Gleichberechtigung Was Liebe lösen kann - und was nicht

Paar beim gemeinsamen Wäscheaufhängen: Wie soll man erfassen, wie gerecht es in einer Beziehung zugeht?

(Foto: imago/Westend61)

Die meisten Paare wollen gleichberechtigt leben, kriegen sich aber dauernd in die Haare. Lohnt sich der Stress? Und gibt es Wege, beides zu haben: Beziehung und Zeit für sich?

Von Meredith Haaf

Scharmützel am Fuß des Wäschebergs, Angriffsmanöver: "Wieso hat sie denn schon wieder keine frischen Unterhosen?" Ausweichbewegung: "Achso, ich dachte es gäbe noch welche." Eröffnung des Gefechts: "Vielleicht dachtest du das, weil es einfacher ist, als dich einfach zur Abwechslung mal selbst um die Wäsche zu kümmern!" Gegenfeuer: "Soll ich dir mal eine Liste machen, wie oft ich die Wäsche in letzter Zeit gemacht habe?"

Laut Tolstoi sind alle glücklichen Familien gleich und alle unglücklichen verschieden, aber ich behaupte: Alle, oder fast alle, haben Listen. Manche im Kopf, manche im Kalender, manche bringen für ihre Listen sogar extra Magnetwände in der Wohnung an. Es ist unvermeidbar: Menschen die sich nicht nur Liebe, sondern auch Verantwortung, Wohnfläche und Sorgerechte teilen, entwickeln mit der Zeit die Tendenz, zu zählen. Wie soll man denn sonst erfassen, wie gerecht es in einer Beziehung zugeht?

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Was Liebe mit Gerechtigkeit zu tun hat, oder mit Freiheit, ist ein Thema, das in der Philosophie ziemlich unterbelichtet ist. Zu kompliziert vielleicht - schließlich gibt es ja allein zur Gerechtigkeitsfrage zahlreiche unvereinbare Theorien. Trotzdem leben wir in einer Gesellschaft, die davon ausgeht, dass die Lösung für eines der hartnäckigsten Ungerechtigkeitsverhältnisse - das zwischen den Geschlechtern - in der Liebe zu finden ist.

In der Politik wird über Mindestsicherung, Spitzensteuersätze und ab und zu über Frauenquoten diskutiert, aber nirgends in Deutschland wird so hart über Umverteilung gestritten wie in Familien. Arbeitgeber, Politiker und auch die Mehrheit der Bürger sind davon überzeugt, dass Frauen und Männer grundsätzlich alles können und für sich Verantwortung übernehmen sollten. Rein gesetzlich wäre die Gleichberechtigung, zumindest wenn es um Arbeit und Familie geht, vollkommen möglich. Aber wie das ganze im Detail funktionieren soll - diese Frage sollen Frauen und Männer dann doch bitte miteinander klären.

Und so ist das eigentlich Politische mittlerweile hochgradig privatisiert. Paare mit Kindern entwickeln in der eigenen Sache Lobbyistenfähigkeiten, mit denen man vermutlich einen Beschluss im UN-Sicherheitsrat erreichen könnte - zumindest wenn es im UN-Sicherheitsrat um freie Abende und Ausschlafstunden am Wochenende ginge. Weil es wenige Vorbilder gibt bei dieser Suche nach dem guten und richtigen Weg, fallen die Ergebnisse der Verhandlungen auch ziemlich unterschiedlich aus. Jedenfalls stellte ich das neulich samstagnachts fest, als ich meinem Nachbarn im Treppenhaus begegnete. "Die Jungs sind noch weiter, aber ich mach jetzt Schluss, morgen früh steht die Kleine ja auch nicht später auf", nuschelte er. "Aber wer trinkt, darf doch ausschlafen!", nuschelte ich zurück. Ob man ihn denn ernsthaft zwinge, morgen mit den Kindern aufzustehen? Klar, antwortete er, wäre doch Lisa gegenüber sonst total unfair, und erklomm heldenhaft den zweiten Stock.

Gleichberechtigung gibt es nicht umsonst, das ist klar. Aber wie gerecht ist eine Gesellschaft, in der die Kosten vor allem in den Partnerschaften verteilt werden? Über die Frage was Liebe lösen kann - und was nicht.

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Wenn Liebe nicht die Lösung ist

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