Von Daniela Kuhr

Verbraucherschützer fordern schon seit Jahrendie klare Kennzeichnung des Nährwerts - ein heikles Thema.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner aufgefordert, sich vehement für die Ampelkennzeichnung von Lebensmitteln einzusetzen. Bei dem Spitzentreffen an diesem Dienstag mit Vertretern der Ernährungsindustrie dürfe die Ministerin "nicht davon abrücken", sagte Foodwatch-Gründer Thilo Bode der Süddeutschen Zeitung. "Wenn sie keine Politik für die Industrie, sondern für die Verbraucher machen will, kann das Ergebnis nur die Ampel sein." Aigner trifft sich mit Vertretern der Ernährungsindustrie und Verbraucherschützern, um über eine sinnvolle Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln zu diskutieren.

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In Großbritannien bereits eingeführt: Klare Kennzeichnung von Lebensmitteln. (© Foto: dpa)

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Das Ampelmodell wurde in Großbritannien entwickelt, um bei Lebensmitteln die Gehalte an Zucker, Fett, gesättigten Fettsäuren und Salz transparent zu machen. Auf der Verpackung signalisieren die Farben Rot, Gelb und Grün, ob der Gehalt alarmierend hoch oder eher niedrig ist.

Die Lebensmittelindustrie lehnt das Modell als irreführend ab. Aigners Vorgänger Horst Seehofer hatte als Alternative das sogenannte 1plus4-Modell entwickelt. Danach sollen Lebensmittelverpackungen zwar im Großen und Ganzen die gleichen Angaben enthalten wie bei der Ampel, sie sollen sich aber jeweils auf eine Portion beziehen und in Prozent zum Tagesbedarf eines Erwachsenen gesetzt werden.

Eine farbliche Kennzeichnung hatte das Ministerium anfangs abgelehnt, schließt sie mittlerweile aber nicht mehr aus. Dennoch kritisieren Verbraucherschützer Seehofers Modell als zu kompliziert und zu wenig aussagekräftig. "Das 1plus4-Modell verwirrt durch Nährwertangaben für willkürliche Portionsgrößen", sagte Bode. "Die Ampel dagegen ist einheitlich, eindeutig und einfach zu verstehen."

Bei der Ampel sollen sich die Angaben auf jeweils 100 Gramm oder 100 Milliliter beziehen. Nach einer von Foodwatch in Auftrag gegebenen Umfrage sind zwei von drei Verbrauchern für die Ampelkennzeichnung.

Auch die Verbraucherschutzminister der Länder hatten sich im September dafür ausgesprochen und die Bundesregierung aufgefordert, sich auf EU-Ebene für eine "verpflichtende Nährwertkennzeichnung" einzusetzen, die "den Gehalt der Nährwerte in den Farben Grün, Gelb und Rot kennzeichnet". Bode befürchtet, dass das Treffen am Dienstag dazu dienen soll, dieses "klare Mandat" aufzuweichen.

Dem widerspricht man im Ministerium. Es gehe nur darum, mit der Industrie und dem Bundesverband der Verbraucherzentralen zu diskutieren und sich eine Meinung zu bilden, sagte eine Sprecherin. Aigner sei grundsätzlich offen für eine "Visualisierung" der Angaben auf den Verpackungen. "Das ist einer der Punkte, um die es bei dem Treffen gehen wird", sagte die Sprecherin.

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(SZ vom 03.02.2009/bilu)