Frage an die Reichen Macht Geld glücklich?

Es ist wahrscheinlicher, vom Blitz erschlagen zu werden, als den Lotto-Jackpot zu knacken. Doch was ist, wenn es wirklich klappt? Fragen wir ein paar Leute, die das beurteilen können.

Die Chancen, an diesem Samstag den Lotto-Jackpot zu knacken, liegen bei 1:140.000.000. Trotzdem hoffen viele Menschen, schon bald mit 38 Millionen Euro glücklich zu werden. Was erwartet Sie, wenn es klappt?

Robbie Williams, Popstar: "Glück hat nichts mit Geld zu tun. Manchmal fühle ich mich, als könnte ich mein ganzes Geld weggeben. In meinen dunkelsten Momenten glaube ich, dass mein Leben leichter wäre, wenn ich nicht mehr als 100 Pfund hätte. Ich könnte dann als freier Mann durch die Straßen gehen, ein Mädchen kennen lernen und das ruhige Leben führen, nach dem ich mich sehne."

Richard Layard, Professor für Wirtschaftswissenschaften, London School of Economics: "Zwar sind überall auf der Welt reiche Menschen im Schnitt glücklicher als arme. Aber obwohl die westlichen Industrienationen immer reicher werden, wird die Gesellschaft insgesamt nicht glücklicher. Der Lebensstandard funktioniert ein bisschen wie Alkohol oder Drogen: Wenn ich eine angenehme neue Erfahrung gemacht habe, dann brauche ich immer mehr davon, um weiterhin das gleiche Glück zu empfinden. Das benötigte Einkommen wird immer höher, je mehr die Leute verdienen. Kein Wunder, dass die Menschen so nicht glücklicher werden."

Was man sich von 38 Millionen leisten könnte:

Was sich sueddeutsche.de-Leser von dem Geld leisten würden:

Marcel Reich-Ranicki, Literaturkritiker: "Geld allein macht nicht glücklich, aber es ist besser, in einem Taxi zu weinen als in der Straßenbahn."

Fazit einer Studie der Universität Oxford zur "Psychologie des Glücks": "Reiche sind nur wenig glücklicher als andere. 100 befragte Supermillionäre mit jeweils mehr als 125 Millionen Dollar Vermögen fühlten sich zu 67 Prozent glücklich, zufällig ausgewählte Amerikaner zu 62 Prozent - der Unterschied ist statistisch gesehen also nur unwesentlich."

David Kahnemann, Nobelpreisträger für Wirtschaft: "Wir haben die Frage untersucht, welche Aktivitäten glücklich machen. 1000 berufstätige texanische Frauen schrieben für unsere Studie eine Art Glückstagebuch. Ergebnis: Auf den ersten vier Positionen standen Tätigkeiten, die kaum Geld kosten: Sex, Freunde treffen, essen, entspannen. Die drei wichtigsten Unzufriedenmacher waren die Fahrt zur Arbeit, die Arbeit selbst und die Heimfahrt nach Hause."

Aus einer Studie des amerikanischen Psychologen Michael Argyle: "Reiche sind nur wenig glücklicher als andere. 100 befragte Supermillionäre mit jeweils mehr als 125 Millionen Dollar Vermögen fühlten sich zu 67 Prozentglücklich, zufällig ausgewählte Amerikaner zu 62 Prozent."

Glenn Firebaugh und Laura Tach, amerikanische Soziologen: "Geld macht glücklich - durch den Vergleich mit den Mitmenschen. Wer Geld hat, ist vielleicht zufrieden, aber nur wer über mehr Geld verfügt als seine Altersgenossen und Kollegen, ist wirklich glücklich. Das beweist ein soziologisches Experiment. Die Befragten hatten die Wahl: a) Sie verdienen 60.000 Dollar pro Jahr, Ihre Kollegen 50.000, b) Sie verdienen 80.000 Dollar pro Jahr, Ihre Kollegen 90.000 Dollar. Die Mehrheit wählte Option a), würde also auf 20.000 Dollar verzichten, nur um mehr zu verdienen als die Kollegen."

Christoph Lau, Autor des Buches "Relativitätstheorie des Glücks": "Ein Lottogewinn ist kein Garant für ein erfülltes Leben. Der Gewinn macht nur kurzfristig glücklich. Ich habe 14 Lottomillionäre befragt. Das Ergebnis: Langfristig glücklich wird nur, wer sich bewusst macht, was in seinem Leben zählt und das Geld dafür nutzt. Verschwendung macht nicht glücklich, wohl aber, wenn sich der Gewinner einen Kindertraum erfüllt. Ein Lottogewinn verändert einen Menschen nicht, er entlarvt ihn."

Martin Seligman, Professor für Psychologie an der Universität von Pennsylvania: "Geld ist kein Glücksgarant. Sobald die grundlegenden Bedürfnisse befriedigt sind, hat mehr Geld kaum Auswirkungen auf das Glückserleben. Studien mit Gewinnern hoher Geldsummen zeigen, dass nach einer kurzen Glücks-Euphorie der vorherige Glückslevel eher unterschritten wird. Dazu scheint zu passen, dass in internationalen Vergleichsstudien materiell arme Länder im Hinblick auf das Glücksempfinden ihrer Bevölkerung meist weit vor den reichen Nationen rangieren."

Herbert Achternbusch, Künstler: "Das schöne Gefühl, Geld zu haben, ist nicht so intensiv wie das Scheißgefühl, kein Geld zu haben."

Protokoll: Titus Arnu

Was man sich leisten würde!

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