Der Münchner Designer Ingo Maurer über die Poesie der Helligkeit und die Gefahren des "gleichgültigen Lichts".
SZ: Herr Maurer, die Glühbirne passt offenbar nicht mehr in unsere energieeffiziente Welt. Trauern Sie ihr nach?
Ingo Maurer, 76, gilt als Poet des Lichts. Mit "Lucellino" verlieh der Münchner Künstler und Designer beispielsweise einmal einer Glühbirne Flügel. (© Foto: oh)
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Ingo Maurer: Ja. Wir können die Glühlampe nicht aufgeben, sie ist eine emotionale Ikone, das würde eine drastische Verminderung unserer Lebensqualität bedeuten.
SZ: Dabei sollen wir doch sparen.
Maurer: Ich bin ja dafür, dass man spart, doch viele setzen Licht völlig falsch ein: Wenn etwa so ein Lüsterchen ziemlich hoch oben an der Decke hängt und die Dinge brutal und unnötig hell anstrahlt. Wir leben inmitten sinnloser Lichtverschwendung. Ich würde der Glühbirne nachweinen, aber ich glaube nicht, dass sie ganz verschwindet.
SZ: Wieso nicht? Die EU beschließt es einfach.
Maurer: Trotzdem. Bis dahin vergehen noch Jahre. Sollte es so kommen, dürfte es einen Boom für Psychiater geben. Die Sparglühbirne wird uns nicht glücklich machen, so raffiniert sie auch sein mag. Unsere emotionale Stabilität ist an die Glühbirne gebunden.
SZ: Wie kommen Sie darauf?
Maurer: Wir sind mit der Glühbirne geboren worden. Sie verkörpert eine starke Symbiose aus Poesie und Technik.
SZ: Zumindest ihre Technik scheint mittlerweile ausgereizt.
Maurer: So wie sie im Augenblick ist, ja. Aber wir arbeiten bereits an einer Lösung, und ich bin sicher, dass wir gewinnen. Wir werden ihre Form erhalten.
SZ: Die Form ...?
Maurer: ... die Birnenform. Es wird natürlich einen Übergang geben. Raffinierte Tüftler sind gefragt. Ich selbst arbeite mit LED und war der Erste, der sie im Privatbereich einführte. Die Zukunft wird verschiedenen Entwicklungen gehören, nicht nur einem System.
SZ: Was unterscheidet das Licht des Glühdrahts von dem einer Diode?
Maurer: Die Diode bringt niemals Wärme, der Glühdraht hat etwas von einer Kerze. Solche Qualitäten wird vorläufig keine Diode bringen. Glühbirnen können wir also nur verändern, nicht sterben lassen. Der Mensch muss einsehen, dass sonst ein gleichgültiges Licht siegt.
SZ: Wer Ihre Homepage sieht und die pendelnde Cartoon-Glühbirne entdeckt, denkt: Die kleine Lampe ist bestimmt Ihr Lieblingsmedium.
Maurer: Sie war ja auch meine erste Lampe. Ich war in Venedig, in einem kleinen Hotel. Über mir hing eine Glühlampe, 15 Watt. Ich hatte mich in eine Sparlampe verliebt. In meinem Elternhaus hingen auch lauter Sparlampen.
SZ: Ästhetik und Sparen schließen sich also nicht aus.
Maurer: Das möchte ich erreichen. Aber die Sparlampen-Lobby ist stark. Die Industrie wird sie verkaufen, dass die Rohre glühen. Nur das Emotionale wird dabei komplett vergessen. Im Übrigen ist die vermeintliche Energieeinsparung eine Milchmädchenrechnung.
SZ: Das klingt, als wäre Ihnen die Glühlampe wirklich ans Herz gewachsen.
Maurer: Die Glühlampe ist eine Ikone. Ein mörderischer Gedanke, dass sie die Glühbirne umbringen wollen. Ich kann nur hoffen, dass Gott uns beisteht, dass dieser Kelch an uns vorübergeht. Licht bringt eine vierte Dimension, eine unbewusste Geistigkeit.
- Das Ende der Glühbirne Verschwenderischer Glanz 09.12.2008
- EU schafft Glühbirne ab Eine warmweiße Verheißung 09.12.2008
- EU schafft Glühbirne ab Ein Licht geht aus 09.12.2008
(SZ vom 10.12.2008)
@ eckepapa:
Da gebe ich Ihnen doch grundsätzlich völlig recht, alles andere ist ja hirnrissig. Nur könnte es durchaus sein, dass es effizienter ist, die entsprechende Elektronik IN die Lampe zu bauen, und nicht zentral, wie sie vorschlagen. Vielleicht schon deshalb, weil sie g.g.F. eine Steuerleitung zurück von der Lampe zur Elektronik brauchen. Und die zig Meter zusätzliches Kabel,sind dann mit Sichheit in der Herstellung genauso fragwürdig, oder schlimmer. ( Weichmacher in der Umhüllung, Energiebedarf bei der Produktion...)
