Die Verletzung durch ihren untreuen Mann hat sie nicht still ertragen, sondern genutzt. 1949 lässt sich die Frau von Dr.Franz Burda als Wiedergutmachung für seine Affäre einen maroden Modeverlag schenken. Im Januar 1950 erscheint das erste Heft von Burda Moden. Sieben Jahre später erreicht die Auflage eine halbe Million Exemplare.
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Frauen Appetit auf Mode machen
"Ein Frühlingstag macht Mariannes Herz froh und weit und gibt die richtige Stimmung, um ihr hinreißend elegantes Complet, das Schlagermodell für den Monat Mai, auszuführen." So heißt es in einer Burda Moden-Ausgabe von 1957. Es ist nicht überliefert, wie viele Frauen im zauberhaften Mai-Complet über die Bürgersteige der jungen Bundesrepublik schwebten, aber genau so funktionierte Aenne Burdas Idee: Frauen Appetit auf Mode machen. Nach den tristen Nachkriegsjahren war das Magazin die farbfotografierte Verheißung von Normalität, in der es endlich wieder dazugehörte, sich schön anzuziehen.
Wünsche wecken, die Erfüllung mitliefern, hieß das Erfolgsrezept. Aenne Burda hat erkannt, dass die im eigenen Studio inszenierten Bildstrecken - "Elegantes zur Cocktailstunde" oder "Frohe Jungmädchenzeit" - nur dann nicht als hohles Vorgaukeln einer Kunstwelt erscheinen, wenn die Anleitungen konkrete Nähhilfe leisten. Das Versprechen von Machbarkeit hat Burda Moden zur Komplizin gemacht, wo Luxusblätter wie Vogue mit Berichten vom Laufsteg in Paris nicht mehr waren als schnell verglühende Feuerwerke phantastischer Verkleidungen.
Der Erfolg gab der Verlegerin recht. Das Team aus Schneiderinnen, Grafikern, Redakteurinnen wuchs ständig; zwei Büroneubauten wurden während der Ägide der Chefin errichtet. Die Redaktion entwarf bis zu achtzig Modelle pro Heft samt dazugehörigem "Schnittmusterbogen", der für Laien einem gekrakelten Tohuwabohu aus Linien gleicht - die Kennerin rädelt treffsicher die Vorlagen für das gewählte Modell mit einem Schnittbogenrädchen aus.
Keine Experimente
"Aenne machte nicht auf Avantgarde", kommentierte Karl Lagerfeld die Kollektionen aus dem Hause Burda. Und wahrscheinlich kann man den Einfluss des stets maßvollen, man könnte auch sagen: braven Burda-Schicks auf den deutschen Modegeschmack nicht hoch genug einschätzen. Die Stilwächter an den Nähtischen orientierten sich zwar an den Trends der Modemetropolen, vor allem in den mondäner gehaltenen Sonderheften Burda International.
Aber entscheidend war immer "Tragbarkeit". Kein aufdringliches Dekolletée, Röcke nicht zu hoch geschlitzt, Hosen bis in die sechziger Jahre verpönt - das waren die Standards der ersten Hefte, und so ist es im Grunde bis heute gelieben: keine Experimente. Das erklärt den länderübergreifenden Erfolg des Hefts. Aber er ist längst nicht mehr so groß. 2007 betrug die weltweite Auflage 1,2 Millionen, 1989 noch vier Millionen. Damals hatte es die russische Ausgabe als erstes westliches Heft in die Sowjetunion geschafft. Inzwischen heißt das Magazin Burdastyle und wird hierzulande monatlich 150000 Mal verkauft.
Abgesehen davon, dass der Umgang mit Mode lässiger geworden ist, die richtige Rocklänge kein ernsthaft diskutiertes Thema mehr darstellt und die Einkleidung der Massen "Zara" oder "H&M" besorgen - vielleicht war der ganz große Erfolg von Burda an die Gründerin gebunden. Dankesbriefe aus allen Teilen der Welt in den Vitrinen der Offenburger Ausstellung machen deutlich, dass die Monatsnachrichten aus dem Schnittmusterreich auch wegen des Editorials samt Foto sehnsüchtig erwartet wurden. Aenne Burda teilte ihre Gedanken mit über Weihnachtsbräuche, die Tugend der Pünktlichkeit oder extrafeine Kochrezepte, und es war, als käme die patente Freundin ins Haus. Die FAZ schrieb passend von "seelischen Schnittmustern".
Schnelle Autos, schöne Kleider
1994 übergab Aenne Burda das Zepter an ihren Sohn Hubert. Sie war 85 und eine einflussreiche Frau, die mit ihrer Idee vom Schnittmustermagazin, mit Sonderheften und Kochbüchern "Geld verdient hat, wie Blätter an den Bäumen wachsen". So hat sie es selbst ausgedrückt. Ihr Anteil am Erfolg des Burdakonzerns ist unbestritten - für sie selbst war entscheidend: "Ich bin Burda Moden." An ihr vorbei schaffte es keine Rockfalte ins Heft.
1994 übergab Aenne Burda das Zepter an ihren Sohn Hubert. Sie war 85 und eine einflussreiche Frau, die mit ihrer Idee vom Schnittmustermagazin, mit Sonderheften und Kochbüchern "Geld verdient hat, wie Blätter an den Bäumen wachsen". So hat sie es selbst ausgedrückt. Ihr Anteil am Erfolg des Burdakonzerns ist unbestritten - für sie selbst war entscheidend: "Ich bin Burda Moden." An ihr vorbei schaffte es keine Rockfalte ins Heft.
Legendär sind ihre Wutausbrüche mit Herumtrampeln auf misslungenen Bildstrecken, die Inspektionen auf Betriebsfeiern: "Des isch aber ein schönes Kleidle." Sie hat sich Freiheiten genommen, schnelle Autos vergöttert, Hof gehalten in den Ferienvillen in Antibes und Anif; sie bewegte sich im Kreis der Reichen und der Politprominenz, wollte "immer die Schönste sein", auf Bällen, beim jährlichen "Bambi"-Medienrummel. Mit ihrem sizilianischen Liebhaber und Malerfreunden im Süden fand sie Ablenkung vom Wirtschaftswunderfraudasein.
Dieses Image ist sie nie losgeworden, und dazu passt ein schönes Foto von 1952. Aenne Burda beim "Rosencorso" in Baden-Baden, prämiert werden Dame und Auto. Ihr gelber "Rometsch" mit roten Lederpolstern ist nelkenübersät, die Fahrerin eine Schönheit mit Lippenstift und Hut. Das gab den zweiten Preis. Aenne Burda schwärmte noch im hohen Alter nie von diesem Auftritt, ohne den Kopf zu schütteln. "Warum ich nicht den ersten bekommen habe, weiß ich nicht."
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(SZ vom 28.07.2009/aro/bre)
Urteil am Bundesverfassungsgericht
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1994 übergab Aenne Burda das Zepter an ihren Sohn Hubert. Sie war 85 und eine einflussreiche Frau, die mit ihrer Idee vom Schnittmustermagazin, mit Sonderheften und Kochbüchern "Geld verdient hat, wie Blätter an den Bäumen wachsen". So hat sie es selbst ausgedrückt. Ihr Anteil am Erfolg des Burdakonzerns ist unbestritten - für sie selbst war entscheidend: "Ich bin Burda Moden." An ihr vorbei schaffte es keine Rockfalte ins Heft.