! Wir alle brauchen Erholung.
(sueddeutsche.de)
es ist schon gut, dass Frau Klum von dieser Neidhammelgesellschaft weggezogen ist und in Los Angeles vermutlich keine Zeit hat diese typisch deutschen Kommentare zu lesen.
Warum wird Kritik immer mit Neid gleichgesetzt?
Ich gönne Heidi Klum ihren Erfolg und finde sie grundsätzlich auch sympatisch. Leider kann man ihrer Dauerpräsenz aber auch dann nicht entgehen, wenn man sie nicht ausdrücklich anschauen will. Natürlich kann man umschalten, wenn sie plötzlich in einer Show oder Werbung auftaucht, oder man kann weggucken, wenn man ein Werbeplakat von ihr sieht. Genauso wie die Nicthraucher, da ja auch aus Kneipen und Gaststätten wegbleiben können, wenn sie keinen Rauch mögen. Ich frage mich nur wieso eigentlich? Ich betrachte das als Einschränkung meiner Freiheit.
Immer diese neidvollen Verrisse von Leuten die Erfolg haben. Sie hat ja schließlich auch hart dafür gearbeitet, dann hat sie es verdammt nochmal auch verdient. Wie mein Vorgänger schrieb: jeder mündige Mensch kann doch selbst auswählen was er guckt und was nicht. Ist ja nicht so, dass uns jemand vor den Fernseher kettet. Und in deutschen Städten gibt es genügend andere Sachen zu bestaunen als die Zeitschriften am Kiosk.
wird gezwungen, die Gala zu lesen, Germany´s Next Topmodel einzuschalten oder Jeans der von Klum beworbenen Marke zu kaufen. Und Lakritz oder Fruchtgummis sind auch nicht jedermanns Geschmack, vor allem, wenn man sich vorstellt, der Inhalt der Tüte sei zuvor zwischen den Zehen gesteckt - auch wenn es Heids Zehen sind.
Heidi Klum nimmt mit was geht, und sie fährt offenbar gut dabei. Dafür hat sie m.E. weder Mitleid noch Bewunderung verdient. Wer sie, ihre Kampagnen und Shows mag, schaut sie sich an, wer nicht, der schaltet um. Wo ist das Problem?
Das ist keine Entschuldigung für die Arroganz und Selbstherrlichkeit, die sie an den Tag legt. Und: Ich bezweifle mal, daß das tragisch ist, daß sie ihren Beruf quasi "überlebt": Sie können davon ausgehen, daß sie in ihrer kurzen Berufszeit bestimmt hundert mal mehr verdient hat, als so mancher normalserblicher. Ihr Argument ist damit leider sinnlos.
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