Für den Salon-Traum musste sich Freddy Leck verschulden. In der Dekoration und den gerahmten Fotos drückt er vor allem die Dankbarkeit aus, es überhaupt so weit geschafft zu haben. Königin Elisabeth ist ihm wichtig ("Ich mag ihre zurückhaltende Art"), Mireille Mathieu ist ihm noch wichtiger, und der vormalige Papst ist ihm am allerwichtigsten: "Von ihm habe ich hoffen gelernt."

Anzeige

Drei Damen vom Grill

Ein bisschen muss man sich auf die Zunge beißen, um nicht zu fragen, wie viele Folgen der TV-Serie "Drei Damen vom Grill" er wohl auswendig kennt, weil das hier auch so ähnlich ist, mit der treuen Ilka und mit der rauen, aber herzigen Nachbarschaft, die er ganz furchtbar stark ins Herz geschlossen hat und die ebenfalls mit einer eigenen Fotowand repräsentiert ist. Da sieht man Kellner, Dönerbuden-Männer, Handyshop-Betreiber und Gemüsehändler von der Gotzkowskystraße, jeweils vor ihren Läden lachend in Gruppen stehend. Freddy Leck hat sie alle fotografiert und ihnen einen Platz an seiner Wand und damit in seinem Herzen gegeben.

Ja, Freddy Leck ist Harald Juhnke, Ilka ist Brigitte Mira und einen Dritten müsste es auch geben. Und tatsächlich - der sitzt hinten im Büro und kümmert sich um das Produktdesign für Freddy Leck. Es ist Florian, ein Designstudent, ebenfalls aus der Nachbarschaft rekrutiert. "Jetzt ist Freddy Leck mein Leben", sagt er. Man wundert sich kaum, wenn man erfährt, dass "Drei Damen vom Grill" unweit des Waschsalons gedreht worden ist.

Florian unterstützt F. Leck dabei, eine besondere Waschmittel-Edition von Moabit aus in die ganze Welt zu vertreiben. Das heißt natürlich "Freddy Leck sein Waschmittel", erhältlich in Hellblau für Jungen und in Rosa für Mädchen. Im Waschpulver für Jungs ist etwas mehr Fleckensalz enthalten, es gibt die Geruchsrichtungen Ken (Freund von Barbie), Bonanza, Kimba und Roy Black.

Waschen deluxe

Das Waschmittel für Mädchen ist etwas süßer, ein bisschen mehr Barbie, Biene Maja, Heidi und Cinderella. Das Pulver ist ein chices Produkt, mehr Dekorationsartikel als alltäglicher Drogeriebedarf. Wer 4,99 Euro dafür hinlegt, bekommt ein Päckchen im Retro-Design - mit einer Portion Waschmittel und Weichspüler. "Waschen deluxe", sagt Freddy Leck dazu und präsentiert sich mit seiner frechen Aktion auf Geschenkemessen und in einigen Berliner Designerboutiquen.

Im Praxistest kommt man kaum zu Ergebnissen wie "irischer Frühling" oder "flauschig-weiche Frische" mit einem "faszinierenden Dufterlebnis", wie man das von anderen Waschmittelriesen kennt. Aber darum geht es Freddy Leck auch gar nicht. Ihm geht es mehr darum, etwas Ursprüngliches zu stimulieren: Erinnerung an die rosarote Welt der Kindheit, des Fernsehglücks, der Hitparade. Imagination ist alles.

Im Salon selbst kann man auf konventionelle Vollwaschmittel zurückgreifen - schwarzes oder weißes Waschmittel lehnt Leck allerdings ab: "Das Leben ist nicht schwarz oder weiß." Und im Umgang mit Flecken rät Fleck zu mehr Gelassenheit: "Zaubermittel gibt es nicht. Flecken sind Spuren des Lebens, manchmal auch der Liebe."

Freddy Leck hat noch viele Pläne für die Zukunft. Er will seinen Salon auch für Gespräche über Politik und Kunst und das Leben öffnen, so ein richtiger Salon soll es sein, wie im Fin de Siècle. "Ich könnte stundenlang über Glück und Unglück reden." Ein großes Glück der Menschheit erlebt er schon täglich: "Wie sich die Leute freuen können, wenn der Fleck endlich draußen ist."

Sie sind jetzt auf Seite 3 von 3

  1. Seifenoper
  2. Seifenoper
  3. Sie lesen jetzt Seifenoper
Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Wüste bebt

Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...

(SZ vom 04.10.2008)