Die Autorin beschreibt in ihrem Buch den Nährboden für kriminelle Karrieren in sehr klaren Worten und nicht immer politisch korrekt. Sie eckte schon in den vergangenen Jahren oft mit ihren Ansichten an. In der Kantine, so schreibt die Zeit, saß die Richterin nicht selten allein, seit sie sich vorgewagt hatte, aufmüpfig wurde, unbequeme Vorschläge machte.
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Heisig diagnostizierte eine "schleichende Brutalisierung in den Köpfen vieler Kinder und Jugendlicher", die allein mit den Mitteln der Strafjustiz nicht zu bewältigen sei. (© getty)
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Die Medien nannten sie "Richterin Gnadenlos" und "Schrecken von Neukölln", und wenn sie in ihrem Buch darüber schreibt, dann meint man, spüren zu können, wie sehr sie sich verletzt und missverstanden fühlte. Sie war nicht gnadenlos den Tätern gegenüber. Sie war gnadenlos den gesellschaftlichen Gegebenheiten gegenüber, die zulassen, dass Jugendliche ungebremst in ihr Unglück rennen und andere mitreißen.
Schwerkriminelle Jugendliche haben in Neukölln zu etwa 90 Prozent einen Migrationshintergrund, 45 Prozent sind "arabischer" Herkunft, 34 Prozent haben türkische Wurzeln und sind damit, gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil, weit überrepräsentiert. Heisig bietet dafür folgende Erklärung, die sie aus Gesprächen, Nachforschungen und eigenen Beobachtungen speist: Die meisten der Familien, in denen Intensivtäter heranwachsen, sind groß, sie leben von Transferleistungen und Kindergeld. Die Mütter haben nie Deutsch gelernt, sie setzen ihren Söhnen keinerlei Grenzen und überlassen sie früh sich selbst.
Hinzu komme, schreibt Heisig, dass den Jungen die Identifikationsfigur des arbeitenden Vater abhandengekommen ist. Schon früh fangen diese Kinder an, die Schule zu schwänzen, leben ohne jede Struktur. Oft werden sie kriminell, lange bevor sie strafmündig sind. Mit 14 Jahren haben sie schon Diebstähle, Raubüberfälle und Körperverletzungen auf dem Kerbholz. Heise schreibt von Jungen im Teenageralter, die Vergewaltigungen von "unbeschreiblicher Rohheit" begehen.
Wütend machte sie daran auch die "unübersehbare Tatsache, dass durch elterliches Versagen und unter den Augen der geduldig abwartenden staatlichen Institutionen schwer kriminelle Jugendliche heranwachsen können". Sie habe im Laufe der Jahre den Eindruck gewonnen, dass bei Migrantenfamilien seltener und zurückhaltender in das elterliche Sorgerecht eingegriffen werde als bei den Deutschen.
Die Distanz zwischen Staat und einigen Migrantengruppen äußert sich aber auch andersherum: So würden innerhalb der Communitys Straftaten oft nicht angezeigt. "Mich beschleicht ein ungutes Gefühl", so Heisig, angesichts der wachsenden Neigung, diese Dinge "untereinander zu regeln". Das Recht werde aus der Hand gegeben und auf die Straße verlagert.
Die verstorbene Richterin weist auf weitverzweigte Großfamilien hin, die aus den Grenzgebieten der Türkei und Syriens stammen. Diese zehn bis zwölf Clans, die einige tausend Menschen umfassen, lebten mitten in Deutschland ausschließlich nach ihren Gesetzen und würden sowohl im Innen- als auch im Außenverhältnis kriminell agieren: Drogendelikte, Raub, Körperverletzung, Sexualdelikte, Mord. Die männlichen Familienmitglieder zeigten eine massive Gewaltbereitschaft, die auch innerfamiliär ausgelebt werde.
Dass der Staat die Kinder, die aus diesem System nicht ausbrechen können, nicht schütze, erklärt Heisig mit "sozialromantischer Verblendung gepaart mit blanker Angst". Hinter vorgehaltener Hand würde es heißen: "Man kann kein Kind zwangsweise aus einem arabischen Clan nehmen. Die Familien erschießen jeden, der das versuchen sollte." "Angst" aber, schreibt Heisig, "ist ein schlechter Ratgeber. Sie lähmt das System und den Einzelnen."
