Von Moritz Koch

Wissenschaftler haben BSE-resistente Rinder erzeugt, die nur der Pharmaforschung dienen sollen.

Großes Aufsehen war dieser Meldung sicher: "Gentechniker in den USA haben Kühe erzeugt, die möglicherweise gegen Rinderwahnsinn resistent sind", verbreitete das Fachblatt Nature Biotechnology zum Jahreswechsel.

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"Die Forscher sehen darin eine Möglichkeit, BSE-freie Rinderprodukte zu schaffen", ergänzte die Nachrichtenagentur dpa. In Deutschland weckte dies Befürchtungen, die Genkühe seien für die Fleischproduktion bestimmt. Manch einer sah sich im Supermarkt schon vor die Wahl zwischen Pest und Cholera gestellt: Ein Steak von naturbelassenen aber BSE-anfälligen Rindern oder Fleisch von genmanipulierten aber garantiert BSE-freien Tieren.

"Das alles ist ein Missverständnis", seufzt Jürgen Richt. Er arbeitet für das US-Zentrum für Tierkrankheiten in Iowa und ist der Leiter der Forschungsgruppe, die die möglicherweise BSE-resistenten Rinder erschaffen hat.

Von den Wellen, die seine Experimente in Deutschland geschlagen haben, hat er bereits erfahren. "Ich sage es immer wieder: Wir beabsichtigen nicht, unsere Rinder für die Theke schlachten zu lassen." Es gehe vielmehr darum, Wirkung und Funktionen gewisser Eiweiße zu verstehen, die BSE auslösen können. Doch der Fall zeigt, wie heikel das Thema Rinderwahn noch immer ist.

Bei Menschen kann der Verzehr von BSE-verseuchtem Fleisch die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) auslösen, die das Gehirn zersetzt, bis der Patient qualvoll stirbt. Auch mehr als 20 Jahre nach seiner Entdeckung gibt der Rinderwahn Rätsel auf.

Zwar wissen Forscher inzwischen, dass pervertierte Prionproteine BSE verursachen. Doch wie aus den harmlosen Eiweißen BSE-Erreger entstehen, ist nicht umfassend erforscht. Unklar ist auch die Rolle, die Prionproteine bei gesunden Tieren spielen. Richt hat für sein Experimente zwölf Rinder gentechnisch so manipuliert, dass ihre Körper keine Prionproteine herstellen.

Inzwischen sind die Tiere zwei Jahre alt. "Sie sind bei bester Gesundheit," sagt er. "Das Fehlen der Proteine scheint sie nicht zu belasten."

Richts Theorie lautet, dass sich in prionprotein-freien Rindern auch keine BSE-Erreger bilden können und die Tiere somit immun gegen die Seuche sind. "Experimente mit Mäusen haben diese Vermutung bereits bestätigt", sagt Hans Kretzschmar, Prionforscher an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. Noch seien die Rinder aber zu jung, um sicher zu gehen.

Sollte sich Richts Theorie jedoch bestätigen, sieht Kretzschmar gute Chancen, die erzeugten Tiere zu vermarkten: "Pharmafirmen könnten resistente Herden züchten, um aus ihnen Inhaltsstoffe für Arzneimittel zu gewinnen, die garantiert BSE-frei wären."

Dass Gentech-Tiere einst in der Fleischtheke landen, hält auch Kretzschmar für abwegig: "Erstens verabscheuen zu viele Menschen genmanipulierte Nahrung. Zweitens ist unklar, ob die Tiere auch in der zweiten Generation gesund sein werden. Und drittens müsste man allein in Deutschland 14 Millionen Rinder ersetzen - mit wahnsinnigen Kosten."

Ohnehin ist in Deutschland die Zahl der an BSE erkrankten Rinder zuletzt deutlich gesunken. 2001, als die Seuche ihren Höhepunkt erreichte, wurden 125 erkrankte Tiere registriert.

2006 bestätigte sich der BSE-Verdacht nur noch bei 16 Rindern. Infektionen bei Menschen sind hierzulande bislang nicht aufgetreten. Anders in Großbritannien: Hier zählten die Behörden etwa 170 Opfer. Auch in Frankreich, Italien und Spanien gab es bereits BSE-Tote.

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(SZ vom 26.1.2007)