Von Inge Smolek

Zur aktiven Immunisierung gibt es einen Lebendimpfstoff aus abgeschwächten, vermehrungsfähigen Masernviren. Masern wird normalerweise als Kombinationspräparat gemeinsam mit Mumps und Röteln geimpft (MMR-Impfung), ist aber auch als Einzel-Impfstoff erhältlich. Die beiden Teilimpfungen gegen Masern sollen innerhalb des zweiten Lebensjahres vorgenommen werden, der Mindestabstand beträgt 4 Wochen. In Deutschland wird die Impfung ab dem 11. Lebensmonat empfohlen, in Österreich wird erst ab dem 14. Lebensmonat geimpft.

Anzeige

Bei fehlender Immunität kann die Impfung jederzeit nachgeholt werden. Je später das Erkrankungsalter, desto schwerer verläuft die Erkrankung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) strebt an, die Masern zu eliminieren. Masern können eliminiert werden, wenn die Durchimpfungsrate gegen Masern bei Kindern mehr als 95% erreicht.

Erreger und Krankheitsbild

Masern (Morbilli) sind eine hochinfektiöse fieberhafte Erkrankung, die von Viren der Familie Paramyxoviridae übertragen wird. Masernviren werden durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion oder durch Luftströme direkt von Mensch zu Mensch übertragen. Nachdem nicht immune Menschen mit dem Virus infiziert wurden, erkranken nur ein Prozent nicht, bzw. 99 Prozent der Nichtgeimpften erkranken. Masern beginnen mit Fieber, Husten, Schnupfen, Bindehautentzündung und dem Auftreten der charakteristischen roten Flecken (Loplik-Flecken).

Als Komplikationen können Bronchitis und Lungenentzündung (4-7 Prozent der Erkrankten), Mittelohrentzündung, Gehirnentzündung (1 auf 2000 Erkrankungen) und andere schwere Krankheiten auftreten. Mit steigendem Alter steigt die Komplikationsrate. Überstandene Masern hinterlassen eine lebenslange Immunität.

Wirkprinzip der Impfung

Aktive Immunisierung Zur aktiven Immunisierung gibt es einen Lebendimpfstoff aus abgeschwächten, vermehrungsfähigen Masernviren. Sie werden in Zellkulturen aus Hühnergewebe vermehrt und dabei gleichzeitig abgeschwächt. Geimpfte sind nicht ansteckend. Masern wird normalerweise als Kombinationspräparat gemeinsam mit Mumps und Röteln (MMR-Impfung) geimpft, ist aber auch als Einzelimpfstoff erhältlich. Neu ist die Kombination der MMR mit der Impfung gegen Windpocken (auch Feuchtblattern, Varizellen) als MMR+V oder MMRV (ab Verfügbarkeit).

Die Masernimpfung wird in Deutschland ab dem 11. Lebensmonat, in Österreich ab dem 14. Lebensmonat durchgeführt. Die zweite Teilimpfung sollte noch im zweiten Lebensjahr erfolgen, der Mindestabstand zwischen den beiden Impfungen beträgt 4 Wochen. Nach der aktiven Impfung weisen etwa 95 Prozent der Impflinge Antikörper gegen Masernviren auf. Von einem ursprünglich erwarteten lebenslangen Impfschutz gehen neuere Untersuchungen nicht mehr aus. Es wird erwartet, dass auch hier im Abstand von jeweils zehn Jahren Auffrischungsimpfungen notwendig werden.

Passive Immunisierung Je jünger ein Baby ist, desto gefährdeter ist es durch eine Maserninfektion. Kommt in einer Familie ein Masernfall vor, so können ungeimpfte Babys unter einem Jahr zu ihrem Schutz eine passive Immunisierung mit Immunglobulinen erhalten. Dies sind Masern-Antikörper, die bei rechtzeitiger Gabe den Ausbruch der Masern bei Säuglingen oder anderen gefährdeten Personen verhindern. Allerdings sind Säuglinge bis zum ersten Lebensjahr meist ohnehin durch die von der Mutter weitergegebenen Antikörper geschützt.

Vor allem, wenn die Mutter die Masern natürlich durchgemacht hat. Geimpfte Mütter geben hingegen einen recht schwachen Immunschutz an ihre Kinder weiter.

