Gentrifizierung in San Francisco Willkommen in der Hyperzivilisation

Die Skyline von San Francisco, gesehen von Bernal Heights.

(Foto: Johannes Kuhn/Beate Wild)

5500 Multi-Millionäre, 7000 Obdachlose und eine Mittelschicht, die ums Überleben kämpft: Wie der Technologie-Boom San Francisco zur Hauptstadt des ungezähmten Kapitalismus macht.

Von Johannes Kuhn, San Francisco

Kapitel 1: Wut

San Francisco im Morgengrauen. Die Straßen sind verlassen, es nieselt aus der dichten Wolkendecke. Die Hügel der Stadt wirken friedlich, doch im Mission District kocht bereits die Wut: "Google, du kannst deine Gier nicht verstecken", brüllt eine Frau ins Megafon. Sie steht auf der Treppe eines Mehrfamilienhauses, das Google-Anwalt Jack Halprin gehört. Gut 70 Menschen haben sich davor versammelt und halten Plakate mit Parolen wie "Das ist eine Gemeinschaft, kein Monopoly-Brett" oder "Spekulanten ermorden diese Stadt" in die Höhe.

Der Mission District verändert sich rapide, durch das Arbeiter- und Latino-Viertel verläuft die Frontlinie eines Konflikts, der San Francisco zu zerreißen droht. Für seine Gegner steht Halprin für all das, was schiefläuft: 2012 kaufte er das Mehrfamilienhaus und versucht nun, alle Mietparteien loszuwerden. "Wir hatten gehofft, dass er ein verantwortungsvoller Vermieter ist", sagt Bewohner Evan Wolkenstein. "Aber er hat die Räumung unmenschlich und kalt durchgezogen."

Halprin selbst äußert sich nicht öffentlich zu den Vorwürfen. An diesem Morgen ist er ohnehin nicht zu Hause. Ein Aktivist wettert auf der Treppe gegen die gutbezahlten Mitarbeiter der Technologie-Firmen, die Mieten in die Höhe und Alteingesessene aus der Stadt trieben. "San Francisco ist nur noch eine App für die Gutverdiener", schimpft er unter tosendem Applaus.

Junge gutbezahlte Hightech-Arbeiter strömen seit Jahren in die Region, die aus allen Nähten platzt und kaum noch wachsen kann, weil Pazifik und eine Meeresbucht sie einquetschen. Die Lebenshaltungskosten sind monströs, die Mieten in San Francisco übertreffen selbst die exorbitant hohen von New York City. Für eine Zwei-Zimmer-Wohnung muss man mehr als 3220 Dollar zahlen, der Preis hat sich in sechs Jahren mehr als verdoppelt. WG-Zimmer gehen nicht unter 1000 Dollar weg.

Wer in der Technologie-Branche arbeitet, kann diese Preise verkraften. Das Durchschnittseinkommen liegt hier bei mehr als 150 000 Dollar pro Jahr. Im höheren Management sind auch Millionen für ein Eigenheim drin. Andere, die anderen Jobs nachgehen und schon lange hier wohnen, müssen kämpfen. Je nach Schätzung verlassen zwischen 5000 und mehr als 20 000 Bewohner im Jahr San Francisco - in der Regel unfreiwillig. Weil sie sich die Miete nicht mehr leisten können oder aus ihrer Wohnung geklagt werden.

Wer an diesem Morgen hergekommen ist, will das nicht mehr hinnehmen. Auf der Treppe hat sich inzwischen Candace Roberts mit ihrer Gitarre positioniert. Ihr Lied handelt von San Francisco, den Wucherpreisen, dem Verlust von Identität und Stadtkultur. Refrain: "Das ist nicht mehr meine Stadt."

Kapitel 2: So lebt es sich in San Francisco

Seit der Ankunft der ersten Goldgräber 1849 war San Francisco ein Magnet für Glückssucher. Und ein Ort für Träumer und Revolutionäre: Die Beat Generation hatte hier in den Fünfzigern ebenso ihren Ankerpunkt wie die schwarze Jazz-Szene. 1967 schlug die Hippie-Bewegung auf der Haight Street ein, wo bis zu 100 000 Menschen mit der Mehrheitsgesellschaft brachen. Ihre Gegenkultur strahlte in weite Teile der Welt aus: der Bruch mit sexuellen Konventionen, die Anti-Kriegs-Bewegung, bewusstseinserweiternde Drogen, Hedonismus, New Age.

