Das beantwortet aber nicht die Frage, warum auch immer mehr nichtprominente Eltern die Geburt ihrer Kinder per Facebook, Twitter und SMS bekanntgeben. Soziologen, die sich mit der Auswirkung von sozialen Netzwerken befassen, sprechen von "Identitätsmanagement". Mit Hilfe von Blogs, Pinnwand-Einträgen und Kurznachrichten lässt sich das eigene Image wunderbar frisieren. Die Frage ist nur, was an diesem öffentlich zugänglichen Konstrukt echt ist und was Show. Wenn der Grünen-Politiker Cem Özdemir auf seiner Facebook-Seite schreibt, dass er "mächtig stolz" auf die Geburt seines zweiten Kindes sei und öffentlich der Hebamme dankt, dient das sicherlich auch der Imagepflege.
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"Liebes Twitter, meine Fruchtblase ist gerade geplatzt. Nun time ich meine Wehen mit einer iPhone-Anwendung", teilte Sara Morishige Williams der Weltöffentlichkeit mit, als sie im Sommer 2009 mit ihrem Sohn niederkam. Die live ins Internet übertragene Geburt war eine Eigenwerbung, denn bei der werdenden Mutter handelte es sich um die Frau des Twitter-Gründers Evan Williams. Die Handy-Software namens Contraction Tracker konnte sie allerdings nicht allzu lange verwenden. Denn eine Stunde später twitterte Sara Morishige Williams: "Die Wehen zu messen, machte Spaß - bis sie anfingen, richtig zu schmerzen."
Frisch gebackene Eltern betwittern sich gerne auch gegenseitig, um zu betonen, wie groß die Harmonie ist. Nach der Geburt ihrer Tochter Willow Sage (Weide Salbei) schrieb die Sängerin Pink im vergangenen Juni: "Sie ist umwerfend, genau wie ihr Daddy." Carey Hart, der umwerfende Daddy, zwitscherte umgehend zurück: "Sie ist hinreißend, genau wie ihre Mama." Nach der Geburt von Harper Seven im Juli vermeldete Victoria Beckham das perfekte Familienglück auf Twitter, und David Beckham schwärmte über die Tochter: "Sie ist so ruhig, so ladylike, so feminin", schrieb er, "wie sie atmet, lacht, Geräusche macht - alles ist so unglaublich!"
Privatleben auf 140 Zeichen
Die Grenzen zwischen den echten Beckhams und den künstlichen Beckhams verschwinden. Der New Yorker Internet-Experte Jeff Jarvis vertritt den Standpunkt, dass es sowieso keinen Unterschied mehr gibt zwischen dem analogen und digitalen Leben. Er fordert mehr Privates in der Öffentlichkeit, denn dies sei eine Voraussetzung für Fortschritt: "Privates und Öffentliches sind nicht im Krieg. Wir brauchen beides."
Der Fortschrittswert von Twitter ist allerdings begrenzt - auf 140 Zeichen pro Nachricht. Viel zu wenig, um komplexe Gedankengänge auszudrücken, so dass es meist bei plakativen Äußerungen bleibt: "Wir freuen uns sehr, die Geburt unseres Babys Hattie Margaret McDermott bekannt zu geben. Xoxo", twitterte Schauspielerin Tori Spelling nach der Geburt ihrer Tochter im Oktober. Dazu veröffentlichte sie ein Foto von den Füßchen ihres Kindes; Xoxo bedeutet übrigens "Umarmung und Küsschen".
Dienste wie Facebook und Twitter wollen zum digitalen Abbild des Lebens ihrer Nutzer werden, und das scheinen viele Leute wörtlich zu nehmen. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat kürzlich definiert, was er vom vernetzten Bürger erwartet: Dass dieser "die ganze Geschichte seines Lebens auf einer einzigen Seite erzählt". Die psychologischen Hürden, sich eines Tages von Facebook abzumelden, würden dadurch immer höher, wie Internet-Guru Jeff Jarvis schreibt - durch die Abnabelung von Facebook verlöre man dann quasi sein Leben.
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Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
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(SZ vom 28.12.2011/vs)
Wettmanipulation im Fußball
derjenige der so ein Zeugs reinstellt oder derjenige der's anschaut??
Ja und? Laßt sie doch!
scheints ja interessiert zu haben... Da unsere Kriterien für Glück und Erfolg ja v.a. durch die Medien (Hollywood) definiert werden, ergo Schönheitsideale, Reichtum als allseeligmachendes Ziel des Lebens etc. müssen sich halt diejenigen, die dieses Ziel nie erreichen werden irgendwie im Glanz von Berühmtheiten sonnen - und wenn man im Freundeskreis stolz rumerzählen kann, dass man zu irgendeinem Promi getwittert und der auch noch geantwortet hat - das scheint ja schon was zu sein...
Früher waren das die Speichellecker vom König die ihm beim Stuhlgang und beim Beischlaf mit Geliebten/Königin beobachtet und gelobt haben - heute sind es die "Twitterfollower"...
Wer sich nur durch seine Pressemitteilungen, die letztlich niemanden interessieren, definiert, der sollte professionelle Hilfe suchen.