Erstmals deutet eine Studie darauf, dass intensive, langjährige Handy-Nutzung eine seltene Form von Gehirnkrebs fördern könnte. Die Reaktion: Ein wildes Durcheinander öffentlicher Meinungen und medialer Darstellungen.
Das Verhältnis zwischen Mensch und Technik ist seit jeher von einem gewissen Irrsinn geprägt.
Anzeige
Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein erzeugte die Aussicht auf technische Neuerungen ein grenzenlos euphorisches Bild von der Zukunft.
Noch in den Fünfzigerjahren wurden auch deutsche Hausfrauen mit der Ankündigung atombetriebener Küchen verzückt. 30 Jahre später, nach Seveso, Harrisburg und Tschernobyl, war das öffentliche Ansehen der Technik auf ein Minimum gefallen.
Sogar Gerätschaften ohne medizinisches Bedrohungspotential wurde kurzerhand sozialer Sprengstoff angedichtet. So entstand in den 1970er Jahren zum Beispiel das Märchen vom Jobkiller Computer.
Heute reagiert die moderne Gesellschaft meist tief gespalten auf neue Technologie. Das zeigt sich an Beispielen wie Transrapid, Gentechnik, Kernenergie und Windkraft. Besonders viel Uneinigkeit kam mit dem Mobilfunk auf.
Während ein Teil der weltweit 1,7 Milliarden Handy-Telefonierer derzeit mit kultischer Verehrung nach Cupertino blickt, wo der Multimedia-Konzern Apple am iPhone bastelt, vereinen sich allerorten besorgte und erregte Mobilfunkgegner. Im süddeutschen Oberammergau hat sich der eine oder andere verschreckte Bewohner bereits zum Schlafen in den Wald verzogen.
In diesem Spannungsfeld war eigentlich erwartbar, was passieren würde, wenn, wie in der vergangenen Woche, erstmals eine epidemiologische Studie den Verdacht begründet, dass eine - wohlgemerkt extreme und langjährige - Nutzung des Handys eine seltene Form von Gehirnkrebs fördern könnte.
Statt einer sachlichen Diskussion folgte ein wildes Durcheinander öffentlicher Meinungen und medialer Darstellungen: Wer sowieso längst überzeugt war, dass Mobilfunk nur ein gefährlicher Freilandversuch am lebenden Menschen ist, sieht sein Weltbild endlich bestätigt. Handyfreunde halten die Studien-Ergebnisse schlicht für unmöglich und suchen krampfhaft nach Schwachstellen.
Die Wissenschaftler selbst erschrecken vor dem Echo ihrer Daten und weisen darauf hin, dass ein normaler und sogar häufiger Gebrauch eines Handys kein erhöhtes Risiko darstellt. Nur mit den reinen Fakten will sich die Öffentlichkeit in Sachen Mobilfunk kaum noch ernsthaft beschäftigen.
Diese lauten seit der vergangenen Woche: Erstmals ist im Zusammenhang zwischen Handys und Krebs ein medizinisch wichtiger, statistischer Schwellenwert überschritten worden. Aber Unsicherheiten bleiben, weil die Fallzahlen klein sind, und es schwer ist, von Patienten im Nachhinein genau zu erfahren, wie viel sie in der Vergangenheit telefoniert haben.
Die Wirkung von Mobilfunk auf den biologischen Organismus sollte nun weiter untersucht werden, fordern zu Recht die beteiligten Wissenschaftler.
Handys sind keine Massenvernichtungswaffen
Besorgte sollten jedoch zur Kenntnis nehmen, dass Handys keine Massenvernichtungswaffen sind. Es gibt zwar ein Risiko, doch muss es sehr klein sein. Der zurzeit diskutierten Studie zufolge könnte es sein, dass zwei von 100.000 äußerst viel und jahrelang telefonierenden Menschen deshalb einen seltenen Tumor namens Gliom bekommen. Aber das müssen weitere Studien bestätigen.
