Glücksrad wird versteigert Rad ab

In den neunziger Jahren war das Glücksrad die vielleicht bekannteste deutsche Fernsehrequisite. Nun kommt der Kreisel im Internet unter den Hammer. Was von der gleichnamigen Quizsendung bleibt? Erinnerungen an die Buchstabenfee - und den Softporno-Skandal eines Moderators.

Es ist lächerlich, wie der Mensch am Trödel hängt. An Gegenständen, die einen an dies oder jenes erinnern. Das alte Porzellan, die Plattensammlung - man sollte das alles endlich auf den Müll werfen. Schon weil es so mieft, wie eben nur das Alter mieft.

Im Internet kann ab sofort das miefige "Glücksrad" aus der Fernsehdauerwerbesendung mit Frederic Meisner, Peter Bond und Maren Gilzer erworben werden.

Hoffen auf den richtigen Konsonanten

Das Glücksrad stand seit 1988 viele Jahre lang im Mittelpunkt der deutschen Ausgabe des internationalen Formats Wheel of Fortune. Mit mehr als 4000 Folgen handelte es sich um die am häufigsten ausgestrahlte Spielshow des deutschen Fernsehens.

Das Konzept: Ein Kandidat dreht am Rad, das Rad bleibt stehen, ein Zeiger weist auf ein Feld mit einem bestimmten Betrag. Der Kandidat nennt einen Konsonanten, auf dessen möglichst häufiges Vorkommen im Lösungssatz er hofft. Die Buchstabenfee Maren deckt die Stellen auf, an denen der Konsonant tatsächlich zu finden ist oder bedauert sein Nicht-Vorhandensein durch Kopfschütteln.

Je häufiger der Konsonant erscheint, desto mehr Geld gibt es für den Kandidaten. Danach darf der Kandidat noch einmal drehen, läuft aber Gefahr auf dem Feld "Bankrott" zu landen. Oder er erwirbt einen Vokal ("Ich kaufe ein O"), um dem Lösungssatz auf diese Weise zu komplettieren.

In der Sendung gab es seinerzeit auch Fernseher, Spülmaschinen und Staubsauger zu gewinnen, deren Vorzüge ein Sprecher so leidenschaftlich anpries, dass jeder, der sie nicht gewonnen hatte, sie sich sofort in einem Elektromarkt besorgte. Verfügte er nicht über entsprechendes Kleingeld, verschuldete er sich.

Wurde nicht gerade in der Sendung geworben, so wurde die Sendung übrigens für Werbung unterbrochen.

Abbitte bei Schreinemakers

So war Glücksrad, eine typische Fernsehshow der Neunziger. Heute findet man das alles dermaßen dämlich, dass es fast schade um jede Zeitungszeile ist, die man darüber verliert und wahrscheinlich hätte man auch schon längst die Sendung vergessen, wäre da nicht der Moderator Bond gewesen, dem irgendwann in den Neunzigern seine Vergangenheit als Softporno-Darsteller um die Ohren flog, weshalb er in der miefigen Talkshow von Margarethe Schreinemakers Abbitte leistete.

Am Ende rutschte ihm dort die Formulierung raus, er möchte allen danken, die ihm die Stange gehalten hätten, was beim Studiopublikum für große Erheiterung sorgte.

Erst wurde das Glücksrad auf Sat 1 gedreht, dann auf Kabel Eins, dann auf 9live. Jetzt blockiert das Monster offenbar den Keller des Münchner Medienunternehmers Paul Awe, weshalb er es auf Ebay verkauft. In einer weiteren Auktion könne man auch die dazugehörige Buchstabenwand erwerben, betont Awe.

Ach, lasst die Vergangenheit doch auf sich beruhen.

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