San Francisco in der Dämmerung.

(Foto: Jason Jenkins (CC BY-SA 2.0))

Heute ist San Francisco einer der fortschrittlichsten Flecken auf diesem Globus: Die Stadt mit ihren 850 000 Einwohnern feiert Homosexualität und die freie Wahl des Geschlechts als Teil der Identität. Sie setzt konsequent auf erneuerbare Energien und plant, spätestens 2020 den eigenen Müll zu 100 Prozent zu recyceln. Die Zahl der Elektro- oder Hybrid-Fahrzeuge, der Bio-Läden und Öko-Restaurants ist beeindruckend.

San Francisco ist jedoch auch eine überforderte Stadt. Sie leidet wie der Rest der USA an einer maroden Infrastruktur. Bei Regen kann in einigen Bezirken schon mal der Strom ausfallen; die öffentlichen Verkehrsmittel sind hoffnungslos überfüllt und veraltet. Vor allem aber leidet San Francisco an Ungleichheit: 5460 Bürger besitzen ein Vermögen von je mehr als 30 Millionen Dollar; etwa 7000 San Franciscans sind obdachlos, viele davon haben psychische Krankheiten.

Morgens erheben sich die Obdachlosen aus ihren Pappkarton-Schlafquartiers und nur wenige Meter weiter stehen die Gruppen der Tech-Arbeiter am Straßenrand und warten auf die Spezial-Busse, die sie direkt zu Google, Facebook, Yahoo oder Apple bringen. Die Stadt ist längst mit dem Silicon Valley verschmolzen, zum Zentrum und Versuchslabor der Tech-Kultur geworden. Von Lebensmitteln und Shopping-Artikeln über Massagen bis zum medizinischen Marihuana - alles lässt sich per Smartphone ordern und in zehn bis 60 Minuten in Empfang nehmen.

Rathaus (hinten rechts) und Twitter-Hauptquartier sind nur einen kurzen Fußweg entfernt: Obdachlose im Stadtzentrum von San Francisco.

(Foto: Johannes Kuhn)

Der Komfort dieser Hyperzivilisation macht eine Konfrontation mit der Realität für Tech-Arbeiter theoretisch überflüssig. In der Branche verbringst du ohnehin den Großteil deiner Zeit in die Firma eingestöpselt, ob im Büro, auf dem Weg dorthin oder am späten Abend beim letzten Blick in den E-Mail-Posteingang und den Chat auf der Kommunikationsplattform Slack.

Die Zeit zwischen der Arbeit will gut genutzt sein, warum also noch selbst vor die Tür gehen, wenn es nicht um eine neue Job-Perspektive oder eine Tinder-Bekanntschaft geht? Warum den Blick vom Smartphone aufrichten, wo die Welt im Internet vom Gott-Blinkwinkel aus einzusehen ist?

Wie so viele dieser Menschen bist oder warst du einmal ein Idealist und erkennst durchaus, was passiert. Manchmal wunderst du dich, warum die mächtigen viktorianischen Häuser nur noch wie eine Kulisse wirken, warum in einer so kreativen Stadt so wenige Künstler wohnen. Manchmal denkst du über Lösungen nach. Aber wer sagt eigentlich, dass du für alles verantwortlich bist?

Anti-Tech-Botschaften sind Teil der Straßen San Franciscos.

(Foto: Johannes Kuhn/Beate Wild)

Kapitel 3: Der Weg in die Unsichtbarkeit

Für viele ist die Realität eine andere - wie für Michael Rouppet. Im löchrigen Sozialsystem der Vereinigten Staaten kann Obdachlosigkeit die direkte Folge sein, wenn jemand seine Wohnung verliert. Rouppet ist das passiert. 2012 wechselte sein Wohnhaus den Besitzer. Der neue Eigentümer warf ihn raus. Hier erzählt er seine Geschichte:

"Ich bin 46 Jahre alt und lebe seit 1992 in dieser Stadt. Die Räumung traf mich völlig unvorbereitet, weil ich 20 Jahre in meiner Wohnung gelebt hatte. Ich hatte ein paar Freunde, die mich eine Zeit lang beherbergten, aber ich traute mich nicht zu sagen, wie brenzlig meine Situation wirklich war. Ich landete auf der Straße.

