359 Euro im Monat, plus Miete. "Dieses Geld reicht zum Überleben", findet die Beamtin, "alles was darüber hinausgeht, ist schwierig". Man müsse schon sehr diszipliniert sein und gut planen können, um Rücklagen für einen Wintermantel und die Reparatur der Waschmaschine bilden zu können, sagt Ruth Götzinger. Man muss sich beschränken. Den Fernseher nicht unnötig laufen lassen, das Licht löschen, auf Sonderangebote achten, bei Stiftungen Zuschüsse für Zahnersatz beantragen. Das packt aber nicht jeder.

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Und wenn einem das Geld ausgeht in der Mitte des Monats, was dann? Nichts dann.

Vorschüsse gibt es nur in Notlagen. Aber ist es nicht immer eine Notlage, wenn man nicht weiß, wovon man Brot kaufen und Strom bezahlen soll? Nein, sagt Ruth Götzinger, das würde sich rumsprechen. Dann stünden Menschen-Schlangen vor ihrer Tür. Dann würden alle Vorschuss wollen. Was also ist eine Notlage?

"Einmal habe ich einer Frau 100 Euro Vorschuss ausgezahlt, damit sie sich Fahrkarten für den öffentlichen Nahverkehr kaufen konnte. Weil ihr Baby lebensbedrohlich krank war und die Klinik am anderen Ende der Stadt war. Weil sie ein weiteres, kleines Kind hatte, konnte sie nicht dauerhaft in der Klinik bleiben."

Manchmal muss schon Leib und Leben bedroht sein. Manchmal geht es einfacher.

Bei Ruth Götzinger klingelt gegen elf Uhr das Telefon, gefühlt zum 40. Mal an diesem Tag. Ein Familienvater bittet um finanzielle Hilfe wegen der kaputten Waschmaschine. Ruth Götzinger überlegt nicht lange. Sie bewilligt einen Zuschuss. Das Geld müsste reichen für ein gebrauchtes Gerät. "Der Mann hat fünf Kinder zu Hause", sagt Ruth Götzinger, die Verwaltungswirtin. "Wir sind hier zwar streng, aber keine Unmenschen."

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  1. "Wir sind keine Unmenschen"
  2. Die pure Not
  3. Erwachsene lassen sich nicht gerne erziehen
  4. Hartz IV: "Viele schaffen das nicht"
  5. Sie lesen jetzt "Das reicht zum Überleben"
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(sueddeutsche.de/jja)