Frauen mit Zwillingsbruder haben englischen Forschern zufolge eine deutlich herabgesetzte Chance auf Nachwuchs. Schuld daran sind offenbar die Hormone des Bruders.

Wenn Geschwister streiten, dann sind die Vorwürfe manchmal genauso heftig wie abwegig - das gilt auch für Zwillinge. Wenn aber eine Zwillingschwester ihren Zwillingsbruder dafür verantwortlich macht, dass sie keine Kinder bekommt, kann sie sich tatsächlich auf wissenschaftliche Erkenntnisse berufen.

Wird sie Probleme haben, Kinder zu bekommen? (© Foto: iStockPhoto)

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Wissenschaftlern der Sheffield University zufolge besitzen Frauen, die einen männlichen Zwillingsbruder haben, eine um 25 Prozent verringerte Wahrscheinlichkeit, Kinder zu bekommen, als Frauen mit einer Zwillingsschwester.

Für ihre Studie, die in dem Fachmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences erschienen ist, hatten sie medizinische Akten von 377 finnischen Zwillingspaaren aus dem 18. und 19. Jahrhundert ausgewertet.

Ihre Wahl war deshalb auf die vorindustrielle Zeit gefallen, weil in modernen westlichen Gesellschaften das Ergebnis durch verbesserte Gesundheitsversorgung und Möglichkeiten von künstlichen Befruchtungen verzerrt worden wäre.

Die Forscher sehen die Ursache für die Kinderlosigkeit in hormonellen Einflüssen: Im Mutterleib ist der weibliche Fötus dem Testosteron des Bruders ausgesetzt, das sich in der Gebärmutter frei bewegen kann. Für diese These spricht zudem, dass die Ergebnisse auch auf Zwillingsschwestern zutrafen, deren Bruder bei der Geburt gestorben war.

Höheres Krebsrisiko

Bei Frauen mit einem männlichen Zwillingsbruder nahm auch die Heiratswahrscheinlichkeit um 15 Prozent ab. Die Wissenschaftler erklären sich die Resultate ihrer Studie zum einen damit, dass Frauen mit einem männlichen Zwillingsbruder oftmals männliche Eigenschaften oder Gesichtszüge aufweisen, die ihre Attraktivität für Männer verändert oder ihre Entscheidung zu heiraten beeinflussen kann.

Zum anderen kann ein hoher Testosteronlevel im Mutterleib das Risiko erhöhen, an Krebs der Fortpflanzungsorgane zu erkranken.

Ihre Schlussfolgerung zum Zusammenhang zwischen Testosteron im Mutterleib und verminderter weiblicher Fruchtbarkeit konnten die Forscher zumindest in Tierversuchen bestätigen.

"Eine Folge davon ist", so der Autor der Studie, Virpi Lummaa, zum britischen Sender BBC, "dass Mütter mit zweigeschlechtlichen Zwillingen weniger Enkel und damit auch weniger evolutionäre Durchsetzungsfähigkeit besitzen."

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(sueddeutsche.de)