Michael Rouppet verlor seine Wohnung - und schaffte den Weg zurück aus der Obdachlosigkeit.

(Foto: Johannes Kuhn)

Am Anfang gaben mir andere Obdachlose ein paar Kartons, also schlief ich mit meinem Hund auf dem Gehsteig. Ich lernte langsam, wie Menschen ohne Dach über dem Kopf sich gegenseitig helfen. Wenn du alleine bist, wirst du nicht lange überleben. Jemand wird dich ausrauben oder du wirst krank. Mein Fuß wäre mir beinahe amputiert worden, ich schleppte eine Lungenentzündung mit mir rum. Wenn du einmal obdachlos bist, bekommst du von außen nicht viel Hilfe. Vielen Menschen, die jetzt hierherziehen, ist das egal. Sie sagen: Es ist dein Problem.

Eines Abends hing ich an einer Ecke herum, wo viele Obdachlose ihre Zeit verbringen, und kam mit einem Sozialarbeiter der San Francisco Aids Foundation in Kontakt. Das änderte vieles, weil man dort nicht durch mich hindurchsah. Mir half auch, dass ich zu meditieren begann und Musik entdeckte. Alles war besser, als wütend zu sein. Denn dieses Klischee, ein wütender obdachloser Mann zu sein, macht die Menschen auf der Straße krank.

Heute stehe ich selbst jeden Freitagabend als Freiwilliger an der Ecke und helfe, ich arbeite jetzt für die San Francisco Aids Foundation. Ich wohne noch bis Ende des Monats bei Freunden, dann ziehe ich in ein Wohnprojekt für HIV-Kranke. Dass ich den Weg zurück geschafft habe, ist nicht selbstverständlich.

Menschen in San Francisco werden geradezu gedrängt, ihre Wohnungen aufzugeben, weil jemand anderes viel Geld dafür bezahlen kann. Doch sie können nirgendwo anders hingehen. Die Wartezeiten für Sozialwohnungen betragen Jahre, und das sind zum Teil richtige Löcher. Ich kenne einige Menschen aus der Technologie-Branche, die das Herz am richtigen Fleck haben. Aber Tech als Institution muss stärker den eigenen Einfluss auf die Stadt reflektieren.

Wenn du irgendwohin kommst, passt du dich den Gegebenheiten an und versuchst nicht, alles nach deinem Wunsch umzubauen. Doch das passiert gerade. Das ist ein Mangel an Respekt, nach dem Motto 'Ich sorge für mich selbst, leck mich doch!' Einige Millionäre haben hier zu viel Einfluss. Wir brauchen einen Runden Tisch, an dem wir offen reden können. Ich wünsche mir eine Renaissance für San Francisco."

Kapitel 4: Wie die Politik an der Gentrifizierung verzweifelt

Scott Wiener und David Campos trennt mehr als ein paar Meter zwischen ihren Büros im Rathaus von San Francisco. Die beiden Stadträte, das ist kein Geheimnis, sind sich in herzlicher Abneigung verbunden. Es verbindet die beiden trotzdem eine Menge: Ihre Bezirke liegen direkt nebeneinander, Campos ist für den umkämpften Mission District zuständig, Wiener für den von der Schwulen-Kultur geprägten Stadtteil Castro und umliegende Viertel, die ebenfalls unter der Gentrifizierung ächzen.

"San Francisco erlebt gerade, was wir vielerorts in den USA sehen: die Rückkehr der Menschen in die Städte", sagt Wiener, der als politische Nachwuchshoffnung gilt, den Linken der Stadt allerdings zu gemäßigt ist. "Wir brauchen mehr Wohnraum und mehr bezahlbaren Wohnraum. Sonst können wir unsere Mittelschicht nicht halten."

"The Age of the Tech Bro": Titelseite der inzwischen eingestellten Stadtzeitung San Francisco Bay Guardian.

(Foto: Torbak Hopper (CC BY-ND 2.0))

"San Francisco versucht gerade herauszufinden, ob hier weiterhin eine Mittelschicht existieren kann", sagt Campos, der die Massen mobilisieren kann, den Gemäßigten aber zu links ist. "Wenn es so weiter geht, wird das hier eine Stadt, in der nur noch reiche Menschen leben."

Beide wollen San Franciscos Mittelschicht retten. Aber nicht gemeinsam.