Solche Aussagen befriedigen nicht den verständlichen Wunsch vieler Menschen nach klaren Einschätzungen. Doch die Methodik seriöser Wissenschaft ist von großem Wert. Dazu gehört, stets offen dafür zu bleiben, das vermeintlich Gesicherte zu ergänzen, zu korrigieren oder gar komplett umzustürzen.
Der wahre Wert der Wissenschaft liegt weniger in dem gewonnenen Wissen, als in der Art und Weise, wie Erkenntnis erlangt wird. In diesem Prozess ist es ausgeschlossen, die Unschädlichkeit einer Technik endgültig zu beweisen. Das sollte weder Mobilfunkfreunde noch deren Gegner dazu verleiten, aus selbstgemachten Einschätzungen und kollektiven Befürchtungen die eigene Wahrheit zu basteln.
Zwischendurch muss man sich auch den Luxus einer Gesellschaft vergegenwärtigen, in der über kleine statistische Risiken diskutiert werden kann, nachdem viele große Gefahren aus der Geschichte der Menschheit verbannt worden sind, vom Säbelzahntiger bis zu den Pocken.
Wo es Noroviren (unangenehm, aber harmlos) in die Schlagzeilen schaffen, hat es eine biologische Gemeinschaft weit gebracht, gemessen daran, dass der Mensch von Natur aus kein unangreifbarer Android ist.
Auch eine aufgeklärte Menschheit muss mit Gefahren leben. Natürlich ist die Frage berechtigt, ob das Risiko einer neuen Technik eine grundsätzlich andere Kategorie bildet, als biologische Unwägbarkeiten.
Doch lässt sich dieser Diskurs nicht entkoppeln, schließlich lebt die industrialisierte Menschheit gut damit, dass Bedrohungen aus der Natur erst mit neuer Technik beherrschbar wurden. Spannend ist auch das Gedankenspiel, ob sich die Menschheit heute für eine neue Technik entscheiden würde, wenn sie wüsste, dass diese allein in Deutschland jährlich 5000 Menschen tötet.
Diese Technik gibt es längst. Sie nennt sich Auto und müsste mindestens so viele Bürgerinitiativen und Studien auslösen wie Funkmasten in der Nachbarschaft.
Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
(SZ vom 5.2.2007)
Partyzone Flußufer
Betreiber sollten verpflichte werden, Strahlen- Belastungsprofile bezogen auf die Handynummern dem Kunden per Rechung mit zu liefern.
In der Monatsabrechnung eines Betreibers/Providers muss verpflichtend nicht nur die Dauer von Handytelefonaten ausgewiesen, sondern zusätzlich aufgeschlüsselt werden, mit welcher der 14 Power-Level-Stufen (PL-Stufen = Sendeleistungsstufen) wie lange telefoniert wurde.
Die alleinige Erfassung der Gesamtdauer von Handytelefonaten innerhalb eines Monats genügt nicht, um die Belastung eines Teilnehmers zu beschreiben. Denn während eines Telefonats dirigiert die Mobilfunk-Basisstation (BTS) ein Handy mehrmals pro Sekunde auf eine Sendeleistung, die situationsabhängig stets eine gute Verbindungsqualität gewährleistet. So genügen bei geringem Abstand Handy-zu-BTS und Sichtverbindung schon 20 mW Sendeleistung am Handy, unter schlechteren Bedingungen kann die Sendeleistung bis auf 2000 mW anwachsen (GSM 900). Die Sendeleistung wird nicht kontinuierlich verändert, sondern (z. B. bei GSM 900) in 14 Stufen von PL19 (kleinste Leistung) bis PL5 (höchste Leistung). Die BTS kennt immer den PL-Wert, mit dem ein Handy momentan arbeitet, daher kann in der BTS der Verlauf der PL-Werte protokolliert und ausgewertet werden.
Um die anfallende Datenmenge klein zu halten würde es genügen, am Monatsende lediglich auszuweisen, welcher PL-Wert wie lange gültig war, das Protokoll schrumpft so auf nur 14 Werte pro Monat.