Unter anderem würden die Clans, so Heisig, neben ihren eigenen Kindern jugendliche Palästinenser als Drogenkuriere einsetzen. Diese würden aus Flüchtlingslagern im Libanon eingeschleust. Weil die Heime für unbegleitete Flüchtlinge in Deutschland offene Einrichtungen seien, würden die Teenager nach kurzer Zeit abtauchen - und dann als Drogenkuriere missbraucht.
Deshalb fordert die Autorin stärkere Kontrollen von allein reisenden Kindern und geschlossene Heime für Jugendliche, um sie den Fängen dieser Banden zu entreißen. In Berlin haben diese Passagen aus Heisigs Buch bereits eine hitzige Debatte über den Umgang mit minderjährigen Dealern entfacht.
Es wäre unlauter über die Gründe für ihren Suizid zu spekulieren. Denn Kirsten Heisig hat - soweit bekannt - im Voraus keine Andeutungen gemacht, sie hat auch keinen Abschiedsbrief geschrieben. Ganz bestimmt aber war ihr Alltag oft erschreckend, deprimierend, reich an Enttäuschung und arm an Hoffnung. Kirsten Heisig war mit all dem konfrontiert, was man lieber nicht sehen und hören möchte als Bürger eines reichen, recht friedlichen Landes. Sie aber schaute hin.
Mehr als das: Kirsten Heisig machte sich Gedanken über die Strukturen hinter den einzelnen, straffälligen Jugendlichen. Und über die Entwicklung einer Gesellschaft, die solche Jugendliche hervorbringt.
Am Ende des Buchs schreibt sie von dem unglaublichen Glück, als Frau in diesem Land zu diesem Zeitpunkt der Weltgeschichte leben zu können. Mit diesem Glück begründet sie ihren unermüdlichen Einsatz für das Recht in diesem Land. Sie wolle, dass auch die künftigen Generationen dieselben Chancen erhalten, die sich ihr boten. Und diese Chancen sah sie gefährdet, "die Gesellschaft befindet sich an einem Scheideweg", schreibt Heisig. "Sie könnte sich spalten: in reich und arm, in links und rechts, in muslimisch und nichtmuslimisch." Es sei deshalb notwendig, eine ehrliche Debatte jenseits von Ideologien zu führen. "Sie wird kontrovers, wahrscheinlich auch schmerzhaft sein. Deutschland wird sie aushalten - und mich auch."
Ihr Appell ist unmissverständlich: "Wir müssen uns gemeinsam Gedanken darüber machen, wie es in dieser Gesellschaft weitergehen soll. Und wir müssen handeln." Und noch eines fügt die streitbare Frau aus Berlin-Neukölln an: "Es bleibt wenig Zeit."
Kirsten Heisig: "Das Ende der Geduld. Konsequent gegen jugendliche Straftäter." Herder-Verlag, 2010
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(sueddeutsche.de/jja)
Warum fährt jemand, der sich erhängen will, in den Wald? Geht das nicht einfacher zuhause? Warum kein Abschiedsbrief bei jemand, der gebildet ist?
Warum ein Todeszeitpunkt erst Tage nach dem Verschwinden?
Warum geht niemand diesen Fragen nach? Weil er dann evtl. der nächste ist?
... nicht offen gesprochen werden darf, noch fachlich diskutiert wird, und die Medien bisher jedweden ehrlichen Umgang mit dem Thema und Realitaeten, in voellig falsch verstandenem Sensibilitaetsinteresse, vermissen lassen, wird das "Problem" erst zu einem solchen herangezuechtet.
Das ist Gesellschaftsgewalt durch Unterlassentaeterschaft, resp. Beihilfetaeterschaft!
Darueber hinaus: Wenn es im Gesetz heisst, dass die Strafe der Tat auf dem Fusse zu folgen hat, ist die -derz.- Praxis der Exekutive und vor allem auch d. Judikative dazu, eine Rechtsverballhornung und Luftnummer.
Der Rechtsstaat wird heute NICHT zuvorderst von den Unrechtstaetern ausgehoehlt, sondern durch einen strafrechts- und sicherheitsrechtl. "Untaetigkeitsstaat".
Wo "Staat", resp. "Staatsmacht und Staats-all-gewalt" nur noch als -sinnleere- Etikette draufsteht, braucht man sich heute, bzgl. des wachsenden Gewaltpotentials, ja sogar mit Begehren und Bezuegen zu Buergerselbsthilfejustiz, nicht mehr wundern.
