Geschicklichkeit durch Sport Stacking Die Schnell-Stapler

Beim Sport Stacking werden Becher blitzschnell zu Pyramiden auf- und wieder abgebaut. Immer mehr Schulen fördern mit dem Sport die Konzentration ihrer Schüler.

Von Merlin Scholz

Wenn Moritz Eckstein seine Hände in Bewegung setzt, dann möchte der Betrachter seine Augen am liebsten in einen Zeitlupenmodus versetzen können. Die Geschwindigkeit, mit der er die Hände von links nach rechts und über Kreuz durch die Luft wirbelt, erinnert ein wenig an den Film "Matrix", in dem sich der Protagonist Neo in übermenschlichem Tempo mit seinen Gegnern im Faust- und Waffenkampf duelliert.

Doch Moritz Eckstein ist kein Science-Fiction-Held, sondern ein 14 Jahre alter Gymnasiast aus Gelsenkirchen. In den Händen hält er auch keine Automatikpistolen, sondern rote Plastikbecher. Und Moritz muss auch nicht die Welt zu retten, nein, er soll aus den Gefäßen eine Pyramide auf- und wieder abbauen. Der Name dieser Figur - zumindest das klingt nach Hollywood - lautet "Cycle".

Was der Schüler da mit den Bechern anstellt, nennt sich "Sport Stacking", zu Deutsch: Sport-Stapeln. Bei dieser Geschicklichkeitssportart, geht es darum, spezielle Becher zu einer kartenhausähnlichen Figur auf- und dann gleich wieder abzubauen - so schnell wie möglich und ohne das Spielgerät auf den Boden fallen zu lassen. Bei erfahrenen Stackern geht das mitunter so flink, dass das Auge des Zuschauers nicht mehr mitkommt.

Beim Cycle, der Königsdisziplin, hat der Stacker zwölf Becher vor sich stehen. Je drei davon auf dem linken und rechten, sechs auf dem mittleren Stapel. Diese müssen zuerst zu zwei Pyramiden mit drei Bechern und einer Pyramide mit sechs Bechern auf- und abgebaut werden. Nun gilt es zwei Sechser-Pyramiden zu bauen, die Becher anschließend zu einem großen Turm zu stapeln und als krönenden Abschluss eine zehn Becher starke Pyramide, flankiert von zwei einzelnen, aufzubauen.

Das klingt nicht nur kompliziert, sondern ist es auch. Moritz schafft den Cycle auf einem Video, das er bei YouTube veröffentlich hat, in 7,91 Sekunden. Der von einem Amerikaner gehaltene Weltrekord liegt bei gerade einmal 5,91 Sekunden.

Dennoch ist Stacking ein Sport, den jeder schnell lernen kann. "Innerhalb von zehn Minuten hat man eine Figur drauf, dann fängt man an, auf Geschwindigkeit zu stapeln", sagt Frank Böker von der International Sport Stacking Federation (ISSF). Der vor vier Jahren gegründete deutsche Dachverband der Sport-Stacker organisiert hierzulande die Schnellstapel-Turniere. Mehr als 500 Teilnehmer kamen schon zu den Wettbewerben. Die jüngste Stackerin war vier Jahre alt, die älteste 74.

Als Sportgerät dienen spezielle Kunststoffbecher, deren Böden durchlöchert sind, damit sich die gestapelten Behälter nicht ineinander festsaugen. "Für den Anfang kann man es aber auch mal mit Bechern aus dem Küchenschrank versuchen", meint Frank Böker.

Das richtige Sport-Stacking-Set ist im Sporthandel erhältlich und kostet um die 15 Euro.