FotoreportageDas hab' ich gekriegt

Der eine freut sich über das Segelboot, die andere runzelt die Stirn über den Pelzmantel. Sechs Erbstücke und ihre Geschichte.

Das Segelboot

Ich habe Sabrina geerbt. Warum sie so heißt, weiß ich nicht. Sie hieß schon 1963 so, als mein Opa sie kaufte. Niemand tauft Boote um, das bringt Unglück. In Sabrina lässt es sich wunderbar über den Bodensee segeln. Vor fünf Jahren, als Opa noch lebte, haben wir das Boot ausgewassert und saniert. Die Kabine aus Mahagoni-Holz glänzt jetzt wieder wie neu. Da ich Bootsbauer bin, konnte ich mit einem Kollegen alles selber reparieren, mit der finanziellen Hilfe meiner Familie. Schon als Kind bin ich oft mit meinem Opa auf dem Boot gewesen. Er hatte immer Orangina dabei, die Limo in den bauchigen Flaschen, und selbstgebackene Leckerlis von Oma. Wenn wir dann unter Segel ausgelaufen waren, durfte ich die Pinne übernehmen während Opa sich am Kajütenaufbau anlehnte und das leise Plätschern der Wellen am Bug bei einer Zigarre genoss. Schon damals hat er oft zu mir gesagt, dass ich den Einmaster später mal übernehmen dürfe. Das sehe ich als echte Chance. Ich finde es schön, wenn Erbstücke samt der Bedeutung, die sie für die eine Generation haben, an die nächste Generation übergehen. Ich würde mich freuen, wenn es meiner kleinen Tochter später genau so geht.

David Bräutigam, 32, Bootsbauer, Kreuzlingen

Bild: Matthias F. Döring 8. Juli 2016, 20:062016-07-08 20:06:21 © SZ.de/mmm