Der Schnickschnack hat sich folgerichtig zuerst verabschiedet. Mancher Fondsmanager etwa, der sich stilsicher und selbstironisch wähnte, wenn ihm nicht minder gierige Event-Caterer ägyptische Heuschrecken an Geleerasen servierten, bestellt seit Herbst beim Pizza-Service. Und das Berliner Shiro i Shiro ("Goodbye und Sayonara. Was bleibt ist die Erinnerung."), durfte sich bei seiner Alles-muss-raus-Versteigerung Ende Mai ein letztes Mal vergewissern, wie sehr die Gäste vor allem seine Designermöbel schätzten.

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Abschied von Hummer und Kaviar

Sternekoch Christian Henze, der die Schließung seines Landhauses seit drei Jahren geplant haben will, glaubt, dass sich auch unter den Gästen der Edelgastronomie gerade ein Bewusstseinswandel vollzieht. Die sinkenden Besucherzahlen seien "ein Albtraum für die Sterneküche". Doch habe das Publikum heute "andere Bedürfnisse". Steife Kellner und Luxuslebensmittel wie Hummer, Kaviar und Stopfleber hält er für nicht mehr zeitgemäß, die Kosten für zu hoch. "Welcher Gast ist heute noch bereit, 43 Euro für einen Hauptgang auszugeben?", fragt Henze. Er will den Luxussektor mehr für junge Leute öffnen. Statt zu jammern solle man künftig mit günstigeren Zutaten auf Sterneniveau kochen, findet Henze, der Umfragen zufolge Deutschlands beliebtester Koch ist, aber mit einem Michelin-Stern nicht zur absoluten Topliga zählt.

Die Zukunft werde auch "ein Stück ehrlicher", sagt Nils Goltermann. Noch stärker werde der Erfolg eines Lokals von Namen, Bekanntheit und Standort abhängen. Ein Edelrestaurant auf dem Land oder in einem weniger besuchten Ferienort zu führen müsse man sich künftig sehr ernsthaft überlegen. Auch werde sich vielleicht mancher Koch den Aufwand für die Gastrokritiker sparen und lieber riskieren, auf seinen Stern zu verzichten. Dafür werde die Bindung zum Gast noch wichtiger als zuvor, erklärt Goltermann.

So werden einige Sterneköche überdenken müssen, ob sie Gäste, die zu laut mit dem Besteck kratzen, weiter hinauskomplimentieren. Derzeit sei es mancherorts üblich, erzählt der Ex-Koch eines Toplokals im Saarland, an allzu gewöhnliches Publikum Karten zu verteilen: "Bitte beehren Sie uns nie wieder", steht dort sinngemäß drauf. Für solche Notizen kann man sich wohl künftig das Papier sparen.

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(SZ vom 26.06.2009/apet)