Überall sieht man die Leute am Trendgetränk des Sommers nippen: Aperol Spritz. Dabei ist der bittere Drink längst dem Untergang geweiht.
Wahrscheinlich wird den Aperol dasselbe Schicksal ereilen wie schon den Campari. In allen Bars der Welt steht er im Regal und wird gelegentlich bestellt, doch in den deutschen Haushalten sind die Flaschen dieser bitteren Spirituose längst in die Biedermeierschränke gewandert.
Noch gibt es eine Aperol-Schwemme. Doch dem bitteren Drink wird es einst nicht besser ergehen als seinem Vorgänger Campari. (© Foto: Rumpf)
Anzeige
Wenn der häusliche Campari Glück hat, wird er vom Heranwachsenden entdeckt, der ihn zur ersten Orgie seines Lebens entwendet, natürlich ohne, dass es jemandem auffällt. Wie der Campari als bitterste Erfahrung eines jungen Menschenlebens in viele Geschichten eingegangen ist, so wird auch der Aperol in deutschen Schränken in Vergessenheit geraten und eines Tages von flaumbärtigen Rüpeln einen Abend lang geliebt.
Andererseits - wer mag angesichts der derzeitigen Aperol-Schwemme schon jetzt an dessen Verschwinden glauben? Überall sitzen sie mit ihren großen Gläsern und kippen sich das mit Prosecco oder Weißwein versetzte Getränk hinein, das "Spritz" genannt wird. Es liegt nahe, die Aperol-Spritz-Manie als kulturelles Missverständnis abzutun.
Diese Sichtweise war unumgänglich, als vor Jahresfrist eine Italienerin in Berlin einen Aperol bestellte, das Wort, wie es in Italien Sitte ist, auf der ersten Silbe betonte und eine Apfelschorle serviert bekam.
Wer will, kann in der großen Aperol-Badewanne, in der das Land planscht, auch ein verbindendes Prinzip erkennen. Beide, Apfelschorle und Aperol-Spritz sind nach ursprünglich österreichischer Tradition gespritzt, also verdünnt. Als österreichische Soldaten im 19. Jahrhundert Nordostitalien besetzten, da überrannten sie die Bevölkerung auch mit ihren eigenen Traditionen und mischten den für zu stark befundenen Wein mit Wasser.
Seither hat sich der Spritz in vielen Teilen Italiens durchgesetzt und wird meist vor dem Abendessen in den Bars als Apertitif getrunken. Dass sich die Marke Aperol nun das Begriffs-Monopol des "Spritz" oder "Sprizz" erworben hat, sollte niemanden grämen. In der Gegend von Mailand heißt dieselbe Mischung "bicicletta", was dem Begriff nach dem bayerischen Radler entspricht. Während es mit dem Aperol-Spritz eigentlich nur noch bergab gehen kann, wirkt das Radler besser gerüstet für künftige Krisen.
Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
- Thema
- Aperol Sprizz RSS
- Stilvoll Trinken Wasser ist der neue Wein 30.05.2009
- Streit um Prosecco Träume sind Schaumwein 30.12.2008
- Rosé-Weine Eine schicke Plörre 22.08.2008
- Stilvoll trinken mit Tequila Stoff für Rebellen 03.02.2008
(SZ vom 29.08.2009/bre)
Bundespräsident Gauck in Israel
Naja, oder sagen wir mal: schon bisschen witzig, aber unsinnig und spiessig.
weil er weder witzig noch sprizzzig, sondern spiessig ist. Spiessig wie diese "das wollen Sie nimmer sehen" Bilderserie - seh ich tausendmal lieber ein lustiges Tattoo oder Fingernägel mit Bildern oder Kinder mit Migrationshintergrund als so einen spiessigen Geschmacksbarometer. Nein, sowas will ich in der SZ ganz bestimmt nicht mehr sehen!
Buongiorno
...womit wir auch schon mitten in Italien wären. Und genau das ist doch auch der springende Punkt: In Italien trinkt man den Aperol Spritz schon immer als Aperitivo. Bei Pizza oder Pasta meckert ja auch niemand, es sei nur ein kurzfristiger "Trend".
Mir schmeckts jedenfalls und ich freue mich, den Spritz nicht nur im Urlaub, sondern auch in München zu bekommen!
Liebe Redaktion,
mein neustes "Fast"-Hass-Objekt ist das SZ-Magazin.
Das neue Layout ist furchtbar, das Magazin sieht nun wie ein Anzeigenblättchen aus. Ich überfliege nur noch die Seiten und frage mich : "Anzeige oder Redaktionell?". Die Schrift ist unschön, der Seitenaufbau krampfig modern und "sagen Sie jetzt nichts" ist häufig erschreckend nichtssagend.
Hinzu kommen die beiden letzten Ausgaben. Erst wieder ein stinkelangweiliges Modeheft und dann noch das Mutprobenheft. Die Lektüre dieser Ausgabe war eher eine Mutprobe für den Leser, denn was interessiert mich die Fahrt eines SZ-Redakteurs in seine Heimatstadt. Oder der erste Besuch eines Redakteurs bei seinem Arbeitgeber? Und zu Letzterem: Bitte akzeptiert endlich, dass die Redaktion nicht mehr in der Sendlinger Straße ist. Monatelang wurde ich mit Leid & Unlust der Redaktion in der SZ-Print-Ausgabe konfroniert. Jetzt langt es bitte.
So wandelte sich das SZ Magazin von "Große Liebe Maxi" zu "Kleiner Hass Fast-Maxi".
Unglückliche Grüße
Neonbabie
Jetzt mal von der ganz witzigen Schreibe abgesehen:
Kann ich nicht verstehen, wieso der Spritz dem Untergang geweiht sein soll. In Italien wird er ja auch einfach überall getrunken, und da schert sich keiner drum obs jetzt gerade besonders trendy oder zu angesagt oder schon wieder vorbei sein soll. Hauptsache er schmeckt. Ist eben einfach schon ein Art Klassiker.
Paging