Von Martin Wiehl

Die Anschläge vom 11. September 2001 fordern noch heute weitere Opfer. Das geht aus einer aktuellen Studie New Yorker Kliniken hervor.

Es wird geschätzt, dass rund 40.000 Menschen an den Aufräumarbeiten des World Trade Centers (WTC) beteiligt gewesen sind. Alle waren dem schädlichen Staub und den Giftstoffen in der Luft ausgesetzt. Unter diesen Helfern: Feuerwehrmänner, Polizisten, Bauarbeiter, Leichenbeschauer und gemeinnützige Bedienstete. Sechs Monate nach den Anschlägen wurde bei 332 der 10.116 Feuerwehrleuten ein sogenannter World Trade Center Husten festgestellt.

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Helfer am Ground Zero nach dem 11. September 2001. (© Foto: dpa)

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Eingehender untersucht wurden fast 1000 Arbeiter. Zwei Drittel von ihnen berichteten über Atemwegsbeschwerden, die während oder nach der Tätigkeit am Trümmerhaufen in Erscheinung traten. Meist handelte es sich um einen hartnäckigen Husten oder gar um fortwährende Atemnot. Wie erwartet, sind jene am stärksten betroffen, die als Erste am Unglücksort eintrafen. Bei mehr als der Hälfte dauerten die Beschwerden zweieinhalb Jahre an.

Die Tatsache, dass die Symptome so lange anhielten und weiterhin nicht verschwinden, gibt Anlass zur Besorgnis, sagte Dr. PHILIP J. LANDRIGAN, einer der Verfasser der Studie. Der Arzt für Präventivmedizin und Pädiatrie am Mount-Sinai-Krankenhaus betonte: Wir sprechen hier von ursprünglich gesunden Männern. Auch bei jedem vierten Nichtraucher musste schließlich eine deutlich eingeschränkte Lungenfunktion festgestellt werden.

Die Giftstoffe auf der Baustelle hatten aber auch andere Beschwerden ausgelöst. Dazu zählten zum Beispiel chronische Nebenhöhlenentzündungen, Magen-Darm-Beschwerden und Kopfschmerzen. Der Staub bestand hauptsächlich aus pulverisiertem Zement mit stark ätzender Wirkung auf Haut und Schleimhäute. Der gewaltige Aufprall der Flugzeuge mit ihren 90.000 Litern Treibstoff auf die Bauten der Siebzigerjahre ließ zudem neue komplexe Verbindungen entstehen. Unmengen an Silikaten, Sulfaten und Metallen wirbelten durch die Luft, außerdem mikroskopisch feine Glasscherben, hochtoxische Dioxine, Blei, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und pulverisierte Asbestfasern aus den Feuerschutzmaterialien des Nordturms. Winzige Partikel konnten sich tief im Lungengewebe einnisten.

Dr. Landrigan und seine Kollegen befürchten nun, das bei den Helfern von Ground Zero gehäuft chronische Lungenerkrankungen und Krebs auftreten werden. Diese Gefahr besteht anscheinend auch für Einwohner von New York, die zur Zeit des Anschlages in der Nähe des WTC lebten.

In einer Studie der Bellevue-Klinik an 2.812 Einwohnern nahe am Ground Zero fanden sich bei mehr als der Hälfte neue Atemwegsbeschwerden wie Husten oder Atemnot. In einer Kontrollgruppe traten diese Krankheitszeichen nur bei jedem Fünften neu auf. Auch Symptome wie Irritation der Augen und Nasenschleimhäute, Nasenbluten und Kopfschmerzen waren bei fast der Hälfte der Anwohner vorhanden. Das war dreimal so häufig wie in der Kontrollgruppe.

Das Programm an der Bellevue-Klinik soll bald ausgebaut werden, um die vielen Bewohner mit einzuschließen, die im weiteren Umfeld von New York wohnen. Denn die Rauchwolke des Feuers, das drei Monate lang auf einer Fläche von 65.000 Quadratmeter weiterglühte, ließ laut Augenzeugen auch Wochen und Monate später noch Asche durch die Luft in weite Teile des Großraums der Stadt herniederwehen.

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(Quelle: www.medical-tribune.de)