Gleichgeschlechtliche Trauungen Vor Gott sind nur manche gleich

Nicht nur in Dänemark und Schweden, auch in manchen deutschen Landeskirchen können homosexuelle Paare kirchlich heiraten. Als offizielle Amtshandlung akzeptiert die Kirche gleichgeschlechtiche Trauungen aber nach wie vor nicht.

Von Violetta Simon

In Dänemark können sich homosexuelle Paare vom kommenden Sommer an auch kirchlich trauen lassen. Wie Kirchen- und Gleichstellungsminister Manu Sareen in Kopenhagen mitteilte, hat die neue Mitte-links-Regierung die gesetzliche Gleichstellung aller Mitglieder der protestantischen Staatskirche bei Eheschließungen beschlossen. Sareen forderte die dänischen Bischöfe auf, sich ein Trauungsritual für gleichgeschlechtliche Paare auszudenken.

In Schweden hatte die vom Staat getrennte protestantische Kirche bereits 2009 ja zur Trauung homosexueller Paare gesagt. Auch in verschiedenen deutschen Landeskirchen ist es mittlerweile - zumindest theoretisch - möglich, sich innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gleichgeschlechtlich trauen zu lassen. "Eine einheitliche Regelung gibt es aber nicht", sagt Stephan Krebs, Sprecher der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN).

Nachdem am 1. August 2001 das Lebenspartnerschaftsgesetz in Kraft trat, machte die Rheinische Kirche 2002 den Anfang. Es folgte die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau. Mittlerweile haben Homo-Paare auch in Bayern, Berlin-Brandenburg, Braunschweig, Schleswig-Holstein, der Nordelbischen Landeskirche (Hamburg, Lübeck), Oldenburg, der Pfalz, im Rheinland und in Westfalen die Möglichkeit, sich im Rahmen einer Andacht oder eines Gottesdienstes den kirchlichen Segen zu holen. Jüngste Nachfolgerin ist die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck, die soeben auf ihrer Synode beschloss, dass gleichgeschlechtliche Paare, die in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft leben und von denen mindestens eine Person evangelisch sein muss, in einem Gottesdienst öffentlich gesegnet werden können.

Bis dahin konnten die Paare nur eine Segnung im Raum seelsorgerlicher Intimität erhalten, wie es noch immer von den Landeskirchen in Baden, Hannover, Pommern und Sachsen angeboten wird. Im Rest der Republik ist die kirchliche Trauung homosexueller Paare gar kein Thema.

Welche Kirchen in welchen Regionen gleichgeschlechtliche Paare trauen, ist selbst für die Repräsentanten der Landeskirchen nicht leicht zu durchschauen. Sicher ist: Von einer flächendeckenden Regelung ist Deutschland noch weit entfernt. Und selbst wenn eine Landeskirche die Zeremonie anbietet, müssen heiratswillige Paare noch einige Hindernisse überwinden: "Zunächst muss der Kirchenvorstand die Angelegenheit absegnen", erklärt Kirchensprecher Krebs. Dann müssen sie einen Pfarrer finden, der sich bereiterklärt, die Trauung durchzuführen. "Die Umsetzung liegt in der Verantwortung des Einzelnen, dazu kann niemand gezwungen werden", sagt der Pfarrer. Mit anderen Worten: Geistliche, die die Segnung nicht vollziehen wollen, können die Aufgabe an einen Kollegen delegieren.

Immerhin, der Rat der Landeskirche wird nun ein geeignetes Ritual für den Gottesdienst entwickeln. Wem es nur um die Zeremonie geht, wird damit zufrieden sein - doch wirklich gleichgestellt sind Homo-Paare innerhalb der Kirche damit noch immer nicht: "Jede Trauung ist nichts anderes als ein Gottesdienst anlässlich einer Eheschließung", sagt Pfarrer Krebs. Darüber hinaus sei sie - ebenso wie die Taufe oder die Kommunion - eine Amtshandlung, die mit einem Eintrag ins Kirchenbuch bestätigt werde. "Die Trauung schwuler oder lesbischer Paare indes erfährt einen solchen Eintrag nicht, da sie nicht als Amtshandlung gilt, sondern als Handlung in seelsorgerischer Verantwortung", erklärt Krebs.

Segen - ja, aber keine Trauung

Bei aller Toleranz - als gleichberechtigte Zeremonie im Namen der Kirche wird die Trauung also noch immer nicht akzeptiert. Andernfalls hätte man die neue Regelung wohl kaum durchbekommen: Die Einschränkung habe man 2002 bei der Einführung des Beschlusses in dieser Pioniersituation gefasst, um konservative Skeptiker zu beschwichtigen, erläutert Krebs. "Man muss Brücken bauen".

Generell sieht der Pfarrer bei immer mehr Kirchen eine steigende Akzeptanz, eigene Regelungen für das Thema zu finden. Wirklich groß sei der Andrang homosexueller Paare aber nicht: Von den insgesamt 1,7 Millionen Mitgliedern der 1200 Gemeinden in Südhessen und Rheinland-Pfalz würden sich etwa 20 Paare pro Jahr kirchlich trauen lassen. Gerade weil konservative Institutionen wie einige protestantische Kirchen oder die katholische Kirche eine Gleichstellung aller Kirchenmitglieder nach wie vor ablehnen, hält der evangelische Kirchensprecher die Entwicklung in den skandinavischen Ländern für immens wichtig. Ob der Einfluss aber genügt, um etwa die katholische Kirche zu einer Veränderung zu bewegen? "Nein, das glaube ich nicht", sagt Krebs.