Hanfblatt auf der Uniform Mutiger als die Polizei erlaubt

Bei einer Drogenkontrolle in Hamburg trug eine Kommissarin statt ihres Stern-Abzeichens ein Hanfblatt auf den Schulterklappen. Das sorgt selbst bei der Polizei für Verwirrung.

Neue Mode oder schlechter Scherz? Bei der Polizei sorgt derzeit ein Hanfblatt für Verwirrung. Eine Kommissarin zeigte sich bei einer Drogen-Verkehrskontrolle in Hamburg in einer Uniform, die man vorher noch nicht gesehen hatte: Auf dem Oberarm leuchtet ein grünes Hanfblatt, daneben steht der Schriftzug Drogenerkennung. Auch der Kommissar-Stern ist durch ein Hanfblatt ersetzt.

Ein Polizei-Emblem mit Hanfblatt sorgt für Verwirrung (Im Bild eine Bremer Polizeikommissarin, die das neue Abzeichen am Mittwoch in Hamburg während einer Drogen-Verkehrskontrolle trug).

(Foto: dpa)

Man könnte das für ein mutiges Statement der Polizei halten - gestickte Hanfblätter zum Aufbügeln sind bei manchen Jugendlichen ein gern gesehenes Accessoire. Es eignet sich gut dazu, seine Meinung zum Cannabiskonsum kundzutun. Der Polizei mit ihren ewig braun-grünen Uniformen stünde ein wenig mehr Modebewusstsein gut zu Gesicht. Nur leider rätselt die Polizei derzeit selbst, was es mit dem Marihuanablatt auf sich hat.

Die Kommissarin, die in Hamburg kontrollierte, steht nämlich in Diensten der Bremer Polizei, auf dem Abzeichen ist aber über dem Marihuanablatt das Wappen des Landes Niedersachsen abgebildet. Der Hamburger Polizeipressesprecher Holger Vehren sagte sueddeutsche.de, die Kontrolle habe im Rahmen des "Vierten Erfahrungsaustausches zum Thema Drogen im Straßenverkehr" stattgefunden, an dem 100 Beamte aus dem gesamten Bundesgebiet teilnahmen. Man könne deshalb nicht nachvollziehen, warum die Polizisten aus Bremen sich die Hanfblätter an die Uniform geheftet haben. In Hamburg zumindest plane man deren Einführung nicht.

Beim Landeskriminalamt Niedersachsen wiederum zeigte man sich ebenfalls sehr überrascht über das Uniformteil. Das Innenministerium in Hannover erklärte auf Nachfrage von sueddeutsche.de, dass es sich nicht um ein offizielles Abzeichen handele. Man werde herausfinden, wo die ominösen Marihuana-Abzeichen herkommen und die betroffenen Beamten dann auf ihr Fehlverhalten aufmerksam machen.

Auch Rainer Gausepohl, Sprecher des Bremer Innensenats, war nicht darüber im Bilde, warum "seine Kommissarin" mit Hanfblatt posierte. Vermutlich handele es sich bei den Abzeichen um privat von teilnehmenden Beamten aus Niedersachsen produzierte "Hoheitszeichen, mit denen ein sogenannter Trageversuch" unternommen wurde, um die Wirkung auf die Öffentlichkeit zu testen. In der gemeinsamen Polizeikleiderkammer von Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig Holstein gebe es diese zumindest noch nicht zu kaufen.

Nach Bekleidungsvorschrift der Polizei ist es darüber hinaus gar nicht zulässig, ein solches Abzeichen zu tragen. Dort heißt es: "Sport- und Leistungsabzeichen sowie Ehrenzeichen können (...) an der Dienstkleidung getragen werden. Sonstige Abzeichen und Anstecknadeln dürfen mit Ausnahme eines Stadt- oder Gemeindewappens der Heimatdienststelle an der Dienstkleidung nicht getragen werden."

Der Fachkoordinator für Drogen im Straßenverkehr der Hamburger Polizei wusste offenbar mehr: Er sagte, das Abzeichen sei ein Erkennungszeichen für Beamte, die für die Drogenerkennung im Straßenverkehr besonders geschult seien.

Und offenbar auch besonders mutig.