Geheimratsecken, Glatze, Grauheit - manche Menschen zeigen schon frühzeitig Zeichen des Alters. Sterben sie deshalb auch eher?

Schon in der Antike gab es Versuche, schütterem Haar mit Tinkturen wie Igelblut oder Tarantelsud beizukommen. Heute forsten Chirurgen kahle Stellen mit verbleibenden Haarwurzeln auf. Und für künstliche Haarfarbe geben Europäer jährlich Milliarden Euro aus.

Pierluigi Collina, Reuters

Männer mit Glatze haben ein höheres Risiko, einen Herzinfarkt zu bekommen. Beim Schiedsrichter Pierluigi Collina glaubt man das sofort (© Foto: Reuters)

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Dass die Zeichen des Alters auf dem Kopf so unbeliebt sind, hängt wohl auch damit zusammen, dass sie ihrem Träger die eigene Sterblichkeit bewusst machen. Doch sagen die äußeren Erscheinungen tatsächlich etwas über die Lebenswerwartung aus?

Dänische Wissenschaftler haben in der Copenhagen City Heart Study 20.000 Menschen über einen Zeitraum von 16 Jahren beobachtet und dabei auch deren Geheimratsecken, graue Schläfen und Falten registriert. Dabei fanden sie ein erhöhtes Herzinfarktrisiko bei Glatzenträgern. Bei ihnen sei zuviel Testosteron am Werk, es lasse nicht nur die Haare ausfallen, sondern begünstige Gefäßschäden, vermuten Forscher.

Einen Zusammenhang zwischen den äußeren Alterserscheinungen und der Lebensdauer fand die dänische Studie dagegen nicht. Eine Ausnahme bildeten Männer, deren Haare auch im Alter ihre Naturfarbe behielten. Sie lebten ein wenig länger als der Durchschnitt.

Wann die Haare des Menschen dauerhaft ihre Farbe oder Fülle verlieren, ist weitgehend genetisch festgelegt. So ergrauen Afroamerikaner im Schnitt erst mit knapp 44 Jahren, obwohl sie unter ungünstigeren Bedingungen leben und ihre Lebenserwartung fünf Jahre weniger beträgt, als die von weißen US-Bürgern. Die länger lebenden Weißen zeigen dagegen bereits ab 34 erste graue Strähnen, Asiaten in ihren späten Dreißigern.

Ein Ende der Sorge um den Schopf wird derart Erkenntnis aber wahrscheinlich nicht bedeuten. Denn fülliges, gepflegtes Haar ist nicht nur ein Zeichen für Jugend, sondern auch für den sozialen Status - und das schon seit der Frühzeit, wenn man einer britischen Forschungsarbeit glaubt. Der Primatenforscher Adrian Barnett führt aus, dass die Fähigkeit des menschlichen Haares, bodenlang zu wachsen, biologisch gesehen, unnütz ist. Wozu dient sie also? Die Antwort: Sie hat eine soziale Funktion. Wer sein Haar trimmen und pflegen wollte, brauchte Helfer, wer Helfer hatte, war sozial integriert und angesehen. Der Friseur dürfte demnach einer der ersten Berufe der Welt gewesen sein.

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(sueddeutsche.de)