Erwachsene lassen sich nicht gerne erziehen. Auch nicht von einer 25-jährigen sympathischen, resoluten Beamtin, die mitfühlt, aber Gesetze zur Anwendung bringen muss. Ruth Götzinger hat sich dennoch nie bedroht gefühlt: "Ich komme mit meinen Kunden ganz gut aus, auch mit denen, die schon wegen Totschlags einsaßen." Sie kenne aber Kollegen, die mit Gegenständen beworfen oder deren Büros zu Kleinholz zerschlagen wurden.

Sozialbürgerhaus; Pfauth

Die Arge in der Schwanthalerstraße: "Ich kann nur die Hand reichen, aber wenn jemand sich nicht helfen lassen will, muss ich das akzeptieren", sagt Ruth Götzinger. (© Foto: Pfauth)

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Einzelfälle, natürlich. Aber immer wieder finden sich labile, gewaltbereite Menschen unter den Kunden. Und man kann Leute, die einem suspekt sind, hier nicht einfach wegschicken.

Nicht alle kommen mit dem Druck zurecht: "Ich habe mehrere Fälle von Burn-out hier im Haus erlebt", sagt Ruth Götzinger. "Man muss sich für diesen Job entscheiden, sonst geht's nicht gut." Und man müsse lernen, Distanz zu wahren.

Das fiel der jungen Beamtin anfangs schwer. Sie erinnert sich an eine Frau, die offensichtlich regelmäßig von ihrem Mann misshandelt wurde. Auf die Verletzungen angesprochen, habe ihr die Frau versichert, regelmäßig die Treppe hinunterzustürzen. "Ich kann nur die Hand reichen, aber wenn jemand sich nicht helfen lassen will, muss ich das akzeptieren", sagt Ruth Götzinger.

Sie ist seit drei Jahren fertig mit dem Verwaltungsstudium. In ihrer Familie waren sie seit drei Generationen Beamte. Der sichere Verdienst, die familienfreundliche Rahmenbedingungen lockten. "Ich hätte mit meinem Abitur auch was anderes machen können", sagt die Frau, die aus dem reichsten Landkreis Deutschlands kommt, aus Starnberg. Aus einer heilen Welt, wie sie selbst sagt.

An die Wand hinter ihrem Schreibtisch hat Ruth Götzinger Kätzchen-Postkarten geklebt. Sie selbst trägt Silberschmuck und einen grauen Blazer, am Schlüsselband in Regenbogenfarben hängt ein Stofftier. Sie macht gerade den Motorradführerschein und antwortet auf die Frage nach Hobbys mit Formulierungen wie "sportliche Betätigung mit meinem Lebenspartner".

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