Tod durch Gentherapie

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Ein junger Mann ist vor einigen Jahren an einer Gentherapie gestorben. Und noch heute riskiert jeder, der an solch einem Experiment teilnimmt, den Tod. Die Erfolge bei Mäusen sind dagegen bereits atemberaubend. So wurden faule Labormäuse durch ein einziges zusätzliches Gen zu muskelprotzenden "Schwarzenegger-Mäusen".

Der Forschritt geht mit hohem Tempo weiter. Neuerdings müssen Forscher beim Gendoping nicht einmal mehr das Erbgut verändern. Gene lassen sich auch einfach durch Tabletten beeinflussen. Erst vor wenigen Tagen meldeten Wissenschaftler aus Kalifornien, dass sie aus faulen Mäusen ausdauernde Langstreckenläufer gemacht haben - und das ganz ohne Training. Sie gaben ihnen einfach zwei Substanzen zu fressen, die in den Muskelstoffwechsel der Tiere eingriffen.

Zu Recht fasst die Wada daher unter den Begriff Gendoping nicht mehr nur die direkte Genmanipulation, sondern alles, was den Körper dazu bringt, die vorhandenen Erbanlagen besser zu nutzen.

Die neuen Verfahren beim Gendoping mögen sanfter sein - ungefährlich sind auch sie nicht. Trotzdem gibt es Sportler, die bereits danach lechzen. Als Lee Sweeney von der Pennsylvania School of Medicine seine Forschungsergebnisse über eine Muskel-Maus veröffentlichte, ging es ihm um eine Therapie für Muskelschwäche. Doch seither bekommt der Professor ständig E-Mails von Bodybuildern und Kraftsportlern, die sich statt der Mäuse als Versuchsobjekte anbieten. Sweeney ist fassungslos.

Der Ehrgeiz der Sportler und die Möglichkeiten der Genetik mögen vielen Menschen als Horrorszenario erscheinen. Den Tübinger Anti-Doping-Forscher Perikles Simon lassen sie trotzdem relativ kalt. Mit den neuen Erkenntnissen gebe es "lediglich mehr Möglichkeiten, die Leistung noch einmal zu steigern", sagt er. Sie seien auch nicht schlimmer als die alten. Allerdings sind die Kontrollen bei den genetischen Fitmachern bisher noch besonders schwierig.

Solange die Wissenschaft dem Ideenreichtum der Gendoper hinterherhinkt, könnte neben den Körpern der Sportler vor allem eines leiden: die Freude der zweifelnden Zuschauer über die Rekorde.

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(SZ vom 06.08.2008)