Es ist auch kein Naturgesetz, dass Elektronik im Standbybetrieb 10 W oder mehr braucht, dort wo es drauf an kommt kann die Industrie ganz andere Dinge zaubern.
Was es dafür braucht ist eine sinnvolle Gesetzgebung, und hier geht die Lampenverordnung in die richtige Richtung, und es braucht Kunden, die verstehen, dass sie es letztendlich in der Hand haben, ob wir Resourcen sparen oder nicht!
Insofern ist jede Diskussion um das Thema zu begrüßen. Es gibt nur, wie oben ausgeführt, selten einfache Wahrheiten und folglich auch keine einfachen Lösungen.
Man könnte zum Beispiel auch mal untersuchen, wie viel Resourcen die Herstellung von Glühlampen verbraucht. Wer weiss, vielleicht ist der Energieaufwand, um die Luft aus dem Kolben zu bekommen ganz beachtlich. Ich weis es nicht, aber bevor ich mich auf einen Umweltbilanzdiskussion einlasse, würde ich versuchen, genau solche Fragen herauszubekommen.
Liebe Grüsse,
Untersendlinger
Sinnvolle Konstruktion gab es seit der Steinzeit, ohne die Sie hier den Text nicht lesen könnten. Tatsache, dass die Elektronik in der so genannten Energiesparlampen an sich einmalig in den Stromkreis der Lichtanlage der Haustechnik eingebaut werden könnte, und nicht in jede Lampe einzeln. Da wird die Technik zum Ausbeuter der Ressourcen. z.B. bei der Platinen-Produktion (die wahrscheinlich zu menschenunwürdigen Bedingungen in China billigproduziert werden).
Nicht alles was neu auf den Markt kommt ist auch gut, z.b das Blei in der Luft, das die Weltbevölkerung seit 1930 einatmet entstammt dem Antiklopfmittel Tetraethylblei der Autoindustrie, das FCKW, auch sehr modern, ist fürs Ozonloch verantwortlich, Erfindungen sollten grundsätzlich dem Wohle der Menschen und der Welt dienen, nicht dem Unwohlsein, meine ich, ganz im Ernst.
"( allein die überflüssige Elektronik für jede Lampe ist eine unverhältnismässige Konstruktion) "
??? Sorry, das ist eine Sichtweise der Steinzeit. Man könnte auch die Hammermechanik im Klavier als Überflüssig bezeichnen, schließlich kann man die Saiten per Hand zupfen.
Oder eine Neonröhre durch einem mechanischen Anlasser per Hand zünden.
Aber ich glaub, Sie sind Satiriker...
U.
seit es Energiesparlampen gibt habe ich sie konsequentl im Haushalt eingesetzt, nachdem die Energiesparlampen als Mogelpackung entlarvt wurden (hoher Enegieaufwand für Herstellung und Entsorgung, magere Lichtausbeute, Schaltzyklen - abfallende Lebensdauer etc.) habe ich auf einen Schlag alle Energiesparlampen durch Glühbirnen ersetzt, und ich kann wieder problemlos am Schreibtisch lesen und bei angenehmen Licht am Esstisch essen. Das Raumklima hat sich spürbar gebessert und ich muss mir um die Gefährlichkeit der Lampen (Quecksilberdampf, Bromid, Elektrosmog) keine Sorgen mehr machen. Da verbrenn ich mir lieber einmal in drei Jahren die Finger an der Lampe als auch nur einmal Quecksilberdämpfen und dauernd den Langzeitschäden durch Bromideinlagerung ausgesetzt zu sein, das heilt nämlich nicht so schnell.
Fazit, die Energiesparlampe ist unausgereift und verdient den Namen nicht ( allein die überflüssige Elektronik für jede Lampe ist eine unverhältnismässige Konstruktion) unzeitgemäss!
"Ich persönlich würde mir nie und nimmer eine Energiesparlampe am Schreibtisch platzieren. Die traditionellen Schreibtischlampen sind für Glühlampen entwickelt."
Wo ist der Unterschied, wenn die Fassung die gleiche ist, und die Form? Aber vielleicht ist es ein Nachteil, wenn man sich nicht mehr die Finger verbrennen kann oder am Hitzetod gestorbene Insekten aufsammeln muss.
"Die Energiesparlampe ist eine Streubüchse, deren Licht nicht gut gelenkt werden kann. Für eine Reflektorlampe ist sie deshalb schlecht geeignet. Sie hat keinen sauberen Lichtkegel."
Genau wie jede milchige Glühbirne, die in der Mehrheit der Lampen zur Zeit benutzt wird.
"Auch beim Esstisch würde ich keine Energiesparlampe einsetzen - und im Kinderzimmer auch nicht, schon allein wegen der Gefahr des Zerbrechens."
Völlig richtig! Ins Kinderzimmer gehören extrem heisse, brandgefährliche, dünnwandige Glaskörper wie bei einer traditionellen Glühlampe. LED Lampen, oder anderer neumodischer Kram hat dort nix verlohren.
Alles klar?"
Naja.....
Paging