Die Restauranttester des Michelin-Führers verteilen großzügig neue Sterne an Deutschlands Spitzenköche, in zwei Jahren hat sich die Zahl der Zwei-Sterne-Restaurants fast verdoppelt. Schuld an diesem "Quantensprung" ist ein Mann aus dem Schwarzwald - und der wachsende wirtschaftliche Druck.
Zwei Jahre lang hat Thomas Bühner auf diesen Anruf gewartet. Jedes Mal, wenn das Küchentelefon klingelte, ein kurzes Nervenflattern, das leiser Enttäuschung wich, wenn es wieder nur ein Lieferant und nicht Michelin-Chef Ralf Flinkenflügel war. Seit ihn der Gourmetführer ganz offiziell als Hoffnungsträger auf die höchste Auszeichnung handelte, war der Druck für Bühner enorm.
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Klicken Sie in die Graphik, um die ganze Karte zu sehen. (© SZ-Graphik: Hannah Eiden)
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Nicht nur Gäste sprachen ihn immer wieder auf das Thema an, es machten auch kuriose Gerüchte die Runde. So wurde unter Köchen gemunkelt, RWE-Chef Jürgen Großmann, Besitzer des La Vie in Osnabrück, habe ihm eine Million Euro Erfolgsprämie in Aussicht gestellt. Bühner bezeichnet das als "Unsinn", doch es zeigt, mit welchem Mythos der dritte Stern nach wie vor behaftet ist und wie sehr er die Phantasien beflügelt.
Inzwischen hat Bühner den ersehnten Anruf bekommen, nun ist es offiziell: Er ist Deutschlands neuer Drei-Sterne-Koch. Der 49-Jährige ist nicht nur ein hochkreativer Kopf, sondern auch ein ausgebuffter Küchentechniker. In dem perfekt restaurierten Kaufmannspalais im Herzen der Altstadt von Osnabrück verblüfft er Gäste mit komplexen geschmacklichen Harmonien wie einem bei Niedrigtemperatur gegarten Loup de Mer mit Pulpo, Yuzu-Creme und einem Jus aus Eisenkrauttee, als Beilage gewinnt er einem simplen Gemüse wie dem Kohlrabi in marinierter, gegrillter und cremiger Form so etwas wie aromatisches Breitbandkino ab.
Trotz Bühners Ehrung stagniert die Anzahl deutscher Drei-Sterne-Köche bei neun. Denn auch Nils Henkel vom Schlosshotel Lerbach in Bergisch-Gladbach bekam dieser Tage einen Anruf des deutschen Michelin-Chefs, allerdings keinen erfreulichen. Er verliert den dritten Stern. Die Gründe für diese Entscheidung, die erst nach etlichen Testbesuchen fiel, will Ralf Flinkenflügel unter vier Augen mit Henkel besprechen.
Juan Amador, der ebenfalls um seinen dritten Stern bangen musste, weil er sein Restaurant in Langen bei Frankfurt schloss und in sein Zweitrestaurant Amesa nach Mannheim umsiedelte, kann aufatmen: Er behält ihn auch am neuen Ort. Es ist, als wolle der Guide Michelin diesmal all jene Lügen strafen, die ihm in den vergangenen Jahren Zögerlichkeit bei den Bewertungen und eine konservative Linie vorwarfen. Denn Deutschland kann sich nicht nur über einen neuen Drei-Sterne-Koch freuen, sondern über mehr als zehn neue Zwei-Sterne-Köche - so etwas hat es noch nie gegeben.
Berlin auch kulinarische Hauptstadt
Für Ralf Flinkenflügel ist es Indiz für die beeindruckende Entwicklung der kulinarischen Szene in Deutschland: "Die gastronomische Spitze ist breiter geworden. Ein kleiner Quantensprung. Vor zwei Jahren zählten wir in Deutschland 18 Zwei-Sterne-Restaurants, heute sind es 32."
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greyhound13 schreibt: "Und außerdem geht es in so einem Restaurant nicht ausschließlich um das Essen, sondern um das ganze drum herum"
Also das läuft so: 1/3 der Punkte gibt´s für´s Ambiente, ein weiteres Drittel gibt´s für den Service und das villeicht etwas größere letzte Drittel gibt´s für die Küche.
So aussagegemäß ein Zwei-Sterne-Restaurantbesitzer, der den zweiten Stern erst bekommen hat, nachdem er für ca. 500.000.- DM seinen Laden aufmotzen mußte und den dritten Stern deshalb nicht bekommen hat, weil er zu "italienisch" mit seiner Küche und seinem Weinkeller ausgerichtet war. (Michelin tut etwas für das Land).
Sein Zwei-Sterne-Koch hat den dritten Stern später für sein eigenes Resaturant bekommen. Er versteht sich mittlerweile als Akteur der französischen Kochkunst und der Weinkeller ist voller Grands und premiers crues, italienischen Weine (Sassiscaia, Tignalnello u.ä.) werden so gut wie nicht geführt.
Um dahinter zu kommen, wer die Beteiligten sind: das Lokal hat gerade seinen dritten Stern verloren.
geht es in so einem Restaurant nicht ausschließlich um das Essen, sondern um das ganze drum herum. Nicht umsonst sitzt man in so einem Lokal bis zu 3 Std. bis man mit seinem Menü fertig ist.
was in dem Essen ist.
Mit Restaurantessen wird Gesundheit oft schwer geschädigt (Fettleibigkeit, Diabetes, Cholesterin, Depressionen nach Erhalt der Rechnung).
Ihrem Beitrag entnehme ich, dass Sie noch nie in einem Sternelokal gegessen haben...?
In aller Regel (die berühmten Ausnahmen einmal außen vor) ist es tatsächlich ein deutlich wahrnehmbarer Unterschied, ob man sehr gut oder eben ausgezeichnet speist.
Da liegt der Teufel teilweise im Detail, sei es, dass man eine Zusammenstellung der Speise so noch nie gesehen hat oder sei es, dass man Altbekanntes in dieser Geschmacksfülle noch nie gegessen hat.
DAS finden sie garantiert NICHT im gutbürgerlichen Gasthaus um die Ecke (oder zwei).
In ein Sterne-Restaurant geht man bekanntlich nicht, um seinen Hunger zu stillen, sondern um Kochkunst zu erleben. Dass die Zubereitung eines Mahls und seine Präsentation Kunst sein kann, ist vielen nicht bewusst. Aber genauso wie man Bayern3 hören kann oder lieber in die Oper geht, kann man im Gasthaus um die Ecke essen oder im Sternerestaurant genießen.
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