Gentrifizierung weltweit Mit Klasse gegen Masse: Die Altstadt von Barcelona

Die Promenada La Rambla im Zentrum von Barcelona

(Foto: imago/Hoch Zwei Stock/Angerer)

Die katalanische Metropole ist das Reiseziel Nummer eins der jungen Leute unter 30 aus allen Ecken und Enden der Welt. Die "größte Disco-Szene", das "größte Kneipenviertel", das "intensivste Nachtleben", so steht es in den Reiseführern. Für einen Großteil der Einwohner der Innenstadt aber bedeutet dies: Lärm rund um die Uhr, steigende Preise für Mieten, Dienstleistungen, Lebensmittel, gleichzeitig große Instabilität bei den Preisen für Wohnimmobilien. Im vergangenen Jahr gab es die erste Demonstration mit mehreren tausend Teilnehmern gegen die Touristenflut. Die Wirtschaftsverbände der Stadt haben allerdings nichts gegen die Besucher-Massen.

Die Stadtplaner müssen nun die unterschiedlichen Interessen ausgleichen. Dabei wird auch ein Konzept diskutiert, das die Behörden im anderen großen spanischen Touristenzentrum Mallorca in Angriff nehmen wollen: die Masse durch Klasse ersetzen. Weniger Touristen, dafür wohlhabendere, die mehr Geld pro Kopf ausgeben. Dazu gehört die gezielte Sanierung von Stadtvierteln, in denen teure Restaurants, Hotels, Boutiquen die Kundschaft anlocken sollen. Doch dies liegt nur im Interesse eines Teils der Einwohner, die weniger Betuchten können sich Renovierung und höhere Mieten nicht leisten.

Entsprechend konzentrieren sich die Protestbewegungen, die seit dem Ausbruch der großen Wirtschaftskrise 2008 entstanden sind, auf die Verteidigung des Status Quo. Doch eine Schlacht nach der anderen geht verloren. Denn immer mehr Viertel Barcelonas erleben dank der gezielten Förderung der Stadt eine Aufwertung.

Die Nachbarschaftsvereine, die traditionell in der Stadt eine wichtige Rolle spielen, verfolgen dabei keine einheitliche Linie. Unter ihnen gibt es eine Strömung, die die Viertel auch um den Preis sanieren will, dass ein Teil der alteingesessenen Einwohner verdrängt wird. Denn die Vertreter dieser Richtung versprechen sich davon einen zumindest lokal begrenzten Rückgang des lärmenden Massentourismus. Ganz zweifellos haben sie derzeit die Oberhand. Und die Tendenz wird noch zunehmen, denn Spanien hat die Rezession überwunden, es wird auch in Barcelona an allen Ecken und Enden saniert und renoviert.

Thomas Urban