1500 Frauen sterben in Deutschland jedes Jahr an Gebärmutterhalskrebs. Jetzt sollen alle Mädchen zwischen zwölf und 17 Jahren die notwendigen Spritzen erhalten.
Erstmals soll in Deutschland eine flächendeckende Impfung vor einer Krebserkrankung schützen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat für Mädchen im Alter von zwölf bis 17 Jahren die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs empfohlen. Dies teilte das Robert-Koch-Institut (RKI), für das die Expertenrunde tätig ist, am Montag mit.
Spritze, Schmerzen, Schutz: Die 14-jährige Australierin Sophie Weisz war eine der Versuchspersonen, an der der Impfschutz getestet wurde. (© Foto: dpa)
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"Die epidemiologische Nutzen-Risiko-Abwägung der Impfung ist eindeutig positiv für diese Altersklasse", sagt Christiane Meyer vom RKI. Mehrere Krankenkassen hatten bereits vor diesem Votum die Kostenübernahme angekündigt.
"Wir begrüßen die Empfehlung der Stiko sehr", sagt Barbara Marnach vom AOK-Bundesverband. Die AOK hatte, wie viele andere Kassen auch, die Kostenübernahme der Impfung im Dezember angekündigt. "Frauen und junge Mädchen mussten bisher das Geld für die Impfung vorstrecken und bekamen es nachträglich von den Kassen erstattet", so Marnach.
Die Kosten für die Impfung betragen pro Dosis derzeit etwa 150 Euro; es sind 450 Euro notwendig, um den kompletten Impfschutz zu erzielen.
Impfung gilt als zuverlässig
Vom 1. April an werden Impfungen Pflichtleistung der Krankenkassen. Innerhalb von drei Monaten muss sich der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) dann zu den Empfehlungen der Stiko äußern und, falls er den Ratschlägen der Experten nicht folgen möchte, dies ausdrücklich begründen. Der G-BA bestimmt, welche Leistungen von den Krankenkassen erstattet werden.
Auf eine Impfung gegen Krebs hoffen Ärzte wie Patienten schon lange. Die meisten Tumorarten entziehen sich bisher jedoch einer Vorbeugung aus der Spritze.
Die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs gilt als zuverlässig. Innerhalb von sechs Monaten wird der Wirkstoff dreimal in die Muskeln gespritzt, um ihn optimal nutzen zu können. Nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts sollte die Impfung vor dem ersten Geschlechtsverkehr abgeschlossen sein.
Viren werden durch Geschlechtsverkehr übertragen
Der Impfstoff, der unter den Präparate-Namen Gardasil und Silgard seit vergangenem Jahr im Handel ist, wirkt gegen Papillom-Viren. Die Bekämpfung dieser Erreger ist von entscheidender Bedeutung, um Gebärmutterhalskrebs zu verhindern.
Etwa 70 Prozent dieser Tumore werden von den Papillom-Viren 16 und 18 ausgelöst. Die Erreger werden hauptsächlich durch Geschlechtsverkehr übertragen und können das Gebärmuttergewebe dazu anregen, zu entarten. Aus dem veränderten Gewebe entstehen nach einiger Zeit zunächst Krebsvorstufen und dann Tumore.
In wissenschaftlichen Studien an 20.000 Frauen hat sich gezeigt, dass der Impfstoff die Entwicklung von gesunden Zellen zu Krebsgewebe verhindern kann.
Die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs wurde in den USA im Juni 2006 und europaweit im September 2006 zugelassen. In Deutschland erkranken 6500 Frauen jährlich an Gebärmutterhalskrebs. Jedes Jahr sterben etwa 1600 Frauen an dieser Erkrankung.
In den Industrieländern gehört der Zellabstrich am Gebärmutterhals seit Jahrzehnten zur Krebsvorsorge. Dadurch ist die Häufigkeit des Leidens in den reichen Ländern bereits um mehr als die Hälfte zurückgegangen, denn auf diese Weise können Krebsvorstufen schon sehr früh erkannt und behandelt werden. In Afrika ist Gebärmutterhalskrebs hingegen der häufigste Tumor bei Frauen überhaupt.
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(SZ vom 27.03.2007)
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