Die Kenntnis der verwendeten PL-Werte kann doppelt genutzt werden:
a) Der betroffene Teilnehmer kann damit sein persönliches Belastungsprofil erkennen, und dieses im Falle von Gesundheitsschäden als Nachweis vorbringen. Dies setzt selbstverständlich voraus, dass Betreiber/Provider durch politische Maßnahmen zur Bereitstellung der Belastungsprofile verpflichtet worden sind.
b) Die Forschung könnte anhand der Belastungsprofile deutlich genauere Aussagen machen über mögliche Zusammenhänge zwischen Intensität der Belastung und gesundheitlichen Problemen der Teilnehmer. Datenschutzrechtliche Probleme sollten sich hierbei lösen lassen.
gerade wurde die Süddeutsche wegen ihrer leichtfertigen und wissenschafftlich völlig ungerrechtfertigten Schlussfolgerungen von den Autoren der betreffenden Studie gerügt,
-Erstmals deutet eine Studie darauf, dass intensive, langjährige Handy-Nutzung eine seltene Form von Gehirnkrebs fördern könnte.-
die Zulässigkeit einer solchen Interpretation von selektiven Teilergebnissen der Studie wird duch die betreffenden Forscher ausdrücklich bestritten und verurteilt!!!
...aber schon legt ein Autor der Süddeutschen ungerührt nach und macht diese offensichtlich abwegige Schlussfolgerung zum Aufhänger eines länglichen Kommentars, ausgerchnet zum Thema:
"Ein wildes Durcheinander öffentlicher Meinungen und medialer Darstellungen."
Souverän in's eigne Bein geschossen, würde ich mal sagen.
Weniger der Inhalt des Gerüchts gibt Anlass zu dieser Bemerkung, sonder die Art und Weise und vor allem das Thema!, zu dem es von Herr Illinger hier munter weiter verwurstet wird.
Mobilfunkstrahlen sind aber immer da, d.h. denen kann man sich nicht entziehen.
Und genau das ist meiner Meinung nach die Hauptursache für die überzogene Angst vor Handymasten. Realisitisch betrachtet ist das wohl lächerlich, denn Rauchen, Mitrauchen und die Luftverschmutzung ist vermutlich wesentlich schädlicher als Mobilfunkstrahlung, doch davor meint man sich schützen zu können (Fenster zu, nicht in Kneipen gehen, Nichtraucher sein, ...).
Mir fiel das Auto beim Durchlesen des Artikels auch sofort ein, aber nicht bezüglich der Unfallopfer, sondern der Emissionen und des dadurch entstehenden Krebsrisikos.
Die Leute haben Angst vor den Strahlen der Handys, stellen sich aber dann hinter ihren laufenden Passat TDI und atmen den Duft der weiten Welt. Das finde ich interessant.
In einem ebenfalls heute erschienenen Artikel wird der Diesel-PKW als zukunftsweisend dargestellt. Mal schauen, was wir in dreißig Jahren dazu sagen, wenn die TDI-CDI-Hochtechnologie-Partikel ihre Wirkung in unseren Stadtlungen zeigen.
Ich habe keine Angst vor den Handys und deren Masten, wenn sie nicht gerade vis-à-vis stehen, aber vor der Stadtluft, die seit 10 Jahren stetig schlechter wird. Die Ursache dafür habe ich gerade genannt.
Passivrauchen ist schädlich!
Und an Herrn Klingshor: Ich habe eben keine Wahl auf meinem Fahrradweg zur Arbeit! Ich muss mich dem Risiko aussetzen oder eine Atemschutzmaske anziehen. Das Risiko (der Rauch) ist oft sichtbar, aber nicht kalkulierbar.
hinkt ueberhaupt nicht. schliesslich kann ich ueberfahren werden, sobald ich aus der haustuer trete. sehe nicht, welche wahl ich dabei habe.
Paging