Der innere Druck waechst, und wird sich, so fuerchte ich, bald seine diversen "Sollbruchstellen" suchen.
Wehret den Anfaengen! Geschichte wiederholt sich, allzu gern, allzu schnell!
aber ohne verstanden zu werden. Mir macht Angst, wie die heutige Politikergeneration die Gemeinschaft/Gesellschaft nicht vor einer schwerwiegenden Fehlentwicklung schützt. Freiheit ist zu schützen, auch vor denen, die sie für sich gegen andere Inanspruch nehmen (Parallelgesellschaft). Wieweit muss es erst kommen, bis die Veran(gst) twortlichen agieren/reagieren. Brauchen wir erst wieder Tote, bis die Augen aufgehen (Duisburg grüsst unheilvoll)??; und dann auch wieder nichts geschieht; oder ist gar dieser Staat nicht in der Lage, für seine Bürger hinreichend zu sorgen?
· Psychotherapie
Befinden wir uns denn tatsächlich im Zustand einer kollektiven Psychose?
"Forum auf das abwegigste darüber diskutiert.
schon ausgeprägte Wahnvorstellungen,
das Gejammere über die ach so privilegierten Migranten ist nicht anders als Teil einer ausgeprägten Psychose zu diagnostizieren.
Und dann auch noch:
zum Mord hochhalluziniert.
Haben Sie keine Angst um sich selbst? Konsultuieren Sie doch mal einen Psychotherapeuten, der kann Ihnen vielleicht helfen."
Wer hat Ihnen denn geholfen und in welchem Sanatorium?
De mortuis nil nisi bene - über Tote nur Gutes. Doch wenn jemand ein so vergiftetes Erbe wie "Vom Ende der Geduld" hinterlässt, ist nachzufragen und gegebenenfalls zu widersprechen.
Schon der Titel erweckt den Eindruck, es bräuchte nur Mut, entschlossen, schnell und hart zu handeln, und alle Probleme wären zu lösen. Begründet wird dies - folgt man dem Artikel - mit Allgemeinplätzen und Vorurteilen "nach Augenschein", wie z. B.
"dass den Jungen die Identifikationsfigur des arbeitenden Vater abhandengekommen ist."
Vaterlos aufgewachsen ist auch der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder (geb. 1944), ebenso der Friedensnobelpreisträger und Bundeskanzler Willy Brandt (1913-1992); der amerikanische
Präsident Bill Clinton (geb. 1946) -- ohne Vater aufgewachsen --, übernahm früh die Rolle des Familienoberhaupts; Barack Obama (geb. 1961), meint in seiner Autobiographie, das Fehlen des Vaters habe ihn unabhängiger werden lassen, seinen Familiensinn und seine Liebe zu seinen Kindern gestärkt. In Deutschland fehlten am Ende des Krieges 1945 rund 15 Millionen Männer, teils nicht mehr am Leben, teils in Gefangenenlagern, was eine entsprechend hohe Zahl vaterlos Aufwachsender zur Folge hatte.
Es gab und gibt Schwierigkeiten bis heute. Aber gerade diese vaterlos aufgewachsene Generation hat wesentlich dazu beigetragen, aus dem einstigen Paria der Völkergemeinschaft nicht nur
den Exportweltmeister zu schaffen, sondern auch -- wie internationale Umfragen aus dem Jahre 2008 belegen -- die weltweit am meisten geachtete Nation. Vaterlosigkeit ist keine Ursache kriminellen Verhaltens .
Frau Heisig litt an Selbstüberforderung, um nur dies zu nennen. Wer tagsüber Richterin und abends Sozialarbeiterin, dazu stets in den Medien präsent und Buchautorin sein will, ist weder das eine noch das andere, er sei denn, er hielte sich für einen Übermenschen.
Das Wirken von Frau Heisig beweist, dass jemand scheitern muss, der sich ständig derart selbst überfordert und fünfe nicht grad sein lassen kann.
Der Fachausdruck dafür heißt "burn out", weit verbreitet vor allem in Sozialberufen und bei Menschen mit dem so genannten "Helfersyndrom".
Deshalb taugt Frau Heisig nicht zum Vorbild, und deshalb ist eine verehrende Betrachtungsweise schädlich. Denn ihre wirkliche Botschaft lautet: "Ich habe alles falsch gemacht."
Nebenbei bemerk möchte ich so jemanden nicht als Kollegin an meiner Seite haben, der mir ständig als Spiegel für Enga
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