Verabreichung, Gegenanzeigen, Nebenwirkungen

Die aktive Masernimpfung wird entweder unter die Haut (subkutan) oder in die Muskeln (intramuskulär) injiziert. Wird sie versehentlich intravenös verabreicht, so kann es zu allergischen Schockreaktionen kommen.

Die neu empfohlene Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe C im 2. Lebensjahr sollte nicht gleichzeitig it der MMR+V bzw. MMRV-Impfung erfolgen, sondern mit einem Abstand von mindestens vier Wochen.

Kinder die an Immundefekten leiden und solche, die sich in immun-unterdrückender Behandlung befinden, dürfen keine aktive Impfung bekommen. Hier ist bei Gefährdung die passive Immunisierung empfohlen.

Bei etwa fünf Prozent der Geimpften versagt der Impfschutz. Dies kann passieren durch nicht sachgemäße Kühlung des Impfstoffes, falsche Lagerung oder Nichteinhaltung der erforderlichen Zeitabstände (drei Monate) zu etwaigen passiven Impfungen oder Bluttransfusionen. Das Versagen kann aber auch auf immunologische Besonderheiten des Impflings zurückzuführen sein.

Da die meisten Impfungen als Kombinations-Präparat verabreicht werden, ist es schwierig zu sagen, welche Komplikationen auf die Masern-Komponente zurückzuführen sind. Sicher ist dies nur bei den Impfmasern. Sie betrifft etwa 5 bis 15 Prozent der Impflinge und entwickelt sich etwa ab dem 6. Tag nach der Impfung. Fieber über 39 Grad, das etwa ein bis zwei Tage anhält, kann vorkommen. In Zusammenhang mit dem Fieber werden gelegentlich (ca. 1 : 180.000) Fieberkrämpfe beobachtet. Gehirn- und Gehirnhautentzündungen nach Impfung kommen sehr selten vor (etwa 1 : 1.000.000).

Bei Personen mit Hühnereiweiß-Allergie kann es nach der Impfung zu allergischen Reaktionen kommen. Dies trifft aber nur auf solche Allergiker zu, die stark auf den Verzehr von Hühnereiern reagieren. Eine geringgradige "Unverträglichkeit" von Hühnereiern oder bei denen nur ein Hauttest auf die Allergie hinweist, können nach Meinung der meisten Experten geimpft werden. Ebenso Menschen mit einer Allergie gegen Hühnerfedern.

Wie bei allen Impfungen dürfen kranke Kinder nicht geimpft werden, auch wenn diese Krankheit relativ glimpflich zu verlaufen scheint oder bereits im Abklingen ist. Schwangere sollten niemals eine aktive Impfung bekommen, da theoretisch ein Infektionsrisiko für das Ungeborene besteht. Der Impfarzt sollte außerdem darauf hinweisen, dass eine Frau drei Monate nach der Impfung nicht schwanger werden sollte.

Gesundheitspolitische Ziele

Speziell in Entwicklungsländern mit schlechter sozialer Versorgung und Unterernährung sind die Masern nach wie vor eine der häufigsten Todesursachen bei Kindern.

Im Jahr 2000 haben die Masern laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit 44 Prozent fast die Hälfte der 1,7 Millionen durch Impfung vermeidbaren Todesfälle bei Kindern unter 15 Jahren verursacht. 5 Prozent aller Todesfälle bei Kindern unter 5 Jahren gehen auf das Konto des Masernvirus. Weltweit konnten durch die Impfung geschätzte 80 Millionen Masernfälle, davon 4,5 Millionen Masern bedingte Todesfälle, verhindert werden. In den USA, wo bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten gegen Masern geimpft wird und oftmals die Regel gilt: "no vaccination - no school" (keine Impfung - keine Schule), treten die Masern, abgesehen von vereinzelten Epidemien, kaum noch auf. Die Masernimpfung ist bei Studienaufenthalten in den USA eine Pflicht-Reiseimpfung.

Die WHO hat die Masern in ihren Katalog der ausrottbaren Krankheiten aufgenommen und will dieses Ziel in Europa bis 2007 erreichen. In Österreich ist die Durchimpfungsrate dafür aber noch zu  gering.

Experten: Univ. Prof. Dr. med. Herwig Kollaritsch (Tropenmedizin, Reisemedizin, Impfwesen),Dr. med. Gert Vetter (Allgemeinmedizin)

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Wüste bebt

Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...

(Quelle: surfMED)