Das hier, das ist die Schattenwelt des Kapitalismus, die pure Not von Menschen, die keine normale Arbeit finden. Die nicht auf der Maximilianstraße shoppen und in Bogenhausen schlemmen.

Sozialbürgerhaus; Pfauth

Hinter einer dieser Türen arbeitet Ruth Götzinger. Auf dem Flur riecht es nach Linoleum und billigem Rassierwasser. (© Foto: Pfauth)

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Ruth Götzinger arbeitet in einem der Münchner Sozialbürgerhäuser für die Arge ("Arbeitsgemeinschaft"). In den bundesweit mehr als 350 Arbeitsgemeinschaften betreuen kommunale Träger gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit erwerbsfähige Menschen und deren Angehörige, die "Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes" nötig haben. So heißen Hartz-IV-Gelder im Jargon des Bundesministeriums für Arbeit.

Die Frau aus der Schwanthalerstraße gehört zur kleinen Gruppe von Beamten, die sich den schwierigen Job wirklich ausgesucht haben. Auf der Beliebtheitsskala ihrer Kommilitonen an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung im oberfränkischen Hof stand die Arge weit unten.

Man muss nun mal umgehen können mit der Bürde des Wissens um schwere Schicksale. Mit der Enge der eigenen Möglichkeiten, der Zerrissenheit zwischen Hilfsbereitschaft und gesetzlichen Vorgaben. "Ich bin hier eine Verkörperung des Staates, muss aber den Leuten gegenüber menschlich bleiben", erklärt Verwaltungswirtin Götzinger. Sie muss mit dem Seelenschmerz, der finanziellen Not und zuweilen der Aggressivität ihrer Kunden zurechtkommen.

Nicht alle Klienten finden es okay, wenn Ruth Götzinger ihren Job macht. Wenn sie Kürzungen ausspricht und 110 Euro im Monat streicht, weil der Hartz-IV-Empfänger keine Bewerbungen abgeschickt hat. Auf jedem Schreibtisch im Sozialbürgerhaus leuchtet ein Notrufknopf. Ein Spalt zwischen Pult und Fenster soll im Notfall die Flucht ermöglichen.

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