Vor einigen Wochen brachte Campos einen Baustopp für Luxuswohnungen im Mission District ein, aber die Stimmen reichten nicht. Auch Wiener hatte seine Zustimmung verweigert. "Ein Baustopp würde weder bezahlbare Wohnungen herbeizaubern noch eine einzige Räumung stoppen", sagt er. "Bis 2020 sind 30 000 Wohneinheiten geplant, darunter viele mit sozialverträglichen Mieten. Wir werden positive Veränderungen sehen, wenn wir so weitermachen." Campos hält dagegen: "Wohnungspolitik folgt häufig der Logik: Egal was du baust, es wird besser. Nur: Was gebaut wird, sind Luxuswohnungen. In der Mission sind es 93 Prozent der geplanten Neubauten, nur für sieben Prozent sind sozialverträgliche Mieten vorgesehen."

"Wir brauchen mehr bezahlbaren Wohnraum", sagt Stadtrat Scott Wiener.

(Foto: Scott Wiener Campaign)

Ist nun Wiener der Fortschrittliche und Campos der Bremser? Oder Campos das soziale Gewissen und Wiener der kühle Technokrat, der die Stadt verkauft? Der Stadtrat von San Francisco ist nicht bekannt dafür, sich zurückzulehnen, doch die Krise bringt die Politik an ihre Grenzen. Jahrelang hat die Region zu wenig gebaut.

Jetzt ist es fast zu spät: Die Stadt würde gerne Baugrund kaufen, um selbst bezahlbaren Wohnraum zu entwickeln. Aber die Preise sind inzwischen so hoch, dass es in die Milliarden geht. Eigentlich müssen Immobilienfirmen einen Teil ihrer Neubauten für Mieter mit niedrigen Einkommen freihalten, doch eine Gesetzeslücke erlaubt es ihnen, sich vergleichsweise günstig freizukaufen. Sogar gut gemeinte Ideen wie eine Mietpreisbremse für Menschen in älteren Gebäuden unterläuft der Boom: Viele Eigentümer haben Häuser verkauft oder versuchen, Mieter loszuwerden, weil die Neuankömmlinge jeden Preis zahlen.

"Wenn es so weiter geht, wird das hier eine Stadt, in der nur noch reiche Menschen leben", sagt Stadtrat David Campos.

(Foto: David Campos Campaign)

Es ist ein Schlamassel, der aus einem gutem Vorsatz entstand. Bürgermeister Ed Lee hatte wie sein Vorgänger Gavin Newsom San Francisco nach der Wirtschaftskrise von 2008 mit Steuererleichterungen für Twitter und Co. als Alternative zum Silicon Valley etabliert. Nun sind die Jobs da, aber ein Teil der Stadt droht zu verschwinden.

Soll der Bürgermeister nun die Firmen und gut ausgebildeten Tech-Arbeiter wieder wegschicken? Manch einer sagt, es würde schon helfen, wenn er seine Ohren nicht nur für die Meinung der einflussreichen Wahlkampf-Spender aus der Tech-Branche öffnen würde, die einen ausgezeichneten Draht ins Rathaus haben.

Kapitel 5: Ist es zu spät für San Francisco

Vor einem Café in der Mission. Ein Musiker (Gitarrenkoffer in der Hand) diskutiert mit einem Intellektuellen (mit Fahrrad und Umhängebeutel):

Musiker: "... und die neuen Häuser, die sie bauen, sind nur Luxuswohnungen. Niemand, den ich kenne, kann dort wohnen, die Leute hauen ab."

Der Intellektuelle nickt nachdenklich.

Musiker: "Diese Stadt ist eine Monokultur, und wenn Tech den Bach runtergeht, wird das hier auseinanderfallen und Ödland werden. Aber bezahlbar. Wie Detroit, nachdem die Autohersteller gingen ..."

Der Intellektuelle (nickend): "Mh-hm."

Wohin geht die Reise für San Francisco?

(Foto: Johannes Kuhn/Beate Wild)

Musiker: "Na ja, vielleicht nicht genau wie Detroit ..." (kurze Pause) "Kriminalität würde natürlich dabei helfen."

Der Intellektuelle (nach kurzem Nachdenken): "Vielleicht sollten wir eine Gang gründen."

Viele Menschen sind ratlos und haben Angst. Einige verstehen nicht, was gerade passiert, weil sie nur an einer Gegenwart Interesse haben, in der sich beliebig viele Realitäten ausblenden lassen. Andere sind sich unsicher, was San Francisco gerade ist und künftig sein wird.

