Forscher erstellen Glücksatlas Migranten sind optimistischer als der Durchschnitt

Migranten, die gut Deutsch sprechen können, sind laut einer Studie in Deutschland glücklicher.

Wie glücklich sind die Deutschen? Nach einer Studie sind Einwanderer zufriedener als die Gesamtbevölkerung - vorausgesetzt sie sprechen und verstehen Deutsch. In einer Rangliste der Regionen fällt Bayern ab.

Im Auftrag der Deutschen Post haben Forscher des Allensbach-Instituts die Zufriedenheit der Menschen in der Bundesrepublik untersucht. Insbesondere beschäftigt sich der "Deutsche Post Glücksatlas 2013" mit der Lebenssituation von Zuwanderern.

Nach ihrer eigenen Einschätzung geht es Migranten fast ebenso gut wie der Gesamtbevölkerung. "Uns hat überrascht, dass Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland offenbar zufriedener mit ihrem Leben sind, als man aufgrund der öffentlichen Debatte vermuten würde", sagt Jürgen Gerdes aus dem Konzernvorstand der Deutschen Post DHL.

Außerdem sind Einwanderer im Schnitt optimistischer: Eltern mit Migrationshintergrund blicken positiver in die Zukunft ihrer Kinder. 54 Prozent der Befragten mit Kindern unter 30 glauben, dass es ihrem Nachwuchs später einmal besser gehen wird. Unter den einheimischen Eltern bejahen das nur 27 Prozent, heißt es in der Studie.

Deutsche Sprache, schwere Sprache? Mag sein, aber sie kann auch glücklich machen. Wer sie als Einwanderer beherrscht, ist glücklicher, als diejenigen, die kein Deutsch sprechen. Das zeigt die Glücksstudie auch.

Soziale Aufsteiger sind glücklicher

Viele Einwanderer sehen sich außerdem als soziale Aufsteiger: Deutlich mehr als die Hälfte der befragten Migranten gaben an, dass sich ihre eigene Stellung gegenüber der der Eltern verbessert hat. Zum Vergleich: In der Gesamtbevölkerung sieht das nur knapp die Hälfte so.

Migranten haben dafür mit Problemen wie Diskriminierung zu kämpfen. Wer sich benachteiligt fühlt, ist deutlich unglücklicher. 57 Prozent der Befragten gaben an, aufgrund ihrer Herkunft schon einmal ungerecht behandelt worden zu sein. Sechs Prozent fühlen sich häufiger diskriminiert.

Für die Studie wurden einerseits Daten aus einer breit angelegten Langzeitbefragung genutzt. Andererseits basiert sie auf Ergebnissen des Instituts für Demoskopie Allensbach, das im Sommer 2013 3073 Menschen befragt hat. Für die Untersuchung des Glücks von Zuwanderern hat Allensbach eine separate Umfrage mit deutschsprachigen Migranten ab 16 Jahren durchgeführt.

Wie man Glück messen kann, ist unter Forschern umstritten. Für den Post-Glücksatlas werden unter anderem die persönliche Zufriedenheit mit Arbeit, Freizeit, Einkommen, Gesundheit und dem Leben im Allgemeinen abgefragt.

Schleswig-Holstein ist am glücklichsten

In Deutschland wohnt das Glück vor allem im Norden. Nicht in den reichen Ländern Bayern und Baden-Württemberg sind die Menschen am zufriedensten, sondern in Schleswig-Holstein.

Auch die anderen Bundesländer an der Nordseeküste liegen dabei wie im vergangenen Jahr in der Spitzengruppe. In der gesamten Bundesrepublik liegt das Glücksniveau auf einer Skala von 1 bis 10 seit drei Jahren bei 7,0 - trotz der noch immer schwelenden Eurokrise. Damit befinden sich die Deutschen im europäischen Vergleich im oberen Drittel. Auf dem ersten Platz liegt Dänemark, am unglücklichsten sind die Griechen.

An der Spitze des Zufriedenheits-Rankings hat es leichte Veränderungen gegeben. Schleswig-Holstein hat Hamburg auf Platz zwei verdrängt. Das nördliche Niedersachsen liegt dahinter auf Rang drei. Der Süden Bayerns rutschte auf Platz neun ab, Franken auf Platz 13. Im vergangenen Jahr lag der Süden Bayerns auf Platz drei und Franken direkt dahinter auf dem vierten Platz. Am unglücklichsten sind die Menschen der Studie zufolge in Brandenburg. Auf dem vorletzten Platz liegt Sachsen-Anhalt, davor steht Thüringen.

Auch insgesamt droht der Osten in Sachen Glück ins Hintertreffen zu geraten: Erstmals seit 2004 hat sich der Abstand zwischen Ost und West wieder vergrößert. Laut den aktuellen Daten der Forscher ist die Lücke in diesem Jahr größer geworden, nachdem Ost- und Westdeutschland sich zuvor immer weiter angenähert hatten.

Auffällig ist, dass die Deutschen in diesem Jahr glücklicher mit ihrem Einkommen sind. Ihre Gesundheit hingegen bereitet den Befragten mehr Sorgen: Die Werte haben sich im Vergleich zum Vorjahr leicht verschlechtert.