Guide Michelin 2011 Neue Sterne am Gastro-Himmel

Der Guide Michelin fördert Nachwuchstalente und verleiht fünf jungen Köchen einen zweiten Stern. Bei den etablierten Küchenchefs zeigen sich die Tester hingegen geizig - in der Topliga bleibt alles beim Alten.

Von Patricia Bröhm

Der November ist eine unruhige Zeit in der deutschen Spitzengastronomie. Während neugierige Gäste versuchen, zwischen Amuse-Bouches und Vorspeise den Oberkellner in eine Fachsimpelei über die Michelin-Chancen ortsansässiger Restaurants zu verwickeln, werden auch in den Küchen Gerüchte gestreut. Er wisse aus "todsicherer Quelle", so raunt der Souschef dem Küchenchef zu, dass der namhafte Kollege den dritten Stern verlieren werde.

Der Restaurantführer Michelin hat seine Wertungen für die Ausgabe 2011 veröffentlicht. Kevin Fehling vom Restaurant "La Belle Epoque" ist einer der fünf neuen Zwei-Sterne-Köche in Deutschland.

(Foto: dpa)

Selbst einem so erfahrenen Mann wie Thomas Bühner vom Restaurant "La Vie" in Osnabrück dürfte es zuletzt schwer gefallen sein, sich auf seine Essenz von der Wildtaube oder sein Reh mit "Pilzerde" zu konzentrieren - wurde er doch ganz offiziell vom Michelin als "Hoffnungsträger" auf einen dritten Stern gehandelt.

Nun aber liegen die Ergebnisse vor, und es zeigt sich wieder: Der Michelin tut viel für sein Image, möglichst nicht kalkulierbar zu sein. Im Drei-Sterne-Lager bleibt alles beim Alten. Alle Spekulationen haben sich damit als das erwiesen, was molekulare Köche gern auf ihren Tellern servieren: heiße Luft. Dafür aber rücken Kollegen ins Blickfeld, die man bei allem Wirbel um die drei Sterne leicht übersieht: Die Talente in der zweiten Reihe. Fünf neue deutsche Zwei-Sterne-Köche küren die Michelin-Tester, und das ist zumindest eine kleine Sensation.

Drei Frischgekürte sind an Deutschlands mit Sternen bisher nicht so reich gesegneten Küsten zu Hause: Kevin Fehling vom Belle Epoque in Lübeck-Travemünde, Alessandro Pape vom Fährhaus in Munkmarsch auf Sylt und Markus Kebschull vom Sterneck in Cuxhaven. Dazu kommen weiter südlich Christoph Rainer von der Villa Rothschild (Königstein/Taunus) und Andreas Krolik vom Park-Restaurant in Brenner's Parkhotel (Baden-Baden). Damit wird eine neue Generation bekannt - wenn auch ein roter Faden für die Entscheidung der Michelin-Inspektoren beim unterschiedlichen Stil dieser Küchenchefs nicht auszumachen ist.

Krolik und Kebschull pflegen eine klassische Küche, während Fehling, Rainer und Pape mehr Wert auf eine völlig eigene Handschrift legen. Der erst 33-jährige Fehling, talentiert wie ehrgeizig, hat sein Handwerk bei Deutschlands bestem Küchenchef Harald Wohlfahrt perfektioniert und sich im Norden rasch einen Namen als Kreativer gemacht. Mit Gerichten wie einer an der Karkasse gegarten Nantaiser Entenbrust, die er mit Kirschgateau und Mon-Chéri-Jus serviert, setzt er sich nonchalant über Gourmet-Konventionen hinweg.