Von Marten Rolff

Fast jeder kennt das Wasabi Plagiat, das so scharf ist, dass man Feuer spucken könnte. Doch wer weiß schon, was es mit dem echten Wasabi auf sich hat?

In Berlin werden gern Trends gesetzt. Und genau das war wohl beabsichtigt, als 2004 in der Hauptstadt das Modelabel Sisi Wasabi gegründet wurde. Der Kontrast-Name ist Programm, will die Marke doch Trachtenelemente mit scharfer Couture von der Straße kombinieren. Ob die Designer bis heute glücklich mit ihrem Namen sind, ist unbekannt. Doch wer sich den Image-Verfall des kurzzeitigen Trend-Gewürzes Wasabi ansieht, den beschleicht der Verdacht, dass das Label sich ebenso gut Puschi Sushi hätte nennen können.

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So sieht Wasabi in seiner Grundform aus. Die Pflanze, die zur Familie der Kreuzblütengewächse gehört, darf vorallem in der japanischen Küche nicht fehlen. (© online.sdeleben)

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Dabei würde echter Wasabi (Betonung übrigens auf der ersten Silbe!) durchaus die Assoziationen edel, exklusiv und teuer verdienen. Er heißt auch Japanischer oder Wasser-Meerrettich und kostet etwa 1,50 Euro pro Zentimeter Wurzellänge. Auf sandpapierähnlicher Haifischhaut zur feinen Paste gerieben, die die Farbe einer unreifen Kiwi hat, ist er fruchtig süß, mit einer erdigen, aber angenehmen Schärfe.

Die plumpen Plagiate, die uns allerorten als Erdnuss- oder Erbsenmantel, Chipshülle oder zuletzt - besonders verdächtig - als Eiscremegeschmack entgegenlodern, haben indessen mit dem ursprünglichen Gewürz oft nur den Namen gemein.

Jede Wette: Wasabi-Kaugummi und Wasabi-Ostereier sind gerade in Vorbereitung. Das Plagiat geht ja schnell und billig her: Gewöhnlicher Meerrettich mit Spuren getrockneten Alibi-Wasabis, Senf, Zwiebel- und Knoblauchpulver, Dextrose, Farb- und Geschmacksstoffe, etwas Säureregulator - fertig.

Das Zeug hatte eine fiese Schärfe, klebte für Stunden am Gaumen und nachts haben Sie scharf-sauer aufgestoßen? So muss es sein!

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(SZ vom 15.07.2010/fris)