Doch San Francisco hat sich schon immer verändert, manche sind deshalb optimistisch: "Diese Stadt hat noch jeden Goldrausch überlebt", sagt ein Buchhändler. Wer länger hier ist, erinnert sich an die Zeit nach der letzten Internet-Blase, als viele junge Menschen desillusioniert das Tal verließen und nicht einmal klar war, ob sie nicht Opfer einer Massenhysterie gewesen waren. Gewerbe-Vermieter überließen damals Start-ups ihre Büros, um möglichen Interessenten vorzugaukeln, dass nicht alles verloren war und das Internet bleiben würde.

Diesmal ist das Internet nicht nur geblieben, sondern sogar in seiner Wirkung buchstäblich explodiert. Diesmal ist es anders.

In den vergangenen Wochen ist vermehrt von jenen Tech-Arbeitern zu hören, die nicht bei den Konzern-Giganten und mit Multimillionen aufgepumpten Start-ups arbeiten und nun die Gegend verlassen. Sie ist zu teuer geworden.

Nirgendwo wuchs Technologie so in eine Stadt hinein wie in San Francisco. Nirgendwo anders als in Kaliformen ist Platz für diese gewaltigen Träume, die sich inzwischen in gewaltigen Geldsummen materialisieren. Und für die in der Tech-Szene verbreitete Hoffnung, dass sich die Welt doch verbessern lässt, und zwar von den Beteiligten selbst, mit der Hilfe vernetzter Geräte. Im Grunde ist Technologie das Letzte, was vom amerikanischen Traum nach dem absoluten Triumph des Kapitalismus als System moralischer Gleichgültigkeit übrig geblieben ist.

Wer ist wir?

Doch selbst wenn es diese bessere Welt wirklich gibt, dort hinten in der Zukunft: Wer darf dort leben? Ein Facebook-Profil wird nicht reichen für die Teilnahme. "Wir da draußen", sagen sie hier, wenn sie von dieser Gegend sprechen. Aber wer ist eigentlich "wir"?

Veränderung muss nichts Schlechtes sein. Allerdings muss San Francisco Fragen beantworten, die für alle Metropolen des Kapitalismus relevant sind: Werden lebenswerte Städte zu Orten, in denen es nichts außer superreich und superarm gibt? Ist die völlige Abwesenheit von Subkultur und Künstlern der Preis, den wir dafür entrichten, die meisten Straßen nachts ohne Furcht durchqueren zu können? Kann es im Angesicht der wachsenden Ungleichheit in urbanen Zivilisationen irgendwann überhaupt noch eine gemeinsame Identität, ja eine gemeinsame Realität geben? Oder ist das Problem auf die USA begrenzt, wo schon immer alles etwas extremer war?

Manch alteingesessene San Franciscaner sagen, dass nur ihre Stadt solche Widersprüche vereinen und die Probleme lösen kann. Weil nur die Menschen hier die Phantasie und das Bewusstsein dafür hätten. Genau deshalb seien sie einst nach San Francisco gekommen, erzählen sie. Weil sich die Stadt und ihre Menschen nie damit abgefunden haben, im Status quo zu verharren.

Wohin wird die Reise diesmal gehen?

Veranstaltungshinweis: SZ-Forum

Das Thema Gentrifizierung bewegt die Münchner wie kaum ein anderes. Am 24. Juni 2015 lädt die Süddeutsche Zeitung zu einem SZ-Forum unter dem Titel "Unbezahlbar schön. Und wo bleiben die Münchner?" ein. Bei der Podiumsdiskussion soll es um explodierende Mieten, die Macht der Investoren und die Rolle der Politik gehen - um Ängste der Münchner, aber auch um Ideen, die Mut machen.

Wer diskutiert? Matthias Lilienthal, designierter Intendant der Münchner Kammerspiele; Elisabeth Merk, Stadtbaurätin; Josef Schmid (CSU), Bürgermeister Stadt München; Jürgen Schorn, Gesellschafter Bauwerk Capital; Christian Stupka, Vorstand Wogeno und Gima; Moderation: Tom Soyer und Thomas Kronewiter, Süddeutsche Zeitung

Wann und wo? 24. Juni 2015, 19 Uhr im Freiheiz, Rainer-Werner-Fassbinder-Platz 1, München. Der Eintritt ist frei.